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Drohendes Risiko: US-Schuldenobergrenze wird Märkte bald beschäftigen

Das Multi-Asset-Team von Nikko Asset Management wirft einen Blick auf ein schwelendes Problem für den US-Aktienmarkt: die im Herbst auslaufende Regelung zur Schuldenobergrenze. Ob auch dieses Mal ein politischer Kompromiss das Problem immer höherer Schulden in die Zukunft verschiebt?

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© photo 5000 / stock.adobe.com

Alle (paar) Jahre wieder einigt man sich in den USA auf eine neue Schuldenobergrenze. Diese legt fest, wie viel Schulden die Bundesregierung aufnehmen darf. Zuletzt wurde diese Obergrenze im August 2019 für zwei Jahre ausgesetzt – also bis zum 31. Juli 2021. Ohne neue Vereinbarung zur Anhebung oder Aussetzung wurde zum 1. August eine Schuldenobergrenze in einer Höhe wieder eingeführt, die alle während der Aussetzung vorgenommenen Kreditaufnahmen abdeckt. "Wird die Obergrenze nicht angehoben, kann US-Finanzministerium aber keine neuen Schulden mehr aufnehmen, um die Ausgaben zu decken. Das klingt schlimm, ist aber nicht akut: Ein dauerhafter Schaden für die US-Finanzen droht erst einmal nicht", schreibt Nikko Asset Managements Multi-Asset-Team in einer aktuellen Analyse.

Irgendwann könnte der Regierung das Geld ausgehen
Das Finanzministerium darf nämlich „außerordentliche Maßnahmen“ ergreifen, um seine Schulden und Ausgaben weiter zu refinanzieren. Dieser Zustand kann jedoch nicht unbegrenzt andauern; irgendwann muss der US-Kongress über die Schuldengrenze beschließen. Geschieht dies nicht, können der Regierung am Tag X die Mittel ausgehen, um z.B. Zahlungen an Arbeitnehmer oder Dienstleister oder Rückzahlungen an Gläubiger zu leisten. 

Dieses X liegt voraussichtlich im Oktober oder November dieses Jahres. Das ließe genügend Zeit für eine Lösung. Die hochgradig gespaltene US-Politik dürfte jedoch diese routinemäßige gesetzgeberische Übung in ein für die Märkte potenziell schädliches Spektakel verwandeln. 

Aktienkurse könnten wie 2011 unter Druck geraten
Es wäre nicht das erste Mal: Schon 2011 und 2013 kam es zu heftigen Auseinandersetzungen um die Schuldenobergrenze. 2011 einigte man sich nur zwei Tage vor dem Tag X auf eine Anhebung. Damit konnte ein Zahlungsausfall vermieden werden. Die Ratingagentur Standard & Poor's entzog der US-Regierung jedoch mit einer Herabstufung das seit langem bestehende AAA-Rating. In der Folge fiel der Aktienmarkt um 17 Prozent gegenüber dem Höchststand im Juli. Die Staatsanleihen blieben ihrer negativen Korrelation mit den Aktien treu – die Renditen fielen also, obwohl die Unsicherheit direkt mit der Kreditwürdigkeit der US-Staatsanleihen selbst zusammenhing. 

2013 verlief anders
Im Jahr 2013 zog sich der Showdown länger hin. Nachdem die Regierung im Januar die Obergrenze erreicht hatte, wurde diese im Februar für drei Monate aus- und im Mai neu festgesetzt, ohne dass eine längerfristige Lösung gefunden war. Dann begann eine Phase, die der derzeitigen sehr ähnelte: Die Obergrenze war festgesetzt, und die Regierung agierte mit außerordentlichen Maßnahmen weiter. Der Tag X war ebenfalls für Oktober vorgesehen, und erst Mitte Oktober wurde die Schuldenobergrenze endgültig ausgesetzt. Diesmal gab es zwar keine Reaktionen der Rating-Agenturen. Die Regierung aber wurde Anfang Oktober teilweise stillgelegt, um einen technischen Zahlungsausfall zu vermeiden. Anders als 2011 entwickelten sich die Aktien in diesem Zeitraum größtenteils gut (wenn auch mit erhöhter Volatilität), während die Staatsanleihen schwächelten. 

Ein Blick auf 2011 und 2013 kann hilfreich sein, um die politischen Strategien zu verstehen, die beide Parteien im laufenden Jahr womöglich verfolgen. Die Märkte aber reagierten sehr unterschiedlich. Klar scheint jedoch, dass die Aktienmärkte in den Wochen vor dem jeweiligen Tag X negativ reagierten. US-Treasuries spielten während in dieser Zeit ihre risikomindernde Rolle, aber die Renditen stiegen auch von Mai bis Oktober 2013 deutlich an, als die Verhandlungen noch liefen. Das laufende Jahr ähnelt eher der Krise von 2013. Allerdings sind die Mehrheiten im Kongress diesmal anders gelagert.  

"Für den Moment dürfte das Thema Schuldenobergrenze eher im Hintergrund schlummern. So wie wir uns aber dem Oktober nähern, wird es seinen Kopf heben", prognostizieren die Nikko AM-Experten. (aa)

 

 

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