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Drei Wall-Street-Größen warnen vor nächsten erheblichen Börsenrisiken

Die Risiken, denen sich Anleger und die Weltwirtschaft gegenübersehen, sind vielfältig und nehmen weiter zu. Bloomberg hat drei der visionärsten Menschen in der Finanzbranche gefragt, worüber sie sich auf Sicht der nächsten fünf bis zehn Jahre am meisten Sorgen machen.

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Mohamed El-Erian, Cathie Wood und Scott Minerd (v.l.n.r.)
© Bloomberg / Bloomberg News

Zu den drei Befragten gehören Cathie Wood, deren Anlagegesellschaft Ark Investment Milliarden von US-Dollar anzog, nachdem ihre technologieorientierten Wetten 2020 den Markt überflügelt haben; den ehemaligen Pimco-Chef und heutigen Allianz-Berater Mohamed El-Erian und den Chairman von Guggenheim Investments, Scott Minerd.

Cathie Wood: eine Welle der Deflation statt Inflation
Die Gründerin von Ark Investment Management sagt: "Die vorherrschende Annahme ist, dass wir uns in einer inflationären Phase befinden, die durch Unterbrechungen der Lieferketten beschleunigt wird. Ich habe viele Märkte gesehen und bin in den 70er Jahren in die Branche eingestiegen. Ich war auf dem College, als die Inflation wütete. Ich weiß also, was das bedeutet. Und ich glaube wirklich, dass wir nicht dorthin zurückkehren werden und dass jeder, der sich darauf vorbereitet, wahrscheinlich einige Fehler machen wird. Stattdessen sehen wir drei große deflationäre Kräfte, die sich zusammenbrauen.”

Deflationäre technologische Innovationen
“Was die Innovation betrifft, so befinden wir uns heute in einer Zeit, die wir noch nie erlebt haben. Man muss bis zum Telefon, der Elektrizität und dem Automobil zurückgehen, um zu sehen, wie sich drei wichtige technologische Innovationsquellen gleichzeitig entwickeln. Heute haben wir fünf Plattformen: DNA-Sequenzierung, Robotik, Energiespeicherung, künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologie - die allesamt deflationär sind.”

“Im Bereich der künstlichen Intelligenz sinken die Trainingskosten um 68 Prozent pro Jahr. Was bedeutet das? Wir werden einen Boom bei vielen Produkten erleben, die KI nutzen und deshalb besser, billiger, schneller und kreativer sind.” Drastische Kostenrückgänge gebe es auch bei der Gen-Sequenzierung, was die Kosten im Gesundheitswesen drücken könnte. E-Auto-Batteriesysteme und Industrieroboter würden ebenfalls billiger.

Mohamed El-Erian: eine Welt zunehmender Ungleichheit
Der Chef-Wirtschaftsberater der Allianz und Präsident des Queens’ College in Cambridge hält fest: "Was mich am meisten beunruhigt, ist die Ungleichheit, sowohl innerhalb als auch zwischen den Ländern. Das ist etwas, was die Finanzmärkte als soziales Problem abtun, nicht so sehr als wirtschaftliches oder finanzielles Problem. Und es besteht die Gefahr, dass das Problem der Ungleichheit an Fahrt gewinnt. Covid war bereits der große Förderer der Ungleichheit. Doch statt dorthin zurückzukehren, wo wir herkamen, schaffen wir nun eine Dynamik, die die Ungleichheit verschärft und eine größere Bedeutung bei der Störung aller möglichen Dinge in unserer Gesellschaft erhält.”

Digitalisierungsverlierer
“Denken Sie an die Menschen, deren Arbeitsplätze durch den großen Schritt in Richtung Digitalisierung weggefallen sind, die von vornherein kein Geldvermögen haben und nicht von der Entwicklung der Vermögenspreise profitieren. Darüber hinaus hoffen sie, ein Haus zu kaufen, und sie wurden aus dem Wohnungsmarkt verdrängt. So sind plötzlich sowohl das tatsächliche als auch das potenzielle Vermögen und Einkommen gesunken.”

Divergenzen
"Wir haben es im Moment mit einer Divergenz zu tun. Und ich vermute, dass diese Divergenz nicht von kurzer Dauer ist. Wir könnten also in einer Welt leben, in der weniger Gleichheit herrscht, oder, um es unverblümter auszudrücken, in einer viel ungleicheren Welt. Und das ist problematisch für die globale wirtschaftspolitische Koordinierung, die Interdependenz, die Migration. Ich meine, ich könnte immer so weitermachen. Es ist also problematisch. Wir haben einen Vorgeschmack bekommen, der uns nicht gefällt, aber es könnte noch viel schlimmer kommen.”

Scott Minerd: Hacker auf freiem Fuß
Der Chairman von Guggenheim Investments macht folgende Risiken aus: “Das Risiko Nr. 1 ist die Nachhaltigkeit des globalen Zahlungssystems. Ich ziehe das Wort ‘Nachhaltigkeit’ dem Wort ‘Anfälligkeit’ vor, denn der eigentliche Schlüssel liegt darin, das globale Zahlungssystem am Laufen zu halten, und wir hatten so viele Hackerangriffe, Terroranschläge, den Vorfall mit der Colonial Pipeline. Es hat den Anschein, dass wir extrem anfällig für einen Angriff auf das Zahlungssystem der Finanzmärkte sind - und zwar nicht nur hier in den USA, sondern auch in Europa.”

Gefährdete Nachhaltigkeit des globalen Zahlungssystems
“Ich spreche hier von Dingen wie Fedwire, über das das Geld der Banken abgewickelt wird. Aber auch Dinge wie die DTCC, SWIFT, Euroclear. Und wenn es einen synchronisierten Angriff gäbe, würde das im Grunde den globalen Finanzmarkt in die Knie zwingen. Die erste Reaktion wäre wahrscheinlich, dass die Wertpapierkurse einbrechen würden, und die zweite, dass wir wahrscheinlich alle Börsen der Welt schließen müssten, um herauszufinden, wie wir das globale Zahlungssystem wiederherstellen können.”

Zu Unrecht vernachlässigter Schutz der Daten
“Was mich an dem globalen Zahlungssystem stört, ist, dass sich niemand darauf konzentriert. Und das erfordert wirklich ein hohes Maß an internationaler Zusammenarbeit. Es braucht einen echten Makroblick, d.h. es muss jemanden oder eine Gruppe von Leuten geben, die sich ansehen, wie alles zusammenhängt und wo die potentiellen Schwachstellen liegen.”

Hohe Eintrittswahrscheinlichkeit
“Ich würde die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses als sehr hoch einschätzen. Sicherlich weit über 50 Prozent. Als ich darüber sprach, wurde mir einmal vorgeworfen, ich würde Terroristen und andere Regierungen darauf aufmerksam machen, wie sie uns angreifen können. Doch die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie bereits darüber nachdenken.” (kb)

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