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DJE Kapital: Wo sollen Anleger 2020 investieren?

Investoren stehen vor der Frage, ob sie mehr auf die negativen Signale einer schwächelnden Realwirtschaft achten, oder doch lieber auf die Wirkung einer expansiveren Geldpolitik hoffen sollten. Eine Antwort darauf gab Dr. Ulrich Kaffarnik von DJE Kapital in seinem Marktausblick in Wien.

Dr. Ulrich Kaffarnik, Vorstandsmitglied der DJE Kapital AG
Dr. Ulrich Kaffarnik, Vorstandsmitglied der DJE Kapital AG
© DJE Kapital

„2019 fanden Anleger, die zu Jahresanfang auch investiert waren, die beste aller Welten vor“, erklärte Dr. Ulrich Kaffarnik, für das Fondsmanagement zuständiges Vorstandsmitglied der DJE Kapital AG, anlässlich seines Kapitalmarktausblicks, den er auf der Veranstaltungsreihe „Fondsgipfel“ vor professionellen Marktteilnehmern in Wien hielt. Denn sowohl die Aktien-, als auch die meisten Rentenindizes notierten Mitte November 2019 höher als zu Jahresbeginn und Investoren sitzen – sofern sie sich beim „Weihnachtscrash“ 2018 nicht ausstoppen ließen – auf nennenswerten Kursgewinnen. Damit stellt sich, vor allem angesichts der mittlerweile über zehn Jahre laufenden Hausse bei Aktien, die Frage, wie es an den Märkten weitergeht.

Konjunktur schwächelt
Während Konjunkturindizes wie der ZEW-Index oder der ifo-Index so tief notieren wie seit der Eurokrise 2011/12 nicht mehr und auch der globale PMI-Index schwächelt, entwickelt sich der Dax-Index dieses Jahr zur Überraschung vieler Marktteilnehmer nach oben. „Die Börse meint, dass der ifo-Index bereits so niedrig ist, dass die Lage nur mehr besser werden könne“, begründete Kaffarnik die derzeit extreme Lücke zwischen Dax-Index und ifo-Index (siehe die erste Grafik oben in der Bildergalerie), um zu ergänzen: „Die Börse hofft auf eine relative Verbesserung von einem derzeit sehr niedrigen ifo-Index-Stand aus und fungiert in diesem Fall als Vorlaufindikator für die Konjunktur.“

Deutschland mit seinem zur Hälfte vom Export abhängigen Wirtschaftsmodell müsse auf ein höheres BIP-Wachstum in China und den USA hoffen. Dabei geht der Blick dieser Tage immer wieder nach Hongkong, wo Demonstranten gegen das kommunistische Regime aufbegehren und vielfach ein Einmarsch sowie die Niederschlagung der Proteste seitens des chinesischen Militärs befürchtet werden. Dies könnte – so die Befürchtungen vieler Investoren - die Beziehungen Chinas zum Westen belasten und damit die konjunkturelle Erholung gefährden. Kaffarnik sieht diesbezüglich wenige Risiken: Selbst wenn China in Hongkong einmarschieren sollte, würde der Westen nur mit ein paar diplomatischen Protestnoten und nicht mit harten Sanktionen reagieren. Denn China könne sich aufgrund seiner großen wirtschaftlichen Macht inzwischen sehr viel auf der weltpolitischen Bühne leisten.

Wichtiger für die Märkte als die von den Unruhen ausgelöste, harte Rezession in Hongkong sei die Entwicklung der Zinsen. Niedrigere Zinsen, so gab es 2019 weltweit 58 Leitzinssenkungen, in Verbindung mit einer üppigen Geldversorgung durch die Zentralbanken, sei aktuell einer der wesentlichen Treiber für die Aktienmärkte. Der zweite „Treiber“ war und ist dieses Jahr der große Pessimismus unter den Marktteilnehmern und die damit einhergehenden, niedrigen Investitionsquoten. „Die Rally hat viele Investoren am falschen Fuß erwischt“, erklärte Kaffarnik und erinnerte an die diesjährigen, intensiven Diskussionen um die US-Zinskurve, die zuletzt verstummten.

