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DVFA-Umfrage zur Diversität in Führungsgremien

Der Berufsverband der Investment Professionals DVFA hat seine Mitglieder befragt, wie sie zum Thema „Diversität“ in Führungsgremien von Unternehmen stehen. Immer mehr Investoren machen dieses Thema zu einem Anlagekriterium bei ihren Portfolioentscheidungen.

Michael Schmidt, Lloyd Fonds
Michael Schmidt, Leiter der DVFA Kommission Corporate Governance 
© Lloyd Fonds

Diversität wird zunehmend Bestandteil einer umfassenden Unternehmensanalyse. Im Investorendialog nimmt das Thema dagegen noch keinen breiten Raum ein.

Spielt Diversität bei Unternehmensanalyse und Investitionsentscheidungen eine Rolle?In seiner Befragung wollte der DVFA zunächst wissen, ob eine diverse Zusammensetzung der Aufsichtsräte und Vorstände bei Unternehmensanalyse und Investitionsentscheidungen eine Rolle spielt. 19 Prozent der Befragten antworteten mit Ja, auch über die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinaus. Weitere 11 Prozent antworteten ebenfalls mit ja, aber nur im Hinblick auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und Empfehlungen des Kodex. Und noch einmal 15 Prozent  antworteten mit eher ja. Dagegen gaben 24 Prozent die Antwort eher Nein und 31 Prozent die Antwort Nein.

Geschlecht und Herkunft/Internationalität wichtige Diversitätskriterien
Befragt nach der Diversitätsdimension, die für sie im Vordergrund stünden, wählten die Investment Professionals die vorgegebenen sechs Dimensionen wie folgt, wobei Mehrfachnennungen möglich waren: Für mehr als zwei Drittel (77 Prozent) steht das Geschlecht als wesentliches Kriterium für Diversität im Vordergrund. 69 Prozent der Befragten wählten die Herkunft/Internationalität, 56 Prozent den Ausbildungshintergrund, 53 Prozent das Alter. Für lediglich 16 Prozent steht die soziale Herkunft, für 3 Prozent andere Diversitätsdimensionen im Vordergrund. Bei dieser Frage wurde in den Kommentaren insbesondere auf die Bedeutung der Qualifikation der Personen für ihre jeweilige Aufgabe hingewiesen, die wesentliches Kriterium für die Beurteilung sei.

Hälfte spricht Thema gar nicht an
Im Investorendialog bzw. Stewardship-Gespräch wird das Thema „unzureichende Diversität von knapp der Hälfte der Befragten (48 Prozent) überhaupt nicht zur Sprache gebracht, auch wenn die Heterogenität der Führungsgremien eines Unternehmens unzureichend ist. 17 Prozent der Investment Professional sprechen das Management oder Vertreter von Investor Relations dagegen aktiv auf das Thema an. Weitere 34 Prozent erwähnen diesen Aspekt im Investorengespräch eher am Rande.

Aufsichtsratsvorsitzende kaum mit dem Thema konfrontiert

Grafik: DVFA e.V.

Für knapp die Hälfte (48 Prozent) der DVFA Mitglieder sind die Vertreter der Investor Relations-Abteilungen bei den Unternehmen die bevorzugten Ansprechpartner beim Thema. Gut ein Drittel (35 Prozent) suchen das Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden oder einem anderen Vorstandsmitglied. Der Aufsichtsratsvorsitzende wird zu dem Thema von nur 15 Prozent der Befragten angesprochen.

Gespaltene Auffassungen
Ein Fünftel (21 Prozent) der befragten Investment Professionals ist der Auffassung, Investoren sollten konkrete Anforderungen an eine diverse Zusammensetzung der Führungsgremien in ihre Anlage- und/oder Abstimmungsrichtlinien aufnehmen. Wichtig sei es, eine Nivellierung bestehender Nachteile anzustreben. 37 Prozent sprechen sich zwar ebenfalls für eine Aufnahme von Anforderungen aus, doch solle diese eher unkonkret bleiben. 42 Prozent lehnen die Aufnahme ab.

Diversität in den eigenen Unternehmen bei der Hälfte wenig berücksichtigt
Gefragt wurde auch, welche Instrumente sinnvoll sein könnten, um Diversitätsanforderungen stärker in das Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen einbringen und einfließen zu lassen. Mehr Informationen und Transparenz der Portfoliogesellschaft hinsichtlich Diversität wünschen sich 58 Prozent der Investment Professionals. Ausführlichere Lebensläufe fordert ein Viertel der Befragten. 26 Prozent erachten weitere Informationen nicht für notwendig.
Die abschließende Frage nach der Diversität in den Führungsgremien des eigenen Unternehmens, in dem die Investment Professionals arbeiten, ergab ein differenziertes Bild, bei dem 27 Prozent Diversität bereits angemessen berücksichtigt sehen. 24 Prozent erkennen Bestrebungen, um die Heterogenität zu erhöhen – inklusive einer dazu gehörigen Strategie. Lediglich Absichten, aber bisher eher nur Absichtserklärungen sehen 20 Prozent. Gar keine Absichten zur Erhöhung der Diversität in der Unternehmensführung erkennen 30 Prozent der Befragten in ihren Unternehmen.

Qualifikation als entscheidendes Kriterium
„Unternehmensanalysen und Investitionsentscheidungen, wie sie die Investment Professionals des DVFA tagtäglich vornehmen und treffen, basiert auf weit mehr als der Prüfung von Unternehmenskennzahlen“, sagt Michael Schmidt, Mitglied des DVFA Vorstands. „Die Bewertung eines Unternehmens ist eng verknüpft mit dessen Governance, die auch an Diversitätskriterien gemessen wird. Das zeigt die Befragung, selbst wenn sie im Investorendialog nicht im Vordergrund zu stehen scheinen. Die Mitglieder des DVFA setzen auf die Qualifikation einer Person als entscheidendes Kriterium, berücksichtigen aber zugleich verschiedene Diversitätsdimensionen.“ (kb)
 

 

 

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