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DJE-Starmanager Ehrhardt: "Der Weg zurück ist verbaut"

Wird die Welt jemals einen Weg zurück zu dem finden, was früher Normalität hieß? DJE-Starmanager Jens Ehrhardt ist skeptisch. An seiner zu Jahresbeginn verkündeten Dax-Prognose von 16.000 Punkten hält er dennoch fest.

Jens Ehrhardt, Gründer und Vorsitzender des Vorstands von DJE Kapital
Jens Ehrhardt, Gründer und Vorsitzender des Vorstands von DJE Kapital
© DJE Kapital

Die Covid-19-Pandemie hat das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben komplett auf den Kopf gestellt. Viele Menschen sehnen sich zurück in jene Zeiten, die man einst als normal empfand. Doch dieser Weg ist verbaut, sagt DJE-Starmanager Jens Ehrhardt im Interview mit dem "Handelsblatt". Nur mit einem ständigen Ankurbeln könne man die Wirtschaft noch stabil halten. "Wir sind verdammt zum Stimulieren, oder besser: zum Überstimulieren."

Er geht davon aus, dass die Welt in Zukunft wohl noch mehr Zinskontrollen und Planwirtschaft erleben wird. Gesellschaftlich und politisch "werden wir wohl mehr nach links rücken", so Ehrhard gegenüber der Zeitung. Die soliden Zeiten seien vorbei. Anleger sollten sich aber insgeheim bei den Notenbanken bedanken, die den Kursaufschwung bei Aktien überhaupt er möglich gemacht haben. "So primitiv es klingt: Aktien bleiben die beste Anlage, es fehlen einfach die Alternativen." Die Notenbanken würden mit ihren Kapitalmarktinterventionen die Aktienkurse so nach oben treiben, wie sie es in den vergangenen Jahren mit den Anleihen bereits getan haben.

Europas Börsen starten Überholmanöver
Genau aus diesem Grund rückt der versierte Portfolioprofi auch nicht von seiner ursprünglichen Dax-Prognose ab. Das Jahresendziel von 16.000 Punkten steht. "Ich halte die Marke weiter für erreichbar. Die Börse denkt viele Monate voraus und könnte eine erwartete Wirtschaftserholung vorwegnehmen." Nach dem historischen Kurskollaps im Frühjahr hätte es im Nachhinein heißen müssen: Buy in March.

Generell hätten Europas Börsen im internationalen Vergleich derzeit gute Karten. "Sie könnten aufholen, nachdem sie über ein Jahrzehnt schlechter gelaufen sind als die Wall Street. In den USA fällt außerdem ein wichtiger Antriebsmotor der Vergangenheit aus: die extrem hohen Aktienrückkäufe. Da wird nicht mehr so viel kommen. In unseren Fonds haben wir die US-Anteile im Vergleich zu früheren Jahren auch gesenkt – das ist eine gute Entscheidung."

Schulden werden nicht zurückgezahlt
Auf die Frage, wer die gigantischen staatlichen Schuldenberge abtragen, also das gewagte Experiment schlussendlich bezahlen soll, hat Ehrhardt eine pragmatische Antwort: "Es wird sicher nichts zurückgezahlt. Wir werden die Schulden vor uns herschieben." Die Anleihebestände bei den Notenbanken in den USA, in Europa und Japan könne man seiner Ansicht nach umwidmen, "in Papiere mit vielleicht 100-jähriger Laufzeit bei Tiefstkupons. Da würde wohl nichts passieren, glaube ich." (fp/ps)

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