Logo von Institutional Money
| Märkte

Ein Fünftel der US-Stroms wird 2035 von Datenzentren aufgesaugt

US-Rechenzentren könnten 2035 rund ein Fünftel des gesamten Stromverbrauchs des Landes auf sich vereinen. BloombergNEF hat seine Bedarfsprognose auf 194 Gigawatt angehoben. Selbst bei einem Rekordtempo beim Netzanschluss droht eine Versorgungslücke.

Datenhunger treibt Energiehunger – das wird voraussichtlich die Energieversorgung vor enorme Herausforderungen stellen.
Datenhunger treibt Energiehunger – das wird voraussichtlich die Energieversorgung vor enorme Herausforderungen stellen.© Michelle / stock.adobe.com

ECKPUNKTE

  • Der Anteil am US-Stromverbrauch dürfte von derzeit 5,9 auf rund 20 Prozent im Jahr 2035 steigen.
  • BloombergNEF erwartet einen Leistungsbedarf von 194 Gigawatt – 83 Prozent mehr als noch im Dezember prognostiziert.
  • Selbst bei einem anhaltend hohen Anschlusstempo könnte 2035 eine Versorgungslücke von 19 Gigawatt bestehen.

Der Ausbau Künstlicher Intelligenz verändert die Stromnachfrage in den USA grundlegend. Nach Berechnungen von BloombergNEF (BNEF) dürften Rechenzentren 2035 rund 20 Prozent des landesweiten Stromverbrauchs ausmachen. Derzeit liegt ihr Anteil bei 5,9 Prozent, für 2030 rechnen die Analysten mit etwa zwölf Prozent. „Von fünf Einheiten Energie, die Kohle- und Gaskraftwerke oder Solarparks in den USA erzeugen, wird eine an Rechenzentren gehen“, erklärt Lloyd Arnold, Analyst bei BNEF und Mitautor des Berichts. Diese Energie stehe damit nicht für andere Verbraucher zur Verfügung, etwa für Elektrofahrzeuge oder Städte.

Prognose deutlich erhöht
In absoluten Zahlen bedeutet das, dass der Leistungsbedarf der US-Rechenzentren bis 2035 auf 194 Gigawatt steigt. Das entspricht ungefähr der Kapazität von 194 herkömmlichen Kernreaktoren. Gegenüber der Prognose vom Dezember wurde die Schätzung um 83 Prozent angehoben. Grund dafür ist die wachsende Zahl geplanter KI-Anlagen, die innerhalb des kommenden Jahrzehnts entstehen sollen.

Besonders hoch dürfte der Anteil des Verbrauchs in Regionen mit einer starken Konzentration von Rechenzentren ausfallen. Dazu gehören das vom Netzbetreiber PJM Interconnection versorgte Gebiet mit 13 Bundesstaaten einschließlich Nord-Virginia sowie Texas.

Netze unter Druck
Der sprunghafte Bedarf trifft auf Stromnetze, die nach zwei Jahrzehnten weitgehend stagnierender Nachfrage nur begrenzt auf einen solchen Zuwachs vorbereitet sind. Betreiber suchen daher nach Möglichkeiten, ihre Anlagen schneller mit Energie zu versorgen, etwa durch die Kombination aus Netzstrom, Batteriespeichern und eigener Gaserzeugung.

Gleichzeitig stoßen neue Projekte auf Genehmigungsstopps lokaler Behörden und politischen Widerstand. Dabei stehen vor allem der steigende Stromverbrauch und die Umweltauswirkungen der Anlagen in der Kritik.

Der bisherige Rekord für neu ans Netz angeschlossene Rechenzentrumskapazität liegt laut BNEF bei 7,1 Gigawatt innerhalb eines Jahres. Selbst wenn dieses Tempo bis 2035 gehalten wird und zusätzliche Gaskraftwerke direkt an den Standorten entstehen, errechnen die Analysten in ihrem Basisszenario noch eine Versorgungslücke von 19 Gigawatt. (hw)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion