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Einsteigen oder umschichten? Beides - mit Wandelanleihen

Es gibt einige negative Szenarien, darunter Rezession und Stagflation, deren Eintrittswahrscheinlichkeit zumindest nicht vernachlässigbar ist. Dies erschwert die Entscheidungsfindung hinsichtlich sowohl taktischer als auch strategischer Asset Allokation deutlich.

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Ute Heyward
© Fisch AM

"Mit Wandelanleihen gibt es ein Instrument, das prädestiniert ist für genau ein solches Umfeld, da sie über ein sogenanntes ‚automatisches Timing‘ verfügen. Investoren sind damit sowohl bei steigenden als auch fallenden Aktienmärkten automatisch richtig positioniert, ohne aktiv ihre Aktienallokation erhöhen oder reduzieren zu müssen. Denn Wandelanleihen partizipieren einerseits an der Kursteigerung der zugrundeliegenden Aktie. Andererseits reagieren sie nur relativ gedämpft auf Kursverluste. Wandelanleihen bieten damit ein asymmetrisches Renditeprofil, das im ‚Sweet Spot‘ der Aktiensensitivität besonders ausgeprägt ist, also bei einem sogenannten konvexen beziehungsweise ausgewogenen Profil.", sagt Ute Heyward, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management in Zürich.

Das Delta macht's
Je nach Markteinschätzung kann der Anleger auch in besonders aktiensensitive (mit hohem Delta) oder andererseits in anleihenähnliche Papiere (mit niedrigem Delta) investieren, um so gezielt stärker von potentiellen Kursgewinnen zu profitieren oder sich eher defensiv zu positionieren. Dabei reagieren Wandelanleihen sehr dynamisch auf das Marktumfeld und bewegen sich hinsichtlich der Aktiensensitivität zügig von einem Bereich in den anderen. Beispielsweise konnten sie nach den starken Aktienmarktverlusten während der Covid-Krise wieder schnell vom Turnaround profitieren und ihre Verluste innerhalb sehr kurzer Zeit und bedeutend schneller als Aktien ausgleichen und anschließend weiter zulegen.

Aktiensensitivität des Convertible-Universums deutlich gesunken
Nach den heftigen Marktverwerfungen bisher in diesem Jahr hat sich die durchschnittliche Aktiensensitivität des breiten Wandelanleihenuniversums von rund 55 Prozent vor zwölf Monaten auf mittlerweile etwa 34 Prozent stark reduziert. "Damit bewegen sich sehr viele Titel wieder im genannten ausgewogenen Bereich und bieten in dieser Hinsicht ein besonders positives Chancen-Risiko-Profil", weiß Ute Heyward.

Wandelanleihen bieten sehr spezifische Vorteile
Nun stellt sich die entscheidende Frage: Wie sieht es mit der Performance aus?  Erfreulicherweise langfristig sehr gut, gemessen am Refinitiv Global Vanilla  Wandelanleihe-Index, der mit rund 560 Titeln ein liquides, globales Universum abdeckt. Seit dessen Verfügbarkeit ab 1994 liegen Aktien (gemessen am MSCI World) und Wandelanleihen mit 7,4 respektive 7,3 Prozent pro Jahr nahezu gleichauf. Dabei zeigten Wandelanleihen mit 10,0 Prozent p.a. allerdings eine deutlich niedrigere Volatilität als Aktien mit 14,9 Prozent (jeweils per 31. Mai 2022).

Growth-Titel begeben oft Wandler
Kurzfristig hingegen, also für 2022, konnten Wandelanleihen ihre Vorteile mit ähnlichen Verlusten wie die breiten Indizes auf den ersten Blick nicht ausspielen. Grund hierfür ist das Growth-Segment, das im  Wandelanleihenuniversum stark vertreten ist, und im Zuge der Verkaufswelle deutlich stärkere Verluste als Blue-Chips anderer Branchen erlitt. Ein Vergleich mit dem US-Technologieindex Nasdaq (-31 Prozent) oder dem Russell 2000 Growth (-32,8 Prozent) bis Mitte Juni fällt hingegen vorteilhaft aus, da die oben genannten Charakteristika lehrbuchmäßig funktioniert haben. Im Vergleich verlor der Refinitiv Global Vanilla 19 Prozent  (MSCI World -22,6 Prozent).

Breiter Index
Trotz deutlicher Sektorneigung in Richtung Growth hält der Wandelanleihenmarkt eine große Bandbreite an Unternehmen jeglicher Branchen bereit. Insbesondere seit der Pandemie haben viele Firmen die Vorteile dieser Finanzierungsmöglichkeit neu entdeckt, als andere Finanzierungskanäle versperrt oder zu teuer waren. Grundsätzlich bieten Wandelanleihen für Anleger mit Interesse an zukunftsträchtigen Segmenten wie Digitalisierung (darunter Cybersicherheit), Elektromobilität und alternativer Energieerzeugung viel Auswahl. Darunter sind Unternehmen, die keine anderweitigen Anleihen begeben haben. Hier sind Wandelanleihen die einzige Investitionsmöglichkeit, wenn Direktinvestitionen in Aktien keine Option sind.

Qualität im Fokus
Aufgrund des ausgesprochen unsicheren Markt- und Konjunkturumfelds legt man bei Fisch AM bei der Portfoliokonstruktion den Fokus auf Qualität." Firmen mit soliden Geschäftsmodellen und Preissetzungsmacht sollten im Falle einer Verschlechterung des Umfelds oder hartnäckiger Inflation Stabilität bieten. Dazu zählen auch Firmen, die von der zunehmenden Digitalisierung profitieren, und deren Lieferketten nicht von den gegenwärtigen Problemen in China sowie den Auswirkungen des Ukrainekriegs betroffen sind. Dagegen meiden wir Firmen, die negativ auf steigende Zinsen reagieren, zum Beispiel aus dem Immobiliensektor sowie teuer bewertete und unrentable Wachstumsunternehmen“, so Ute Heyward. (kb)

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