Diese europäischen Aktien hätten Investoren übergewichten sollen
Europas Aktien verzeichneten 2025 ein Rekordjahr. Dabei stechen einzelne Branchen und Einzelwerte positiv mit ihrer überdurchschnittlich hohen Performance heraus und machen Lust auf das Anlagejahr 2026.

Steigende Metallpreise und die Aussicht auf massive Verteidigungsausgaben haben europäische Aktien in diesem Rekordjahr beflügelt. Doch es waren die Banken, die herausstachen - mit einer kräftigen Rally, die Analysten zufolge bis ins Jahr 2026 hinein anhalten dürfte. Das ist einem Jahresrückblick von Bloomberg zu entnehmen.
Der europäische Stoxx-600-Index legte in diesem Jahr um 16 Prozent zu, erreichte neue Allzeithochs und ließ den S&P 500 auf Dollarbasis hinter sich. Banken führten den Anstieg an: Der Sektor sprang um 65 Prozent und steuert damit auf den stärksten Jahreszuwachs seit 1997 zu, getragen von robusten Gewinnen und hohen Ausschüttungen an Aktionäre.
“Ein bunter Mix aus Aktien hat überdurchschnittlich abgeschnitten”, erklärt Peter Oppenheimer, Chefstratege für globale Aktien bei Goldman Sachs. Zu den größten Nachzüglern gehörten dagegen Titel, die “den aktuellen Gegenwinden des Jahres ausgesetzt waren: höhere Zölle, ein schwächerer Dollar und chinesische Konkurrenz”, sagte er.
Mit Blick auf das kommende Jahr sehen Strategen mehrere Rückenwinde für europäische Aktien, darunter eine geringere Anfälligkeit gegenüber einer möglichen Blasenbildung bei hoch bewerteten Technologiewerten, die die Wall Street antreiben.
“Die Angst vor einer weiteren Dollar-Schwäche, eine nach wie vor attraktive Bewertungsdifferenz gegenüber den USA und ein positives makroökonomisches Umfeld dürften sich auch 2026 positiv auf europäische Aktien auswirken”, sagt Ulrich Urbahn, Leiter Multi-Asset-Strategie und Research bei Berenberg. “Damit sich europäische Aktien jedoch wieder gut entwickeln, müssen die Gewinne im kommenden Jahr auch wieder anziehen.”
Bloomberg zählt im Bericht einige der größten Gewinner und Verlierer 2025 auf.
Banken im Höhenflug
Bankaktien ließen andere Sektoren deutlich hinter sich, da die Gewinne dank höherer Gebühren- und Handelserträge sowie gesunkener Kosten sprudelten - entgegen Erwartungen, wonach sinkende Zinsen die Erträge belasten würden. Die Aktien von Banco Santander, Société Générale und der Commerzbank steuern auf ihr jeweils bestes Jahr aller Zeiten zu.
Europäische Banken operierten in einem “perfekten Umfeld” und dürften weiter zulegen, schrieben Analysten von JPMorgan Chase um Kian Abouhossein. “Wir gehen mit einer weiterhin positiven und bestätigten Einschätzung der europäischen Banken in das Jahr 2026”, hieß es unter Verweis auf eine sich verbessernde Konjunktur sowie stabile Zinsen, Inflation und Arbeitslosigkeit.
Rüstungswerte
Rüstungsaktien beenden das Jahr zwar schwächer, da die Bemühungen um ein Ende des Russland-Ukraine-Kriegs zunehmen. Das schmälert jedoch nur geringfügig eine starke Rally im Jahr 2025, ausgelöst durch die Forderung von US-Präsident Donald Trump nach höheren Verteidigungsausgaben in Europa.
Der britische Kriegsschiffbauer Babcock International Group schaffte mit seinem besten Jahr aller Zeiten den Aufstieg in den FTSE 100. Der deutsche Waffen- und Munitionshersteller Rheinmetall verzeichnete ebenfalls einen Rekordanstieg und wurde in den Euro Stoxx 50 aufgenommen. Der spanische Rüstungselektronikkonzern Indra Sistemas war mit einem Plus von rund 180 Prozent der beste Wert Spaniens.
