Einkaufsmanagerindex der Eurozone sendet beunruhigende Signale
Die neuesten Daten wirken leider nur auf den ersten Blick stabil, findet Dr. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank in Liechtenstein.

Eckpunkte:
- Einkaufsmanagerindex der Eurozone gibt keinen Grund zur Freude
- Vorgezogene Bestellungen verzerren den Index nach oben
- Künstlich verbesserte Auftragseingänge
Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe steigt im März von 50,8 auf 51,4. Das Barometer für den Dienstleistungssektor sinkt dagegen von 51,9 auf 50,1. Der kombinierte Einkaufsmanagerindex (Composite) fällt damit von 51,9 auf 50,5. Diese Detailwerte zeigen klar steigende Risiken für die Konjunktur, ist Dr. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, überzeugt.
Auf den ersten Blick sieht es gut aus...
Es ist der erste aussagekräftige Konjunkturindikator nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran. Die Unternehmen reagieren bisher erstaunlich gelassen. Zwar sinkt der Gesamtindex, doch ein stärkerer Rückgang wäre gut vorstellbar gewesen. Trotzdem bleibt die Lage angespannt.
...., doch die Details beunruhigen
Der Index für das verarbeitende Gewerbe steigt überraschend. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein Zeichen für Krisenresilienz. Allerdings meldeten einige von S&P Global befragte Firmen vorgezogene Bestellungen, sie befürchten Lieferunterbrechungen und das verbessert den Auftragseingang künstlich. Gleichzeitig sinken die Geschäftserwartungen. Grund dafür sind deutlich längere Lieferzeiten und deutlich höhere Einkaufspreise. Der Anstieg im verarbeitenden Gewerbe sieht damit besser aus, als er ist.
Der Rückgang im Dienstleistungssektor überrascht hingegen weniger. Steigen die Energiekosten, bleibt den Haushalten weniger Geld für den Konsum.
Keine guten Konjunktur-Vorboten
Je länger der Iran-Krieg anhält und je stärker er die globale Versorgung mit Rohstoffen blockiert, desto höher werden die wirtschaftlichen Schäden. Die Einkaufsmanagerdaten zeigen das klar. "Die längeren Lieferzeiten und die stark steigenden Einkaufspreise sind keine guten Vorboten für die Konjunktur", weiß Dr. Gitzel. (kb)