Logo von Institutional Money
| Märkte

Edouard Carmignac: "Chaos zerstört keine Werte, es verteilt sie neu"

In seinem aktuellen Brief an die Anleger der französischen Investmentboutique rät deren Gründer trotz der Krise am Persischen Golf zu "angemessenem Optimismus". Er warnt allerdings vor geldpolitischer Fehlsteuerung durch EZB und Fed und setzt auf grüne Energie und "erweiterte Intelligenz".

Édouard Carmignac: "Unser Ziel ist es nicht, Chaos zu vermeiden, sondern jene Bereiche zu identifizieren, in denen es neue Wertschöpfung hervorbringt."
Édouard Carmignac: "Unser Ziel ist es nicht, Chaos zu vermeiden, sondern jene Bereiche zu identifizieren, in denen es neue Wertschöpfung hervorbringt."© Marlene Fröhlich / Institutional Money

Eckpunkte:

  • Politische Börsen haben oftmals kurze Beine
  • Höhere Inflation könnte zu höheren Zinsen führen
  • Kursrückgänge ermöglichen günstigeren Einstieg bei interessanten Werten

Édouard Carmignac zeigt sich trotz der angespannten Lage im Nahen Osten weiterhin zuversichtlich für langfristige Kapitalmarktanlagen. In seinem aktuellen Brief an seine Anlegerkunden kommentiert der Gründer der gleichnamigen Vermögensverwaltung die internationale Krise rund um den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus, was die Ölpreise zeitweise verdoppelt und die Konjunkturaussichten eingetrübt hat. Trotz des Katastrophen-Szenarios, so Carmignac, seien die Aktien- und Anleihemärkte bislang erstaunlich ruhig geblieben.

Den Grund dafür sieht der Fondsmanager darin, dass politische Risiken oft überschätzt würden und die Konfliktparteien letztlich aus ökonomischem Eigeninteresse zur Vernunft kommen müssten. US-Präsident Donald Trump bezeichnet er als typischen Pokerspieler, der seine Drohungen selten bis zum Ende durchziehe. Eine langfristige Eskalation scheint in den Augen von Carmignac daher eher unwahrscheinlich.

Das wahre Problem sind die Zentralbanken
Größere Gefahren für die Märkte entstünden vielmehr durch die abrupte Verschiebung der Zinserwartungen. Während vor wenigen Monaten noch Zinssenkungen der US-Notenbank FED und stabile Leitzinsen in Europa erwartet wurden, rechneten Marktteilnehmer nun mit Zinserhöhungen auf beiden Seiten des Atlantiks. Carmignac hält diese Trendwende für überzogen: Hohe Energiepreise könnten zwar die Inflation anheizen, zugleich aber das Wachstum dämpfen, was geldpolitische Straffungen weniger plausibel mache.

Investoren rät Carmignac, Unruhephasen nicht als Wertvernichtung, sondern als Umverteilung zu begreifen. Zu den Gewinnern dieser Neuordnung zählt er grüne Energie, militärische Sicherheitsausrüstung in Europa und den Golfstaaten, Nahrungsmittelsicherheit sowie technologische Innovationen im Bereich der "erweiterten Intelligenz".

Das Ziel seines Hauses sei daher nicht, Chaos zu vermeiden, sondern jene Bereiche zu identifizieren, in denen es neue Wertschöpfung hervorbringe. (hh)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion