Druck auf EZB wächst: Bund-Renditen auf höchstem Stand seit 2011
Steigende Energiepreise und wachsende Inflationserwartungen treiben die Renditen deutscher Staatsanleihen nach oben. Vor der EZB-Sitzung rechnen die Märkte inzwischen fest mit zwei Zinserhöhungen bis zum Jahresende.
Die Renditen deutscher Staatsanleihen sind auf den höchsten Stand seit 2011 gestiegen. Stark steigende Energiepreise und zunehmende Inflationserwartungen haben vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag (23.7.) Spekulationen auf Zinserhöhungen angeheizt.
Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag zuletzt mit 3,21 Prozent um drei Basispunkte höher. An den Finanzmärkten werden inzwischen zwei Zinserhöhungen der EZB um jeweils 25 Basispunkte bis zum Jahresende vollständig eingepreist.
EZB dürfte zunächst stillhalten
Trotz des kräftigen Anstiegs der Ölpreise dürfte die EZB ihren Einlagensatz am Donnerstag (23.7.) voraussichtlich bei 2,25 Prozent belassen, um Zeit zu gewinnen, die Auswirkungen der erneuten Kämpfe zwischen den USA und dem Iran zu bewerten.
Eine "überraschende Zinserhöhung kann jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden", sagte Francesco Pesole, Stratege bei der ING. "Die erneute Eskalation im Nahen Osten und die europäischen Gaspreise, die schneller steigen als die Ölpreise, dürften dafür sorgen, dass die Falken im EZB-Rat den Ton angeben", so Pesole.
Energiepreise nähren Inflationssorgen
Der Brent-Ölpreis nähert sich der Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Die europäischen Gaspreise schlossen in dieser Woche auf dem höchsten Stand seit 2023, nachdem der Konflikt zwischen den USA und dem Iran in diesem Monat eskaliert war.
Die zunehmenden Spannungen haben auch Notenbankvertreter zu Warnungen veranlasst. "Die Entwicklung der Energiepreise ist ein entscheidender Faktor für den künftigen Inflationsausblick", erklärte EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel vergangene Woche. "Die Geldpolitik wird ihren wachsamen Kurs beibehalten." (mb/Bloomberg)