Da die Zinsstrukturkurve in den USA mittlerweile nicht mehr invers ist, sondern leicht steil ist, gehen die Rezessionsrisiken von ca. 35 auf zuletzt nur mehr 31 Prozent zurück (siehe Grafik oben). „Die Zinsstrukturkurve nimmt die Stabilisierung des Wirtschaftswachstums vorweg und bestärkt unseren Optimismus“, sagte Kaffarnik.

Problematisch könnte hingegen sein, dass mittlerweile 84 Prozent der Marktteilnehmer weitere Zinssenkungen seitens der Fed erwarten. Zur Erinnerung: Vor gut einem Jahr war dies spiegelverkehrt und der Markt erwartete Zinserhöhungen. Da aber die Kerninflationsrate in den USA bei zuletzt 2,4 Prozent lag, könnte sich die Fed bei Zinssenkungen zieren.

„Zieren“ sollten sich laut dem DJE-Vorstand Investoren auch bei Euroland-Renten, die zu niedrig verzinst seien. Potenzial sieht Kaffarnik bei italienischen Anleihen, deren Kurse aufgrund zurückgehender Risikoprämien steigen sollten. „Wenn man etwas kaufen kann, dann bestenfalls Italien“, der Anleihen des Stiefelstaats bereits vor einem Jahr zum Kauf empfahl und bis dato mit dieser Empfehlung richtig lag.

EMD und Value-Aktien
Für kommendes Jahr empfahl Kaffarnik Investoren höhere Gewichtungen bei Schwellenländeranleihen in Lokalwährung. Weil nur diese würden, neben Hochzinsanleihen, noch interessante Zinskupons bieten und seien laut Kaffarnik „eine hochinteressante Beimischung“. EMD-Exposure sollte sich vor allem langfristig auszahlen. Denn der DJE Kapital-Mann glaubt an eine langfristige Konvergenzentwicklung zwischen OECD-Bonds, deren Renditen steigen sollten und an Schwellenländeranleihen, die von fallenden Renditen und damit steigenden Kursen profitieren sollten.

Überdurchschnittliches Kurspotenzial sieht Kaffarnik auch bei Value-Aktien, die seit Jahren Wachstumswerten bei der Kursentwicklung hinterherhinken. So würden Growth-Aktien aus den USA ein Kurs/Buchwert-Verhältnis von über sechs ausweisen, während Value-Aktien aus der EAFE-Region (Europa, Australasien, Ferner Osten) ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von knapp über eins haben (siehe die Tabelle mit den Fundamentalvergleichen oben).

Aktien sind „alternativlos“
Laut Kaffarnik würden immer mehr deutsche Investoren, sowohl Privatanleger als auch institutionelle Investoren, realisieren, dass sie bei Renten keine Zinsen mehr erwarten können und sie höhere Aktiengewichtungen haben müssten. Anleger würden im Austausch für die hohen Dividendenrenditen die damit einhergehenden höheren Aktienkursschwankungen nunmehr williger akzeptieren und darüber hinaus bei Kursrückgängen zukünftig nicht mehr vorschnell verkaufen. „Volatilität gehört zu den Märkten wie Ampeln zu einer Großstadt!“. Genannte Kombination aus höherer Risikotoleranz und laufenden Zuflüssen in den Aktienmarkt sollte Aktien steigen lassen.

Kurzfristig ist der Aktienmarkt Kaffarniks Ansicht nach etwas heiß gelaufen, allfällige Korrekturen in den kommenden Tagen und Wochen sollten Anleger jedoch als gute Einstiegsgelegenheiten wahrnehmen.

Die besten Grafiken aus Kaffarniks Präsentation finden Sie oben in der Bilderstrecke. (aa)

 

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