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DWS: So geht es an den Märken weiter, diese Segmente sind interessant

Die Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank erwartet für 2019 nur ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum, aber keine Rezession. Daher sollten Anleger in Wachstums- und Substanzwerte engagiert bleiben. Interessant sind zweijährige US-Staatsanleihen aufgrund ihres Rendite-Risiko-Verhältnisses.

Stefan Kreuzkamp, DWS
Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der DWS
© Christoph Hemmerich / Institutional Money

Großanleger sollten weiterhin im Risk-On-Modus bleiben. Denn die DWS rechnet für das kommende Jahr zwar mit einem global verlangsamten Wirtschaftswachstum, eine Rezession erwartet der Vermögensverwalter jedoch nicht. „Das Wachstum hat 2018 zwar den Höhepunkt erreicht, die Fundamentaldaten sind weiter solide“, sagte Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der DWS, am Donnerstag bei der Präsentation des Kapitalmarktausblicks des Unternehmens für die kommenden zwölf Monate. Für die Weltwirtschaft prognostizierte er ein Wachstum von 3,6 Prozent, für die Eurozone und die USA ein Plus von 1,6 beziehungsweise 2,4 Prozent. Die chinesische Volkswirtschaft werde im Jahr 2019 um voraussichtlich sechs Prozent zulegen.

Risiken nehmen zu
Der Zyklus müsse also nicht nach zehn Jahren enden, allerdings stehe dieser Prognose eine Reihe von Risiken gegenüber. Dazu zählte Kreuzkamp die konkrete Ausgestaltung des Brexit, denn zwischen der EU und Großbritannien müssten insgesamt 759 Verträge neu verhandelt werden. Zusätzlich nannte er die Haushaltspolitik der italienischen Regierung sowie den Rekordschuldenstand der chinesischen Unternehmen, der sich mittlerweile auf 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts belaufe. Die größte Sorge bereite den DWS-Portfoliomanagern jedoch der Handelskonflikt zwischen den USA und China. „Die Märkte sind derzeit nur noch eine Funktion dieser Auseinandersetzung und die jüngsten Kursverluste an den Börsen zeigen, wie verzweifelt auf eine Lösung gewartet wird“, sagte Kreuzkamp.

Drei Zinsschritte der Fed in 2019 zu erwarten
Mit Blick auf die Geldpolitik der Notenbanken prognostizierte der DWS-Chefanlagestratege eine weitere Anhebung des Leitzinskorridors durch die Federal Reserve im Dezember. Im kommenden Jahr dürften drei weitere Straffungen durch die US-Notenbank folgen. Die Europäische Zentralbank werde 2019 wohl zunächst nur den Einlagensatz um 15 bis 20 Basispunkte erhöhen. Mit einer Anhebung des Satzes für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte sei wohl erst 2020 zu rechnen.

Korrelations-Extreme erschweren Diversifikation
Der Gleichlauf zwischen einzelnen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen dürfte im kommenden Jahr zurückgehen. Für das laufende Jahr wiesen bislang 89 Prozent der Anlageklassen, in US-Dollar gerechnet, eine negative Wertentwicklung auf, nachdem dies 2017 nur bei ein Prozent der Anlageklassen der Fall gewesen sei. „Damit dürften die Korrelations-Extreme hinter uns liegen, wovon diversifizierte Portfolios profitieren dürften“, so Kreuzkamp. Für den Dax prognostizierte er auf Sicht der kommenden zwölf Monate einen Stand von 12.200 Punkten.

Unternehmensgewinne nehmen zu
Petra Pflaum, EMEA Co-Leiterin für Aktien, stellte für 2019 ein Wachstum der weltweiten Unternehmensgewinne um durchschnittlich fünf Prozent in Aussicht. Dies werde ausreichen, um einen Bewertungsrückgang an den Börsen zu vermeiden. „Wir werden im kommenden Jahr wahrscheinlich weiter ein Umfeld haben, das Wachstumsaktien begünstigt, allerdings sind Substanztitel attraktiv bewertet und die Dividenden dürften 2019 um fünf bis sieben Prozent steigen“, sagte sie. Investoren riet sie daher zu einer Hantelstrategie, die beide Aktien-Typen berücksichtige. In einem positiven Szenario nicht weiter eskalierender Konflikte könnten Investoren Schwellenländeraktien, Papiere von Software-Anbietern und zyklische Werte übergewichten. Für den umgekehrten Fall empfahl sie US-Papiere, Werte von Verbrauchsgüterherstellern und andere defensive Papiere.

„Musik in den Ohren eines Managers von Anleihen“
„Dass das Wachstum der Weltwirtschaft den Höhepunkt erreicht hat, ist Musik in den Ohren eines Managers von Anleihen“, sagte Bill Chepolis, Leiter für Anleihen in der Region EMEA. Denn dies deute darauf hin, dass die Notenbanken über stabile oder sogar sinkende Leitzinsen nachdenken würden, was naturgemäß den Kursen von Schuldtiteln zugutekomme. Besonderes Augenmerk müsse im kommenden Jahr dem Übergang der Europäischen Zentralbank von quantitativeren Lockerungen zu quantitativen Straffungen gewidmet werden. Denn als die Federal Reserve diesen Übergang vollzogen habe, seien Spannungen in den Schwellenländern die Folge gewesen.

Von einem Einstieg bei italienischen, spanischen oder portugiesischen Staatsanleihen riet Chepolis zunächst ab. „Ein besserer Zeitpunkt dürfte gegeben sein, wenn sich die Lage um Italien etwas geklärt hat. Noch sind zwar spanische und portugiesische Schuldtitel nicht von den Verlusten italienischer Anleihen angesteckt worden, das könnte aber im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung um das italienische Haushaltsdefizit zu einem Problem werden“, sagte er.

Zweijährige US-Treasuries attraktiv
Sehr attraktiv sind nach Ansicht von Chepolis hingegen zweijährige US-Staatsanleihen. Diese Papiere rentierten fast auf dem Niveau zehnjähriger Schuldtitel bei einer Volatilität von weniger als der Hälfte. Schwellenländeranleihen seien zwar als Portfoliobeimischung weiter zu empfehlen, könnten aber das Durchhaltevermögen der Anleger auf die Probe stellen. Die beste risikoadjustierte Wertentwicklung böten derzeit Unternehmensanleihen aus Asien, von denen 77 Prozent über Investment-Grade-Bonität verfügten.

DWS-Urgestein Kaldemorgen erwartet höhere Volatilität
Klaus Kaldemorgen, Multi-Asset-Stratege und Manager des DWS Concept Kaldemorgen, prognostizierte für das kommende Jahr eine weiter zunehmende Volatilität. Beim S&P 500 etwa werde die Schwankungsintensität wenigstens in den Bereich von 15 Prozent zurückkehren. Vor diesem Hintergrund sei Gold ein wichtiger Bestandteil eines Multi-Asset-Fonds. „Denn Gold ist nicht nur eine Absicherung gegen Krisen, sondern für Euro-Anleger ist die Volatilität auch weitaus niedriger als für Dollar-Investoren“, so Kaldemorgen. Darüber hinaus werde das kommende Jahr angesichts der bestehenden Unsicherheiten eine geringere Aktienquote erfordern Allerdings gehe es nicht darum, in einem Schwarz-Weiß-Szenario das Aktienuniversum vollständig auszublenden. Vielmehr komme es auf die richtige Dosierung an. (aa)

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