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El-Erian: "US-Wirtschaft verträgt höhere Zinsen"

Die Federal Reserve sollte umdenken, fordert Mohamed El-Erian. Der renommierte Investmentexperte sieht die US-Notenbank in der Pflicht, Anleger früh auf einen Kurswechsel vorzubereiten – also auch auf steigende Zinsen.

Mohamed El-Erian, leitender Wirtschaftsberater der Allianz und ehemaliger Co-Chef der Fondgesellschaft Pimco
Mohamed El-Erian, leitender Wirtschaftsberater der Allianz und ehemaliger Co-Chef der Fondgesellschaft Pimco
© Bloomberg

Nach Einschätzung von Mohamed El-Erian, dem ökonomischen Chefberater der Allianz, hat sich die US-Notenbank ein Stückweit in eine Falle manövriert. "Sie hat sich zum falschen Zeitpunkt eine neue Strategie begeben", kritisiert er im Interview mit dem "Handelsblatt". Anders als früher, als die Fed versuchte, Inflationsanstiege bereits im Entstehen abzuwürgen, hat sie sich 2019 darauf festgelegt, erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt aktiv zu werden. "Das schränkt sie nun extrem ein", sagt El-Erian, der seit vergangenem Jahr auch Präsident des Queen's College in Cambridge ist.

Nach Ansicht des Ökonomen sollte die Fed früh damit beginnen, kleine Schritte in Richtung einer geldpolitischen Normalisierung zu gehen. "Wenn sie schnell und deutlich den Kurs ändern muss, dann wird es zum Problem", warnt er. Nicht nur bei den Anleihekäufen, auch bei den Zinsen sei es essenziell, die Anleger nicht zu spät auf eine mögliche Kurswende vorzubereiten. Zinssteigerungen an sich würden die US-Wirtschaft nicht beeinträchtigen, ist El-Erian überzeugt. Im Gegenteil: "Auf längere Sicht schaden ihr zu niedrige Zinsen, weil sie zu Verzerrungen führen. Die Wirtschaft verliert an Effizienz, weil Kapital nicht mehr an den richtigen Stellen investiert wird. Das führt auch zu Blasen an den Finanzmärkten."

Gefahr fürs Finanzsystem
Die Konjunktur in den Vereinigten Staaten brummt, die Steuereinnahmen wachsen. "Das ist eigentlich die beste Zeit, um die Geldpolitik etwas zurückzufahren." Viele institutionelle Investoren, etwa JP Morgan, bleiben seiner Beobachtung nach trotz dieser Aussichten voll investiert. "Sie wissen zwar, dass es fundamental keine Rechtfertigung dafür gibt, aber sie verlassen sich immer noch auf die Fed", sagt er. Das Problem daran: Stehen alle Marktteilnehmer auf derselben Seite, wird es gefährlich, wenn die oberste Währungshüterin auf die Bremse steigt. "Neben einer Rezession könnte das auch zu Problemen bei der Finanzmarktstabilität führen, was sehr tragisch wäre", warnt El-Erian. (fp)

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