DZ Bank: Risikoprämie für Rohöl steigt „mit voller Wucht“
Im Zuge des militärischen Konflikts im Mittleren Osten steigt der Rohölpreis – und damit die Risikoprämie. Eine baldige Entspannung am Ölmarkt sei nicht in Sicht, schreibt die DZ Bank.

Eckpunkte:
- Straße von Hormus nahezu unpassierbar
- Mit Meerenge Bab al-Mandab wird eine weitere zentrale Handelsroute bedroht
- Rohölsorte Brent klettert auf rund 110 US-Dollar pro Barrel
- Keine Entspannung am Ölmarkt zu erwarten
Im Zuge der erneut eskalierenden militärischen Konfrontation im Mittleren Osten hat der Ölpreis seine Schwächephase abrupt beendet: Die europäische Referenzsorte Brent kletterte zuletzt auf rund 110 US-Dollar je Barrel – den höchsten Stand seit Mitte Mai. Am physischen Markt wurden für sofort verfügbare Lieferungen zeitweise sogar rund 120 US-Dollar aufgerufen. „Die geopolitische Risikoprämie ist mit voller Wucht an den Rohölmarkt zurückgekehrt“, sagt Linda Yu, Analystin der DZ Bank. Haupttreiber der steigenden Preise sei die eskalierende militärische Konfrontation im Mittleren Osten.

Auge um Auge...
Direkte Schläge zwischen den USA und dem Iran hätten die Risikoprämien sprunghaft ansteigen lassen. Nachdem Washington Angriffe auf Stellungen der iranischen Revolutionsgarden geflogen hatte, drohte Teheran umgehend mit weiteren massiven Vergeltungsschlägen, sollten die Operationen anhalten. Dadurch nehmen Sorgen vor einer weiteren Ausweitung des Konflikts auf die gesamte Region weiter zu, so DZ Bank Research in einem Bericht vom vergangenen Freitag.
Auch Ausweichroute unter Druck
Gleichzeitig sei der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus fast vollständig zum Erliegen gekommen. „Selbst unter militärischem Geleitschutz bleibt die Durchfahrt für Handelsschiffe mit extremen Risiken verbunden“, so Yu. Nun geraten auch die Ausweichrouten immer mehr unter Druck. Um Hormus zu umgehen, leiten die Anrainerstaaten ihr Öl vermehrt über Pipelines ans Rote Meer – doch die Huthi-Miliz bedroht mit der Meerenge Bab al-Mandab bereits die nächste zentrale Handelsroute.

Weitere Lieferquellen versiegen
Die Folgen sind spürbar: Dem Bericht zufolge brach Saudi-Arabiens Förderung bereits im August ein, weil Anlagen nach Drohnenangriffen stillgelegt werden mussten und Transportkapazitäten fehlten. Eine baldige Entspannung sei nicht in Sicht, so Yu: „Solange die Angriffe anhalten und die Straße von Hormus unpassierbar bleibt, dürfte der Ölpreis auf erhöhtem Niveau verharren.“ Sollten sich die Angriffe im Roten Meer verschärfen oder weitere Energieanlagen beschädigt werden, drohe kurzfristig sogar ein erneuter Preissprung.
Risikoprämie dürfte erhöht bleiben
Zusätzliche Unterstützung erhalte der Ölpreis zudem von der Haltung der Internationalen Energieagentur, vorerst keine weiteren strategischen Reserven freizugeben. Nicht zuletzt lieferte China nachfrageseitigen Rückenwind, da es nach einer langen Durststrecke seine Rohölimporte zuletzt wieder angekurbelt hat. (de)


