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Energiepreisrallye: Wenn niederländische Gewächshäuser dunkel werden

Hochschnellende Strompreise zwingen das riesige Netzwerk niederländischer Gewächshäuser - das größte auf dem Kontinent - dazu zu schließen oder die Produktion zu drosseln, was die Versorgung Europas mit Obst und Gemüse sowie Blumen bedroht.

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Glaushausproduktion von günstigen Lebensmitteln verträgt sich schlecht mit steigenden Energiepreisen.
© Archiv

Obwohl die Niederlande klein sind, sind sie der weltweit zweitgrößte Lebensmittelexporteur der Welt, unter anderem dank seiner ertragreichen Gewächshäuser, die sich über 10.000 Hektar etwa so groß wie Paris erstrecken. Sie machen das Land zu einem der wichtigsten Lieferanten von Frischwaren in Europa und zu einem großen Drehkreuz für den Blumenhandel. Im Jahr 2020 beliefen sich die niederländischen Exporte von Gewächshausprodukten auf 9,2 Milliarden Euro.

Steigende Energiepreise sind Gift für die Produktion
Für die Beheizung dieser weitläufigen Glasbauten werden jedoch bis zu drei Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr benötigt, das sind etwa 8,2 Prozent des Gesamtverbrauchs des Landes an diesem Brennstoff. Europas steigende Energiepreise haben einen "massiven Einfluss" auf den Sektor, sagte Cindy van Rijswick, eine leitende Analystin der Rabobank, im Gespräch mit Bloomberg. Das treibt einige Erzeuger dazu, die Beleuchtung zu reduzieren, die Anbausaison beenden oder einen späteren Beginn im nächsten Frühjahr planen. "Dies sind drastische Maßnahmen, die Produktion und Ertrag reduzieren und erhebliche wirtschaftliche Folgen für die Unternehmen haben", so der Branchenverband Glastuinbouw Nederland. "Wir können nicht ausschließen, dass die Verbraucher auch mehr für ihr
Gemüse, Blumen und Pflanzen zahlen." 

Verknappung von Obst und Gemüse könnte Lebensmittelinflation weiter anheizen
Der Index der Vereinten Nationen für die Weltpreise in der Nähe eines Dekadenhochs. Die Getreideernten wurden durch schlechtes Wetter beeinträchtigt, die Transportkosten explodieren und es gibt einen Mangel an Arbeitskräften in Farmen bis hin zu Restaurants. Die Energieknappheit könnte diese Probleme noch verschärfen und sich nicht nur auf die Gewächshäuser auswirken, sondern auch auf die Kosten für Düngemittel, die zur Steigerung der Ernteerträge benötigt werden.  

Energie als großer Kostenblock bei Obst, Gemüseund Blumen
Energie mache bis zu 30 Prozent der Kosten für die meisten Gewächshauskulturen aus, sagt Glastuinbouw Nederland, und ein großer Ein großer Teil der Gaslieferungen werde zu Spotpreisen gekauft. Die niederländischen Erdgas-Terminkontrakte sind seit Jahresbeginn um das Fünffache gestiegen und haben damit frühere Rekorde gebrochen. Marcel van der Lugt von Lugt Lisianthus, einem Familienbetrieb, der seit einem Jahrhundert Blumen züchtet, sagt, die Kosten seien um 20 bis 25 Prozent gestiegen, nachdem sich die Energierechnungen vervierfacht haben. 

Bei Lans, einem in Maasdijk ansässigen Tomatenzüchter, der etwa 40 Millionen Kilogramm des Gemüses pro Jahr erzeugt, werden die Gewächshäuser bereits dunkler. Der Großteil der Ernte wird drinnen angebaut, und normalerweise werden alle Lampen, die die
Tomatenstöcke warm halten, eingeschaltet, wenn das Tageslicht im Winter schwindet. Dieses Jahr laufen sie nur zu 50 bis 80 Prozent. "Letztendlich wird man weniger produzieren", sagt Betriebsleiter Erwin van der Lans gegenüber Bloomberg. "Das fängt jetzt an. Unsere Produktion wird jetzt um etwa zehn Prozent  gekürzt, das kann bis zu 20 Prozent gehen. Letztendlich werden die Kunden nach und nach mehr bezahlen müssen." (kb)

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