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Disruption nun auch im Wohnungsbau?

Die russische PIK Group von Sergej Gordejew stieg nach einem Zuwachs von fast 140 Prozent in 2021 zum wertvollsten Wohnungsbauunternehmen Europas auf. Nun will der Milliardär nichts weniger, als den Bau und die Vermarktung von Wohnungen zu revolutionieren. Disruption lässt auch hier grüßen.

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Die PIK Group und deren Mehrheitseigentümer Sergej Gordejew haben einiges vor, um den Wohnungsbau zu revolutionieren.
© The PIK Group

Der noch nicht einmal 49 Jahre alte Sergej Gordejew sieht die Baubranche vor einem Umbruch ähnlich jenen Veränderungen, die auf Verbrennungsmotoren und stationäre Ladengeschäfte zukommen.

Es lebe der modulare Wohnungsbau
Gordejew hat den Ehrgeiz, sein Unternehmen, das derzeit gut elf Milliarden Euro wert ist, in einen weltweit führenden Anbieter von modularen Wohneinheiten umzukrempeln, der Wohnhochhäuser innerhalb von Wochen errichten kann. Gleichzeitig soll eine Plattform entstehen, die Kauf und Anmietung von Wohnungen so einfach macht wie Einkaufen im Internet.

Disruption
„Es wird dieselbe disruptive Revolution im Bauwesen geben“ wie in den Bereichen E-Commerce, Elektroautos und im Bankgeschäft, sagte Gordejew im Interview. „In drei Jahren werden unsere anderen Unternehmen unser Bauträgergeschäft als Hauptumsatztreiber hinter sich lassen.“ Gordejews Geschäft profitiert von einem Boom bei den russischen Wohnungspreisen, die in der Folge der Lockdowns und der Pandemie weltweit gestiegen waren.

Kapitalerhöhung geplant
Gordejew, Mehrheitsaktionär und Vorstandschef der PIK Group, war einer der größten Nutznießer des angespannten Marktes. Sein Nettovermögen hat sich dank der Aktiengewinne laut dem Bloomberg Billionaires Index in diesem Jahr auf 8,6 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt. PIK könnte noch diese Woche im Rahmen eines öffentlichen Angebots Aktien anbieten, berichtete Kommersant am Montag unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Personen. Das Geld könne zur Finanzierung der Modulbausparte verwendet werden, so die Zeitung. 

Units-Module
PIKs neuer Geschäftsbereich, genannt Units, verwendet Module, die in einer Fabrik zusammengebaut werden, um Zeit und Arbeitskosten zu sparen. Das erste modulare Projekt, ein neunstöckiges Gebäude mit 136 Wohnungen in Moskau, soll im Oktober von etwa 30 Arbeitern binnen zwei Wochen montiert werden. “In 10 bis 15 Jahren wird die Branche völlig anders aussehen”, sagte Gordejew. “Es wird alles aus Modulen bestehen.”

Strukturelle Integrität
Im Gegensatz zu den beengten Plattenbauten der Sowjetzeit sollen seine modularen Wolkenkratzer qualitativ hochwertig und attraktiv sein, sagt Gordejew. Die experimentelle Gebäudetechnik, die weltweit immer beliebter wird, um den hohen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum zu decken, muss ihre bauliche Integrität und Stabilität jedoch erst noch beweisen.

Produktion ähnlich der von Automobilen
Units betreibt derzeit eine Fabrik, die einem Autofließband nachempfunden ist und jährlich 40.000 Quadratmeter Wohnraum produzieren kann, was etwa 800 durchschnittlichen Wohnungen in Moskau entspricht. Ein zweites Werk mit der vierfachen Kapazität soll im Mai in Betrieb gehen. Weitere Fabriken, darunter eine in der philippinischen Hauptstadt Manila, sind für 2023 geplant.

Wohnungsverkauf über das Internet
Wenngleich die Bewertungen von Immobilienentwicklern in die Höhe schießen, verblassen sie doch im Vergleich zu den Multiplikatoren von Technologieunternehmen. Das spornt viele Unternehmen an, digitaler zu werden, darunter auch PIK. PIK hat während der Pandemie den Verkauf neuer Wohnungen in die Online-Welt verlagert. Nun wird der virtuelle Marktplatz erweitert um Mietobjekte, den Sekundärmarkt und neue Angebote auch von anderen Bauträgern. Gordejew sagte, PIK werde Hunderte von Milliarden Rubel in seine Technologieinitiativen investieren.

Zusätzliche Unannehmlichkeiten erspart
Die Kvarta-Plattform, die der von Opendoor Technologies ähnelt, ermöglicht es Nutzern, online Wohnungen zu kaufen, zu verkaufen oder zu mieten, ohne sich mit Gegenparteien auseinandersetzen oder die Immobilie gar vorher anschauen zu müssen. Kvarta kauft und verkauft die Immobilien selbst, wodurch die Transaktionszeit kurz bleibt. „Makler, Vermittler und Hausbesitzer schaffen nur zusätzliche Unannehmlichkeiten“, so Gordejew. „Unser System verlagert das alles online und macht es vollkommen rational.“

Attraktiver Sekundärmarkt
Gordejew schätzt den Wert des russischen Sekundärmarktes auf über 165 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Er prognostiziert für dieses Jahr einen Umsatz von 330 Millionen US-Dollar bei Kvarta bei einer Marge von etwa zehn Prozent.

Mögliches Spin-Off-Potential
Sowohl die Projekte für den modularen Bau als auch der Online-Marktplatz haben laut Gordeev das Potential, für Börsengänge aus dem Mutterunternehmen ausgegliedert zu werden. “Diese Tech-Initiativen sind gut und könnten, wenn sie funktionieren, zu höheren Bewertungen ausgegliedert werden”, sagte BCS-Analystin Elena Tsareva. “Aber PIK ist immer noch ein Bauträger, dessen Wert von seiner Fähigkeit abhängt, Kosten, Zinsen und seine physische Präsenz zu kontrollieren.” (kb)

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