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Die große Rotation hat bereits begonnen

Ian Lance von Redwheel sieht erste Anzeichen einer Rotation weg von US-Aktien, Growth und Mega-Caps hin zu Value und kleineren Unternehmen. Schon geringe Umschichtungen institutioneller Anleger könnten dabei erhebliche Auswirkungen haben, sagte der Portfoliomanager im Interview.

Ian Lance, Redwheel: "Eine der größten Chancen sehen wir derzeit in vernachlässigten Bereichen: in Sektoren und Ländern, die übersehen wurden, weil Investoren so stark auf Technologieunternehmen fixiert waren."
Ian Lance, Redwheel: "Eine der größten Chancen sehen wir derzeit in vernachlässigten Bereichen: in Sektoren und Ländern, die übersehen wurden, weil Investoren so stark auf Technologieunternehmen fixiert waren."© Redwheel

Eckpunkte:

  • Hohe KI-Bewertungen und Konzentrationsrisiken sprechen für Vorsicht
  • Keine Hyperscaler im Portfolio, Schwerpunkt auf kleineren Unternehmen
  • Chancen bei vermeintlichen KI-Verlierern und vernachlässigten Märkten

Nach Jahren, in denen US-Technologie- und Wachstumsaktien die globalen Börsen dominierten, mehren sich aus Sicht von Ian Lance, Co-Head of the Global Value Team und Co-Portfolio Manager des Global Value Fund bei Redwheel, die Anzeichen für einen Führungswechsel. "Wir beginnen eine Rotation weg von den USA, von Growth zu Value und von Mega-Caps hin zu kleineren Unternehmen zu sehen", sagte er im Interview mit "Institutional Money".

Bereits relativ geringe Kapitalverschiebungen könnten in manchen Marktsegmenten deutliche Spuren hinterlassen. "Wenn institutionelle Investoren nur fünf oder zehn Prozent umschichten, kann das erhebliche Auswirkungen auf weniger liquide Teile des Marktes haben", erklärt Lance.

KI-Boom schafft Konzentrationsrisiken
Die Bewertungen in Teilen des Technologie- und KI-Sektors hält Lance für sehr hoch. Zugleich warnt er davor, die tatsächliche Diversifikation vieler Portfolios zu überschätzen. "Man glaubt, diversifiziert zu sein, ist es aber in Wirklichkeit nicht. Im Grunde setzt man über verschiedene Teile des Portfolios hinweg immer wieder auf KI", so der Value-Investor.

Hinzu kommen Zweifel, ob sich die gewaltigen Investitionen der großen Technologiekonzerne in KI-Infrastruktur für alle auszahlen werden. Viele Big-Tech-Unternehmen gäben enorme Summen dafür aus. Lance hält es für schwer vorstellbar, dass sie alle attraktive Renditen auf das eingesetzte Kapital erzielen können.

Chancen bei vermeintlichen KI-Verlierern
Gerade die starke Fixierung des Marktes auf KI-Gewinner eröffnet Redwheel nach eigener Einschätzung Chancen auf der anderen Seite. Unternehmen seien zunehmend in KI-Gewinner und KI-Verlierer eingeteilt worden. "Wir finden Gelegenheiten unter den sogenannten KI-Verlierern, bei denen wir eine bessere Zukunft sehen, als in den sehr niedrigen Bewertungen eingepreist ist."

Als Beispiele nennt Lance Unternehmen wie Accenture, Adobe und Capgemini, deren Bewertungen drastisch gefallen seien. Daneben habe Redwheel bei defensiveren Konsumwerten wie Diageo, JM Smucker und Kraft Heinz zugegriffen – aus Sicht von Lance relativ hochwertige, stabile Unternehmen, die zu niedrigen Bewertungen gehandelt werden.

Die übergeordnete Investmentidee laute, gerade dort zu suchen, wo andere Anleger kaum noch hinschauen. "Eine der größten Chancen sehen wir derzeit in vernachlässigten Bereichen: in Sektoren und Ländern, die übersehen wurden, weil Investoren so stark auf Technologieunternehmen fixiert waren", sagt Lance.

Auch China zählt für Redwheel zu diesen vernachlässigten Märkten. Das Team habe zuletzt JD.com gekauft und analysiere weitere chinesische Aktien. Grundsätzlich sieht Lance weder bei diesen Unternehmen noch bei China fundamentale Probleme. Vielmehr habe sich die Aufmerksamkeit der Anleger zu stark auf die USA und den Technologiesektor konzentriert.

Gegenpol zu den Mega-Caps
Der Global Value Fund hält Lance zufolge keine Mega-Cap-Hyperscaler und überhaupt keine Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 150 Milliarden US-Dollar. Rund die Hälfte des Portfolios entfalle dagegen auf Unternehmen mit einem Börsenwert von weniger als 20 Milliarden Dollar, gegenüber rund fünf Prozent im Index.

Lance zufolge hat Value seit der Pandemie Growth bereits in Großbritannien, Europa, Japan, Asien, den Emerging Markets und bei US-Small- und Mid-Caps geschlagen. Die einzige Ausnahme seien bislang US-Large-Caps gewesen. (dv)

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