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DJE: "Nicht das Ende der Globalisierung, sondern eine Verlagerung"

Auf dem 17. Institutional Money Kongress stellte DJE-Kapitalmarktstratege Ulrich Kaffarnik China in den Fokus. Die Globalisierung werde sich zunehmend auf Asien, aber auch Europa, verlagern. Der zunehmende Einsatz von KI wirke zudem steigenden Inflationserwartungen entgegen.

DJE-Kapitalmarktstratege Ulrich Kaffarnik sieht die geplanten Investitionen in KI als fixiert an. 
DJE-Kapitalmarktstratege Ulrich Kaffarnik sieht die geplanten Investitionen in KI als fixiert an. © Jose Poblete

Eckpunkte:

  • Globale Unsicherheit auf dem Niveau der Corona-Pandemie
  • KI-Investitionen der Hyperscaler: „Moment des Zweifels“
  • Globalisierung verschiebt sich Richtung Asien
  • Null-Inflation gegen Ende des Jahrzehnts unwahrscheinlich

Zu Beginn seines Vortrags in der Workshop-Reihe auf dem 17. Institutional Money Kongress im Frankfurter Congress Center zeigte Dr. Ulrich Kaffarnik, Kapitalmarktstratege der DJE Kapital AG, einen Chart zum globalen wirtschaftspolitischen Unsicherheits-Index. Dieser stehe, Stand März 2026, nach einem großen Ausreißer nach oben im April 2025, dem sogenannten Liberation Day, in etwa auf dem Niveau der Corona-Pandemie in 2020. „Wir bewegen uns immer noch auf einem Unsicherheitsniveau, was so hoch ist wie zur Zeit der Pandemie – Beruhigung sieht definitiv anders aus“, leitete Kaffarnik seinen detailreichen Vortrag ein, der über die KI-Investionen in den USA und deren Technologiesektor über die Aktien- und Anleihenmärkte bis nach China führte.

Drei Billionen US-Dollar in KI
Mit Blick auf die KI-Investitionen der vier großen Hyperscaler (Microsoft, Amazon, Google und Meta) geht Kaffarnik davon aus, dass diese ungeachtet des Iran-Krieg weiter investieren werden. Die Wachstumsdynamik sei ungebrochen. Bei den enormen Investitionen in KI, die sich allein für die USA auf etwa drei Billionen Dollar summierten, handele es sich um ein Volumen von etwa zehn Prozent der gesamten Investitionen, die in den USA getätigt würden. „Diese Investitionen dürften fixiert sein“, so der DJE-Kapitalmarktstratege. Allerdings konstatierte Kaffarnik einen „Moment des Zweifels“ hinsichtlich der Ertragskraft, die diesen Investitionen gegenüberstehe.

Kein Ende der Globalisierung
Hinsichtlich der globalen Handelsverflechtungen sieht der DJE-Kapitalmarktstratege hingegen kein Ende, sondern eine Verschiebung, die stark mit Chinas Exporten zusammenhänge. „Der Rückgang der Exporte von China in die USA läuft im Grunde schon seit zwei bis drei Jahren“, so Kaffarnik.

Was den Chinesen gelungen sei, „ist, die Exporte in den Rest der Welt dramatisch nach oben zu bringen. Das ist ein Grund für die relativ stabile Konjunktur in China“, so Kaffarnik. Das Fazit sei an dieser Stelle, man werde nicht „das Ende der Globalisierung und des Welthandels sehen, sondern eher eine Verlagerung“, weg von den USA. Der Handel werde viel stärker zwischen Europa und Asien stattfinden, insbesondere zwischen China, Indien, Indonesien und Vietnam.

Exporte Chinas gewachsen
Diese Entwicklung habe sich bereits im vergangenen Jahr (Januar bis September 2025) bei den Exporten gezeigt. Hier seien die Exporte Chinas in die USA um fast 17 Prozent zurückgegangen, während die in andere Weltregionen fast durchweg gewachsen seien, allen voran mit Ländern wie Vietnam (+22,3 Prozent), Regionen wie Afrika (+28,3 Prozent), der EU (+8,2 Prozent) oder Ländern wie Deutschland (+10,5 Prozent). Insgesamt liege die Wachstumsrate der chinesischen Exporte bei rund sechs Prozent.

Niedrige Inflation in China
Zudem gehe in China die Abwärtsdynamik am Häusermarkt zurück und hinsichtlich der Inflation seien die Aussichten ebenfalls günstig: „China hat einen anderen Vorteil: Die Inflationsrate ist sehr niedrig“, so Kaffarnik. Diese liege derzeit bei 1,3 Prozent. Hinsichtlich eines deutlich höheren Leitzinses gebe es noch „viel Potenzial für Leitzinssenkungen in China“.

KI und Arbeitsmarkt
Zugleich wirkten auf globaler Ebene enorme US-Investitionen in KI letztlich deflationär. Hyperscaler setzten bereits jetzt im großen Stil Arbeitskräfte frei. Gleichzeitig sei nicht damit zu rechnen, dass die Inflation zum Ende des Jahrzehnts wieder gegen Null gehe, da auf sie verschiedenste Faktoren treibend wirken – wie zurzeit steigende Energiepreise. „Der Druck auf den Arbeitsmarkt sei „ein Gegengewicht“ zu den insgesamt erhöhten Inflationserwartungen. Dieses Gegengewicht dürfte verhindern, dass „die Inflation extrem nach oben schießen“ werde, so Kaffarnik. Die enormen Investitionen in Künstliche Intelligenz wirkten somit erhöhten Inflationserwartungen entgegen. (de)

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