Diese drei Fragen prägen die neue Epoche an den Märkten
An den Märkten findet ein epochaler Wandel statt, geprägt von Investitionen in KI-Infrastruktur, Energie, Verteidigung und Lieferketten, schreibt William-Blair-Strategin Olga Bitel. Für Investoren steht die Frage im Mittelpunkt, wer die Gewinner dieser Verschiebungen sind.

Kernpunkte:
- Marktführerschaft weitet sich auf mehr Regionen und Sektoren aus
- Technologischer Wandel und Geopolitik treiben Umbruch voran
- Wer sind die Gewinner von KI- und Softwareinvestitionen und nationalen Autonomiebestrebungen?
Nachdem sich ein Jahrzehnt lang die Gewinne an den globalen Aktienmärkten auf die USA konzentrierten, hat sich der Markt im vergangen Jahr verbreitert, und diese Entwicklung hat sich seit Jahresbeginn 2026 fortgesetzt, schreibt Olga Bitel, Partnerin und Strategin im globalen Aktienteam von William Blair Investment Management, in einem Kommentar. So hat die Aktienperformance in den Schwellenländern und bestimmten entwickelten Märkten die in den USA übertroffen. "Auch wenn die Vereinigten Staaten weiterhin attraktiv sind, sind sie nicht länger der einzige Motor der globalen Aktienperformance", so Bitel.

Quelle: Macrobond
Lange übersehene Sektoren im Fokus
Zugleich verändere sich die Struktur der führenden Sektoren. Anlagenintensive Branchen wie Halbleiter, Hardware, Maschinenbau, Bergbau sowie Metalle und Industriekonglomerate zählen zu den Outperformern, nachdem sie jahrelang "weitgehend übersehen" wurden, schreibt die Strategin. Ebenso steigen Länder mit starker Ausrichtung auf Aufbau und industrielle Kapazität in den Ranglisten. "Es scheint, dass wir uns in den frühen Innings eines strukturellen Wandels befinden", kommentiert sie.
Zwei Kräfte treiben Bitel zufolge den Umbruch voran: der technologische Wandel und die Geopolitik. Weltweit findet ein enormer Ausbau der KI-Infrastruktur statt, mit hoher Nachfrage nach Halbleitern, Kühlsystemen, Strominfrastruktur und Konnektivität sowie Straßen, Flughäfen, Übertragungsleitungen und Energieversorgung. "Der Maßstab ist global", so Bitel. "Und der Ausbau hat eine lange Laufzeit, er wird in Jahren und sogar Jahrzehnten gemessen."
Die geopolitische Dimension beinhaltet, dass viele Länder nach größerer wirtschaftlicher Autonomie streben. "Wirtschaftliche Autonomie bedeutet im Kern physisches Wachstum, das praktische Ergebnis sind daher höhere öffentliche und private Investitionen in physische Infrastruktur und industrielle Kapazität", so die Strategin.
Profiteure des Wandels
Die daraus resultierenden Investitionschancen erscheinen breit über Regionen verteilt, so Bitel. Jedoch ringen die Märkte mit mehreren zentralen Fragen. Die erste betrifft die Ökonomie der KI-Infrastruktur: Werden künftige Umsätze und Gewinne die massiven Investitionen rechtfertigen?
Eine zweiter zentraler Punkt ist die Verteilung der Gewinne aus steigender Software-Nachfrage: Werden etablierte Anbieter ihre bestehenden Plattformen anpassen, oder werden neue Anbieter einen substanziellen Anteil auf sich ziehen?
Schließlich fragen sich Investoren, welche Auswirkungen das Streben der Länder nach mehr Autonomie auf die Unternehmen haben: Welche Unternehmen dürfen an Schlüsselprojekten teilnehmen? Werden inländische Firmen bevorzugt, oder profitieren Zulieferer aus verbündeten Jurisdiktionen?
"Der gemeinsame Nenner dieser Entwicklungen ist der Aufbau, von Infrastruktur, Lieferketten und industrieller Kapazität", so Bitels Fazit. "Für Anleger schaffen Phasen der Verwerfung oft Chancen. Das aktuelle Umfeld scheint eine dieser Phasen zu sein." (dv)