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DJE Kapital: Marktverwerfungen strategisch nutzen

Der schwellende Handelskonflikt könnte zu weiteren Verwerfungen an den Märkten führen, die antizyklischen Investoren Einstiegsmöglichkeiten eröffnen. Noch scheint es aber nicht so weit zu sein, die Blicke richten sich auf Donald Trump und Xi Jinping.

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Stefan Breintner, stellvertretender Leiter des Bereichs Research & Portfoliomanagement bei DJE Kapital
© DJE Kapital

Aufgrund der zuletzt tendenziell enttäuschenden chinesischen Wirtschaftsdaten steigt der Druck auf Peking, mit den USA eine Lösung zu finden. Daher rücke das Treffen von US-Präsident Donald Trump und dem chinesische Präsident Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels Ende November in Argentinien stärker in den Mittelpunkt des Interesses. „Eine Beilegung des Handelsstreits bzw. chinesische Zugeständnisse an die USA und damit ein möglicher Verzicht auf weitere Zölle dürften von Investoren und Aktienmärkten sehr positiv aufgenommen werden und zu entsprechender Kurserholung an vielen, vor allem von China abhängigen Börsenplätzen führen. Ob es aber noch im Jahresverlauf zu einer Lösung im Handelsstreit kommt, ist nicht seriös prognostizierbar“, schreibt Stefan Breintner, stellvertretender Leiter des Bereichs Research & Portfoliomanagement bei DJE Kapital, in einem aktuellen Marktkommentar.

Weitere Zölle wären schlecht
Investoren sollten aber auch ein Szenario auf der Rechnung haben, in dem es zu keiner Einigung kommt sowie die Möglichkeit besteht, dass die US-Regierung das gesamte Einfuhrvolumen der USA aus China mit Sonderzöllen belegt. In diesem Fall würden weitere chinesische Waren im Wert von rund 267 Milliarden US-Dollar mit Sonderzöllen von 25 Prozent belegt. „Sollten die USA wirklich diese dritte Phase einleiten, könnte die chinesische Regierung aber auch weitere Gegenmaßnahmen erlassen“, warnt Breintner.

Bisher hat China mit Zöllen auf US-Produkte im Umfang von 60 Milliarden US-Dollar reagiert. Lokale Marktbeobachter halten es laut dem DJE Kapital-Mann für wahrscheinlich, dass im Falle einer weiteren Zuspitzung auch US-Unternehmen, die in China aktiv sind und für die das Land ein wichtiger Teil ihrer Wachstumsstory ist, in den Fokus geraten.

„Es bestehe also auch das Risiko, dass der Handelskrieg zu einem weiter gefassten Wirtschaftskrieg wird und US-Geschäfte in China direkt belangt werden könnten. Eine erneute Eskalation dürfte die Börsen weiter belasten“, befürchtet Breintner. Der chinesische CSI 300-Index und der Hang Seng-Index in Hongkong haben von Ihrem Höchststand bereits mehr als 25 Prozent verloren. „Insofern erscheint hier bereits ein Teil der durch den Zollkonflikt bedingten erwarteten Wachstumsabschwächung eingepreist“, meint Breitner.

China steigt wieder auf das konjunkturelle Gaspedal
Der Welthandel dürfte generell unter verschärften Zollerhebungen leiden. Schätzungen gehen bisher von bis zu einem Prozent Wachstumsabschwächung in China durch die US-Zollpolitik aus. China arbeitet aber seit Jahren daran, die Binnenkonjunktur (Konsum, Service) zu stärken und den Exportanteil zu verringern, damit das Land weniger abhängig vom Ausland ist.

Darüber hinaus hat die chinesische Regierung auch bereits begonnen monetär zu stimulieren. Unter anderem hat die Chinesische Notenbank zuletzt am 8. Oktober 2018 die Mindestreserve-Anforderungen für Banken – also das Level an Bargeld, welches Banken als Reserve halten müssen – erneut gesenkt und damit Liquidität im dreistelligen Milliarden-Bereich an US-Dollar zur Verfügung gestellt.

Weitere Stimulierungsmaßnahmen folgen: So wurde vergangenes Wochenende bekannt gegeben, dass die Einkommensteuer ab 1. Januar 2019 gesenkt wird. Auch im Immobilien-Bereich wird gelockert, Preisobergrenzen für Immobilien könnten bald in mehreren Städten aufgehoben werden. Allerdings wirken solche Maßnahmen immer erst mit Zeitverzug – und könnten daher erst im Laufe des Jahres 2019 eine positive Wirkung auf die Entwicklung des volkswirtschaftlichen Wachstums haben. „China hat insgesamt viele Möglichkeiten zu stimulieren und sollte daher letztendlich nicht der Verlierer des Handelskriegs sein. Exportnationen wie Deutschland dürften vom chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt deutlich stärker betroffen sein. China selbst dürfte heute nicht stärker von der weltweiten Exportkonjunktur abhängig sein als die USA oder Japan“, erklärt Breitner

Conclusio: Rücksetzer nutzen
Mit Blick auf die Anlageperspektiven in China bzw. in der Region Asien Pazifik ist die Unsicherheit kurzfristig hoch. Die von DJE verwalteten Asienfonds verfügen aus diesem Grund laut Breitner aktuell über eine höhere Kassenposition und sind vor allem in defensiven Sektoren übergewichtet. Im Falle einer Einigung oder einer Beilegung des Zollstreits könnten die Kassenbestände allerdings schnell in strukturell gut positionierte Werte aus zyklischen Sektoren, deren Kurse unter dem Handelsstreit massiv gelitten haben, umgeschichtet werden Im Falle einer Verschärfung der Zollstreitigkeiten sollte die defensive Positionierung zu einem relativ besseren Abschneiden führen. Durch die Stimulierungsmaßnahmen der chinesischen Regierung könnte aber auch im Laufe des kommenden Jahres wieder eine Wachstumsphase beginnen. Das Fazit Breitners lautet für Investoren mit längeren Anlagehorizont: „Erneute zollbedingte Kursrückgänge könnten sich daher als gute Einstieg- oder Zukaufgelegenheit erweisen.“ (aa)

 

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