Die lange Durststrecke bei US-Small Caps könnte sich auszahlen
Nach mehr als zwölf Jahren Underperformance könnten US-Small Caps vor besseren Zeiten stehen. William Blair sieht historisch hohe Bewertungsabschläge, strukturelle Marktverzerrungen und mehrere konjunkturelle Rückenwinde als Grundlage für eine mögliche Aufholbewegung.

Eckpunkte:
- Small Caps hinken Large Caps seit mehr als zwölf Jahren hinterher.
- Historisch hohe Bewertungsabschläge sprechen für eine Aufholbewegung.
- Passive Investments und veränderte Benchmarks schaffen Marktineffizienzen.
Nach einer historisch langen Phase der Underperformance könnten US-Small Caps wieder attraktiver werden. Zu diesem Schluss kommt William Blair Investment Management. Nach Einschätzung des Asset Managers haben sich im Small-Cap-Segment erhebliche Bewertungsunterschiede aufgebaut, während gleichzeitig mehrere zyklische und strukturelle Faktoren die Voraussetzungen für eine breitere Marktrotation verbessern könnten.
„Viele der Bedingungen, die die Anlageklasse heute herausfordernd gemacht haben, könnten letztlich die Grundlage für künftige Outperformance schaffen", schreiben Portfoliomanager Mark Goodman und Matthew Fleming, Leiter des U.S. Value Equity Teams bei dem amerikanischen Assetmanager, in einem Kommentar.
Small Caps entwickelten sich in neun der vergangenen zwölf Kalenderjahre schlechter als Large Caps. Die aktuelle Phase der Large-Cap-Dominanz dauere inzwischen bereits mehr als zwölf Jahre und sei damit außergewöhnlich lang, so die Autoren. Historisch habe die Marktführerschaft immer wieder rotiert. Der aktuelle Zyklus steche jedoch sowohl durch seine Dauer als auch durch sein Ausmaß hervor.
Attraktive Bewertungen und mögliche Rückenwinde
Nach Einschätzung der Autoren spiegeln die Bewertungen diese Entwicklung inzwischen wider. Während größere Unternehmen innerhalb des Small-Cap-Universums sowohl die höchsten Kursgewinne als auch die höchsten Bewertungsniveaus erreichten, würden kleinere Unternehmen heute mit deutlichen Abschlägen gehandelt. "Unserer Ansicht nach hat dieses Ungleichgewicht eines der überzeugenderen Chancenuniversen für disziplinierte Small-Cap-Anleger seit vielen Jahren geschaffen", so Goodman und Fleming.
Als mögliche Auslöser für eine Trendwende nennen sie eine breitere wirtschaftliche Erholung, sinkende Zinsen, eine zunehmende M&A-Aktivität sowie Investitionen in Infrastruktur und die Rückverlagerung von Lieferketten. Gerade Small Caps hätten in vergleichbaren Marktphasen in der Vergangenheit häufig überdurchschnittlich profitiert.
Viele Small-Cap-Fonds investieren längst nicht mehr in Small Caps
Nach Ansicht von William Blair hat sich zudem die Struktur des Small-Cap-Marktes grundlegend verändert. Die durchschnittliche Marktkapitalisierung des Russell 2000 ist von rund einer Milliarde US-Dollar im Jahr 2005 auf heute etwa 4,5 Milliarden US-Dollar gestiegen. Gleichzeitig investierten viele als Small-Cap-Strategien vermarktete Fonds inzwischen überwiegend in Unternehmen mit Börsenwerten zwischen fünf und zehn Milliarden US-Dollar und böten damit faktisch eher ein SMID- oder Mid-Cap-Exposure.
Hinzu komme der wachsende Einfluss passiver Investments. ETFs und Indexfonds investierten unabhängig von Bewertung oder Unternehmensqualität in sämtliche Indexmitglieder. Dadurch könnten Fehlbewertungen länger bestehen bleiben als früher und aktiven Investoren zusätzliche Chancen eröffnen. Nach Angaben von William Blair ist der Anteil klassischer fundamentaler Long-only-Investoren am US-Aktienhandelsvolumen von rund 50 Prozent im Jahr 2005 auf etwa 15 Prozent zurückgegangen.
Auch wenn sich der Zeitpunkt einer Rotation nicht prognostizieren lasse, sei der aktuelle Zyklus "außergewöhnlich reif", so Goodman und Fleming "Wir halten es für wichtig, für diesen möglichen Wechsel positioniert zu bleiben, statt zu versuchen, jenen Bereichen hinterherzulaufen, die bereits die stärkste Aufwertung erfahren haben." (dv)