Die wahren Profiteure von KI
Die Frage, welche Unternehmen vom Siegeszug der Künstlichen Intelligenz profitieren, ist komplexer als viele meinen. Auf dem FONDS professionell Kongress in Mannheim erläuterten Sebastian Blaeschke und Frank Fischer von Shareholder Value Management, wie ein ausgewogenes KI-Portfolio aussehen kann.

Hersteller von Chips und Entwickler großer Sprachmodelle sind nicht unbedingt langfristig die großen Gewinner der KI-Revolution, sagte Sebastian Blaeschke von Shareholder Value Management in Mannheim. Auch wenn solche Unternehmen aktuell zu den Profiteuren zählten, sei ungewiss, wie sich in einigen Jahren deren Wettbewerbsposition darstellt, so der Portfolio- und Research-Chef der Frankfurter Investmentboutique. "Es ist nicht klar, ob nicht in fünf Jahren vielleicht jeder Hyperscaler seinen eigenen Chip hat", sagte Blaeschke.
"Bei manchen Unternehmen in der Hardware-Wertschöpfungskette sind die Chancen von KI größer als die Risiken", erklärte er und nannte als Beispiel ASML, den Hersteller von Lithografiesystemen für die Chipproduktion. Dasselbe gelte für bestimmte Anbieter von Applikationen und Plattformen, Daten und Distribution wie Autodesk, SAP oder Alphabet. Blaeschke nannte hier unter anderem auch die Microsoft Corporation. Bei der Microsoft-Aktie habe sich auch der Kulturwechsel enorm positiv ausgewirkt: Der größte Teil der Performance von knapp 2400 Prozent seit 2010 habe nach der Übernahme des CEO-Postens durch Satya Nadella von Steve Ballmer stattgefunden.
Die Qualität ist wichtiger als der Preis
Als weitere Positiv-Gruppe nannte Blaeschke Geschäftsmodelle, die nicht durch KI ersetzt werden, aber indirekt von ihr profitieren. Beispiele seien Hersteller und Verleiher von Industrieausrüstung wie Diploma PLC oder Ashtead Group oder Chemikalien-Distributeure wie IMCD.
Unter dem Stichwort "KI-Optionalitäten" erfasst Shareholder Value Unternehmen, die mithilfe von KI ihre Innovation beschleunigen und damit das Wachstum steigern können, etwa bestimmte Firmen aus den Bereichen Diagnostik, Zulieferer für die Arzneimittelherstellung sowie Tiergesundheit.

Schließlich sind laut Blaeschke als Portfoliobestandteil auch solche Unternehmen wichtig, deren Geschäftsmodelle unabhängig von KI gute Perspektiven haben, etwa Versicherer und Rückversicherer wie Storebrand oder Munich Re.
Modern Value statt klassisches Value Investing
Shareholder-Value-CEO Frank Fischer ergänzte den Vortrag durch eine Erläuterung der von seinem Unternehmen angewendeten Modern-Value-Strategie. Im Gegensatz zum klassischen Value Investing stehe dabei die Qualität des Unternehmens stärker im Vordergrund als der Kaufpreis, um eine nachhaltige Rendite zu erzielen. Er zitierte Investment-Legende Warren Buffett mit dem Satz: "Es ist weitaus besser, ein wunderbares Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen, als ein mittelmäßiges Unternehmen zu einem wunderbaren Preis."
Sein Unternehmen finde solche Firmen unter anderem durch Fokussierung auf strukturelle langfristige Wettbewerbsvorteile, strukturelles wertsteigerndes Wachstum, operative und finanzielle Stabilität sowie Management und Kultur. Sogenannte akquisitionsorientierte Zinseszinsmaschinen erfüllen laut Fischer diese Anforderungen. Ein wichtiges Kriterium ist ihm zufolge auch die Persönlichkeit des Firmenchefs. „Wir suchen Firmen mit Outsider-CEOs, die den Fokus auf Kapitalallokation legen, denn solche CEOs erzielen höhere Kapitalrenditen als Nicht-Outsider-CEOs.“

Als Nachweis für den Erfolg von Modern Value führte Fischer den von Shareholder Value entwickelten Frankfurter Modern Value Index an, der seit Start im Juni 2020 knapp 98 Prozent oder mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 13 Prozent gestiegen ist. (dv)