“Die nächste wichtige Entwicklung im Jahr 2026 werden die detaillierten Verteidigungshaushalte auf Länderebene sein, die die Auftragslage ankurbeln und zu höheren Gewinnschätzungen führen dürften, unterstützt durch aktualisierte Unternehmensprognosen”, schrieben Morgan-Stanley-Analysten Ross Law und Marie-Ange Riggio.
Bergbauwerte
Minentitel übertrafen den Markt, da geopolitische Risiken die Nachfrage nach Edelmetallen als sicheren Hafen erhöhten und der wachsende Strombedarf für KI-Rechenzentren die Kupferpreise auf Rekordniveaus trieb.
Der Gold- und Silberproduzent Fresnillo war 2025 der beste Wert im FTSE 100 und verfünffachte sich. Der polnische Kupfer- und Silberhersteller KGHM Polska Miedz konnte seinen Kurs mehr als verdoppeln.
Pandora unter Druck
Der Schmuckhersteller Pandora geriet auf die Schattenseite des Silberbooms: Der Preisanstieg des Metalls erhöhte die Kosten. Die Aktie fiel um 47 Prozent und gehörte zu den schwächsten Titeln im Stoxx Europe 600, belastet zudem durch Zollsorgen, nachdem Thailand - ein wichtiger Produktionsstandort - ins Visier der Trump-Regierung geraten war.
Makroökonomische Unsicherheit drückte auf den Konsum, führte zu wiederholten Gewinnverfehlungen und zu einer Senkung der Jahreswachstumsprognose im November. Der angekündigte Abgang des angesehenen CEO Alexander Lacik im März schürte weitere Zweifel an der strategischen Ausrichtung.
Puma stürzt ab
Die Aktie von Puma brach um 50 Prozent ein und steuerte damit auf ihr schlechtestes Geschäftsjahr aller Zeiten zu. Nach enttäuschenden Zahlen folgten verschobene Gewinnziele und ein Sparprogramm. Weitere Warnungen kamen hinzu, während Wettbewerber wie Adidas, ON Holding und New Balance Athletics vom Laufboom profitierten. US-Zölle belasteten zusätzlich, da Vietnam, ein wichtiger Produktionsstandort, mit höheren Zöllen belegt wurde.
Auto- und Chemiewerte
Der europäische Automobil- und Zulieferindex verzeichnete erstmals seit 2002 das zweite Jahr in Folge Verluste. Die Autohersteller kämpften mit einer schwachen Nachfrage, gestiegenen Kosten durch Zölle und der Konkurrenz chinesischer Hersteller. Zwar sorgte die Nachfrage nach neuen, erschwinglicheren EV-Modellen von Volkswagen und Renault zuletzt für eine Erholung, insgesamt blieb der Druck jedoch hoch.
Die schwache Autonachfrage belastete auch Anbieter von Beschichtungen und Veredelungsmaterialien. Der Farbenhersteller Akzo Nobel senkte im Oktober seinen Ausblick, da von Zöllen betroffene Kunden Ausgaben zurückfuhren. Gedämpftes Wachstum drückte zudem auf Bau- und Chemieunternehmen, die mit Überkapazitäten kämpfen.
WPP-Probleme
Der Werbekonzern WPP dürfte (Stand 29.12.2025) der schlechteste Wert im Stoxx 600 werden. Das Unternehmen litt unter einem CEO-Abgang, dem Verlust großer Kunden und dem Abstieg aus dem FTSE 100.
WPP senkte seine Prognose angesichts von Sorgen, dass KI Kunden dazu bringen könnte, auf spezialisierte Agenturen zu verzichten. Generative KI belastete auch Wolters Kluwer und RELX, da Investoren fürchten, Forschungstools könnten an Wert verlieren.
Novo Nordisk
Novo Nordisk gehörte zum zweiten Mal in Folge zu den Nachzüglern und fiel um 48 Prozent - das schlechteste Jahr aller Zeiten droht. Der Konzern steht unter Druck durch günstigere Nachahmer seiner Abnehmpräparate Wegovy und Ozempic sowie durch den US-Konkurrenten Eli Lilly.
Demgegenüber erlebte das französische Biotech-Unternehmen Abivax ein außergewöhnliches Jahr nach positiven Studiendaten zu einem experimentellen Medikament gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Die Aktie stieg um rund 1.700 Prozent und war damit klar der beste Wert im Stoxx 600. (aa)
Ausgewählte Big Movers unter Europas Aktien


