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Do Investment zu 2020: Vorwärts oder rückwärts? Nein, seitwärts!

Do Investment erwartet im Jahr 2020 niedrige Inflation und eine expansive Zentralbankpolitik. Die Vorgaben aus 2019 sind schwach, und eine Wachstumsbelebung im kommenden Jahr ist unwahrscheinlich. Führen also mangelnde Impulse zu einer Stagnation an den Märkten?

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David Wehner, Senior Portfoliomanager bei der Do Investment AG
© DO Investment AG

2019 wird die globale Konjunktur, nach 3,6 Prozent im Vorjahr, voraussichtlich um 3,0 Prozent wachsen. Für 2020 sieht unsere Prognose keine Veränderung der Wachstumsrate vor. Ein Weltwirtschaftswachstum von 3,0 Prozent für 2020 ist nicht herausragend, allerdings auch kein Desaster. "Wir gehen von einem niedrigeren Wachstum in den Industrieländern aus. Die USA werden 2020 voraussichtlich mit 1,8 Prozent wachsen (2019: 2,3 Prozent), die Eurozone mit 0,8 Prozent", sagt David Wehner, Senior Portfoliomanager bei der Do Investment AG.

Schwellenländer zeichnen ein differenziertes Bild
Die chinesische Wachstumsrate wird wohl die Schwelle von 6,0 Prozent nach unten durchbrechen. Damit ist auch ein langsameres Wachstum im gesamten asiatischen Raum verbunden. Hingegen sollte sich das Wachstum bei den weiteren Schwellenländer-Schwergewichten wie etwa Brasilien, Russland und Indien stabilisieren. Die moderaten Wachstumsaussichten werden nach Einschätzung von DO Investment zu keiner Belebung der Inflationsraten führen. Für 2020 erwartetmanr eine Inflationsrate von 1,2 Prozent für die Eurozone und 2,0 Prozent für die USA.

Geopolitik: Unsicherheit auf Allzeit-Höchst
Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat neben zahlreichen weiteren geopolitischen und politischen Risiken einen erheblichen Einfluss auf die globalen Wachstumsaussichten. Die hohe Unsicherheit hat Unternehmen weltweit mit voller Wucht getroffen. Sie reduzieren ihre Lagerbestände, fahren Neubestellungen zurück und verschieben Investitionen. Neben dem Handelsstreit ist der Brexit weiterhin ungelöst und ein Belastungsfaktor, vorwiegend für europäische und britische Unternehmen. Wehner dazu: "Mit Blick auf das Jahr 2020 gehen wir allenfalls von einer temporären Entspannung beim Handelsstreit zwischen den USA und China aus. In den USA steht im November des nächsten Jahres die turnusgemäße Präsidentschaftswahl vor der Tür. Trotz aller Impeachment-Phantasien lautet unser Basis-Szenario, dass Trump wiedergewählt wird, solange es in den nächsten zwölf Monaten zu keiner Rezession in den USA kommt. Dieser Kausalität ist sich auch Trump gewiss bewusst, und eine temporäre Entspannung im Handelsstreit würde das Risiko einer Rezession erheblich verringern." Beim Brexit geht Wehner davon aus, dass Großbritannien die EU im Verlauf des nächsten Jahres formal verlassen wird. Einem geregelten Austritt, der in einem Freihandelsabkommen münden wird, mitt man bei DO Investment eine hohe Wahrscheinlichkeit bei. Insgesamt ist man aber der Auffassung, dass die sozialen Spannungen in vielen Teilen der Welt weiter steigen werden.

