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DJE Kapital: Warum Technologiewerte die neuen Versorger sind

Für DJE Kapital sollten Investoren Technologieaktien nicht mehr wie früher als hochvolatile, zyklische Marktwetten, sondern vielfach als stabile Cash-Flow-Generatoren betrachten. Dieser „Paradigmenwechsel“ wurde von der Corona-Pandemie beschleunigt.

René Kerkhoff, DJE Kapital
René Kerkhoff, DJE Kapital
© DJE Kapital

Investoren müssen abgesehen von niedrigem Wirtschaftswachstum und niedrigen Zinsen ein weiteres „New Normal“ auf ihren Radarbildschirmen haben: Corona als Digitalisierungskatalysator. Das hat Implikationen auf die Portfoliostrategie bzw die Sektorengewichtungen.

Denn laut Ansicht von René Kerkhoff, Analyst für die Sektoren Technologie, Automotive und Retail sowie Fondsmanager des DJE – Mittelstand & Innovation bei DJE Kapital, schlüpfen Technologieunternehmen mittlerweile in die Rolle von „Versorgern“. Viele Unternehmen, Mitarbeiter und Verbraucher können bzw. wollen ohne deren Produkte und Dienstleistungen nicht mehr leben.

Technologie: Das Rückgrat einer modernen Volkswirtschaft
Der Bedarf an Anwendungen ist noch größer geworden seit die Lockdown-Maßnahmen den Bedarf für Einkaufen, Lernen und Arbeiten von zu Hause aus und virtuell erhöht haben. Ohne eine robuste digitale Infrastruktur können Mitarbeiter nicht effizient von zu Hause arbeiten, und Studenten haben keinen Zugang zu Online-Kursen. Regierungs- und Gesundheitsorganisationen sind auf Technologieplattformen angewiesen, um der Öffentlichkeit zum Beispiel zeitkritische Informationen zugänglich zu machen. Mitarbeiter und Kunden erwarten lückenlose Cybersicherheit. Rechnungs- und Zahlungssysteme müssen nahtlos funktionieren, und Streaming von Musik und Videos ist inzwischen Alltag. „Das heißt: Breitband-Internet, Telekonferenzdienste, Cloud, Cybersecurity, Dating, E-Commerce, Streaming etc. sind kaum noch wegzudenken – und es wird weiter darin investiert“, umreißt Kerkhoff das Geschäftspotenzial großer Technologiefirmen.

Vom Saulus zum Paulus
Diesen defensiven Charakter musste sich der Technologiesektor hart erarbeiten. Denn die Unternehmen waren laut Kerkhoff weltweit im Zuge der Dotcom-Blase im Jahr 2000 in Verruf geraten. Heute spreche jedoch einiges dafür, dass sie inzwischen nachhaltigere und profitablere Geschäftsmodelle haben. Kerkhoff nennt ein paar Zahlen: Auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase hatten die Technologiewerte im S&P 500 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 62,3, jedoch bestanden nur 2,7 Prozent der Marktkapitalisierung aus Zahlungsmitteln. Heute liegt deren KGV bei 32,26 und der Anteil der Zahlungsmittel an der Marktkapitalisierung beträgt fast sieben Prozent.

Die heutigen Technologieunternehmen zeichnen sich Kerkhoff zufolge durch ihre krisensicheren Geschäftsmodelle aus, was sich besonders jetzt während der Corona-Krise bewährt. Im Zeitraum von Dezember 2019 bis Mai 2020 haben Analysten zum Beispiel ihre erwarteten Ergebnisse für die S&P 500 Technologieaktien um 6,5 Prozent reduziert. Das seien deutlich weniger als die erwarteten Ergebnisrückgänge von 53,3 und 30,6 Prozent für Industrie- und Baustoffwerte.

Die Gründe hierfür sind Kerkhoff vielfältig: Die Softwaresparte im Technologiesektor zeichnet sich beispielsweise durch einen hohen Anteil an wiederkehrenden Umsätzen aus und ist anders als der Hardwaresektor nicht so konjunkturabhängig. Darüber hinaus beabsichtigen laut einer Umfrage fast zwei Drittel der befragten Unternehmen, ihre IT-Ausgaben zu erhöhen. Außerdem hat der Ausbau der Digitalisierung in allen Wirtschaftsbereichen nach wie vor einen hohen Stellenwert.

Cash Flows weniger von der Konjunktur abhängig
Lange wurde der Technologiesektor aufgrund des hohen Anteils an stark konjunkturabhängigen Hardwareproduzenten zu den zyklischen Sektoren gezählt. Diese Produzenten machten vor zehn Jahren rund 60 Prozent des globalen IT-Sektors aus, während es heute weniger als 40 Prozent sind. Heute dominieren Unternehmen mit weniger konjunkturabhängigen Geschäftsmodellen, zum Beispiel Softwareunternehmen, den Markt.

Durch den Vertrieb von Software als Service haben sich diese Unternehmen dauerhafte Kundenbindungen erarbeitet und können wiederkehrende Einnahmen sowie stabile Cash Flows erzielen. Darüber hinaus sind die Technologiekonzerne von heute bilanzstärker geworden und können hohe operative Margen aufweisen und somit im Idealfall stetig eigene Aktien zurückkaufen. Die Corona-Krise habe dem Sektor außerdem zusätzlich zu einem starken Aufschwung verholfen, da viele Unternehmen nun noch stärker in IT-Lösungen investieren. Dementsprechend sollte der IT-Sektor heutzutage auch in defensiven und substanzstarken Portfolios vertreten sein. (aa)

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