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Droht eine Überschuldung der Emerging Markets?

Der jüngste Global Debt Monitor des IIF zeigt zwar eine steigende Schuldenhöhe an (bei EM und mehr noch bei entwickelten Staaten), gibt aber wenig Hinweise, die auf eine allgemeine Überschuldung oder gar eine bevorstehende Schuldenkrise in den EM schließen lassen, so die Experten vom LBBW Research.

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© putilov_denis

Immer wieder wird die Verschuldung der Emerging Markets als Risiko für die Weltwirtschaft identifiziert. Im neuen Global Debt Monitor des IIF wird zum Beispiel darauf hingewiesen - und in den Medien gerne zitiert -, dass mit Blick auf die Schwellenländer als Schuldner bis Ende des Jahres auf US-Dollar lautende Anleihen und Kredite in Höhe von 859 Milliarden fällig werden.

Schwellenländern haben sich deutlich schneller entwickelt
Allerdings muss man hierbei bedenken, dass diese Staatengruppe inzwischen auch für deutlich mehr als die Hälfte der Weltwirtschaftsleistung (2017: 59 Prozent) und rund drei Viertel des Weltwirtschaftswachstums steht. Natürlich muss auch eine Finanzierung dieser Entwicklung erfolgen. Steigende Schulden sind tragfähig, wenn sie nicht vorwiegend konsumiert, sondern gewinnbringend investiert werden, also wenn mit steigenden Schulden auch ein ausreichend hoher Anstieg der damit finanzierten Wirtschaftsleistung einhergeht. Und dies ist in den meisten Emerging Markets offenbar der Fall.

Oberflächliche Betrachtungen des Schuldenstands greifen zu kurz
Durch die zunehmende Globalisierung, d.h. durch die Erschließung internationaler Märkte und den Ausbau der globalen Wertschöpfungsketten, steigen zudem auch die Exporte bzw. Importe überproportional an. Der grenzüberschreitende Handel muss auch international bezahlt werden. Die ansteigenden grenzüberschreitenden Warenströme werden meist in US-Dollar, aber auch in Euro, Yen und anderen Währungen beglichen, das heißt es werden vor allem US-Dollar, Euro und Yen benötigt, um die Zahlungen im internationalen Güter- und Dienstleistungsverkehr abzuwickeln. Die Einnahmen der global tätigen Unternehmen bestehen daher analog in hohem Maße aus diesen Währungen. Insofern kann allein aus einem steigenden Volumen etwa von in Fremdwährung denominierten Unternehmensanleihen aus den Emergng Markets nicht auf eine Überschuldung dieser Emittentengruppe in Fremdwärung geschlossen werden.

Einzelne Staaten hingegen sind nach Ansicht der LBBW-Research-Experten aber durchaus gefährdet.

So gibt es auch Staaten, die in der Tat sehr hoch in Fremdwährung verschuldet sind. Auf diese gilt es, ein Auge zu haben, ob deren Fähigkeit, die für den Schuldendienst benötigten Devisen zu erwirtschaften, gegeben ist. Hier spielt die Entwicklung von Exporten und Leistungsbilanz eine wichtige Rolle. Hohe und in der Tendenz steigende Leistungsbilanzdefizite, wie sie z.B. die Türkei und Argentinien aufweisen, sind ein Warnsignal. (kb)
 

 

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