Zinsen und Währungen: kein Trendwechsel in Sicht   
Die Renditen haben im Verlauf des Jahres 2019 neue Allzeittiefs ausgebildet. Bei den zehnjährigen Bundesanleihen haben die Renditen zeitweise erst bei -0,75 Prozent Halt gemacht bevor sie dann wieder um 50 Basispunkte gestiegen sind. Selbst dreißigjährige Anleihen rentierten Mitte August bei -0,30 Prozent. Auf der Suche nach Rendite haben Investoren verstärkt zu Unternehmensanleihen mit schwächeren Bonitäten und längeren Laufzeiten gegriffen. Das Ergebnis sind historisch niedrige Risikoprämien, die keinesfalls das Ausfallrisiko des Emittenten widerspiegeln. Die hohe Verschuldung von bonitätsschwachen Unternehmen und Ländern bereitet uns Sorgen. "Grundsätzlich gehen wir für 2020 von einer breiten Handelsspanne für zehnjährige Staatsanleihen aus. Bundesanleihen werden unseres Erachtens nach zwischen  0,75 und 0,20 Prozent rentieren, US-Treasuries zwischen 1,35 und 2,25 Prozent", sagt Wehner. "Bei Euro-Dollar erwarten wir eine Handelsspanne zwischen 1,10 und 1,15."

Gold: ein sicherer Hafen
Der Goldpreis wird zum einen durch die expansiven Zentralbankmaßnahmen unterstützt, zum anderen stellt Gold einen „sicheren Hafen“ dar. Bei Do Investment kann man sich vorstellen, dass der Goldpreis bei einer Entspannung der geopolitischen Risiken in Richtung 1.400 US-Dollar je Unze korrigiert. Allerdings erachtet man den Korrekturspielraum als begrenzt, da die Nachfrage nach Gold stetig zunimmt und stärkere Kursrückgänge zu Käufen führen werden. Im Jahresverlauf sind Preisnotierungen von über 1.600 US-Dollar je Unze vorstellbar.

Aktien: alternativlos, aber nicht grenzenlos
Die Jahresperformance für die europäischen und US-amerikanischen Börsen liegt zwischen 20 und 25 Prozent. In Anbetracht der geopolitischen Risiken und der konjunkturellen Entwicklung ist das eine erfreuliche, aber auch erstaunliche Wertentwicklung. Eine Wiederholung der stark positiven Aktienperformance im nächsten Jahr erscheint sehr unwahrscheinlich, ebenso wie ein Börsencrash. Die globalen Aktienmärkte befanden sich von Anfang 2018 bis Ende des 3. Quartals 2019 in einem volatilen Seitwärtsmarkt. In der gleichen Phase stagnierten die Bilanzen der G4-Zentralbanken. Seit September 2019 erhöhen die wichtigen Notenbanken der Industrieländer ihre Zentralbankbilanzen wieder, allen voran die EZB und Fed, indem sie Zinspapiere kaufen. Mit Beginn der neuen Asset-Käufe konnten die globalen Aktienmärkte den ausgebildeten Seitwärtskanal durchbrechen. Seitdem erzielen die großen Indizes in den USA einen Rekord nach dem anderen. Wehner dazu: "Die Korrelation zwischen steigender Zentralbank-Liquidität und positiver Aktienmarktperformance ist sehr hoch. Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken auch im Jahr 2020 die Kapitalmärkte mit Liquiditätsmaßnahmen unterstützen werden. Dadurch haben die globalen Börsen im Verlauf des nächsten Jahres das Potential, neue Höchststände auszubilden."

Stärkere Kurseinbrüche bei Aktien 2020 durch Realitätscheck erwartet
Für den DAX 30 Index geht man bei DO Investment von einer Handelsbandbreite zwischen 14.000 und 12.000 Punkten aus. Zum Jahresende 2020 sehen Wehner und seine Kollegen den DAX 30 Index bei 12.500 Punkten. Für die US-Börsen prognostiziert man einen ähnlichen Verlauf. "Der S&P 500 Index wird unserer Meinung nach zwischen 3.300 und 2.800 Punkten handeln. Das Jahr 2020 wird er unter 3.000 Punkten beenden", meint Wehner. 

Fazit
Insgesamt ist festzuhalten, dass die Zentralbanken 2020 nicht lockerlassen werden und die unter dem Trendwachstum liegende Weltwirtschaft mit ihrer extrem expansiven Geldpolitik unterstützen - ohne dabei neue Wachstumsimpulse setzen zu können. Die Finanzmärkte werden, ihrer Reaktionsgleichung folgend, mit steigenden Kursen reagieren. Ende 2020 halten wir es jedoch für wahrscheinlich, dass die Aktienkurse wieder unter denen des Vorjahresendes liegen werden. (kb)

 

 

 

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