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Die große Inflation - kommt sie?

Die Ankündigungen der Regierungen, neue Schulden in gewaltigem Ausmaß machen und die Versicherungen der Zentralbanken, Schulden „ohne Limit“ aufkaufen zu wollen, muss die Frage wecken: Was bedeutet das für die Inflation?

Thorsten Polleit
Degussa Goldhandel-Chefökonom Professor Dr. Thorsten Polleit
© Axel Gaube / FONDS professionell

"Dazu ist es sinnvoll, zunächst drei Gedanken voranzustellen", sagt Professor Dr. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH.

Erstens: Jede Geldmengenausweitung ist inflationär
Und zwar in dem Sinne, dass sie die Güterpreise - ob nun die Preise für Konsumgüter oder Vermögensgüter - auf ein Niveau bringt, das höher ist als das, das sich ohne Geldmengenausweitung einstellt.

Zweitens: Preisinflation zeigt sich nicht nur in Konsumgüterpreissteigerungen
Auch in der Verteuerung von Vermögensgütern wie Aktien, Anleihen, Häusern, Grundstücken, Kunstwerken und anderem zeigt sich Inflation. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Geldmengenvermehrung der Zentralbanken nicht so sehr die Konsumgüterpreisinflation angeheizt, sondern vor allem die Inflation der Vermögenspreise.

Drittens: ohne Geld keine Preisinflation
Preisinflation – also der Befund, dass alle Güterpreise im Zeitablauf ansteigen – ist letztlich immer und überall ein monetäres Phänomen. Man kann auch verkürzt sagen: Ohne Geld keine Preisinflation. Polleit führt aus: "Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Entwicklung der Geldmenge - und ihre Verwendung durch die Geldhalter - entscheidend sein wird, wohin die Rettungspolitiken der Zentralbanken führen: ob zu Preisdeflation oder zu Preisinflation.

Versuch der Entwicklung einer Zukunftseinschätzung
- Die Ankündigung der Zentralbanken, dass Finanzsystem liquide und strauchelnde Schuldner mit neuem Geld über Wasser zu halten, wird vermutlich ihre Wirkung nicht verfehlen. Denn die Zentralbanken könnten den Bankenapparat jederzeit zahlungsfähig halten, sie könnten ihn auch rekapitalisieren, so Polleit. "Und beides führt nicht notwendigerweise zu einer Geldflut in den Händen der Unternehmen und Konsumenten, die die Inflation der Lebenshaltungsgüter in die Höhe treibt."
- Die Preisinflation werde hingegen unweigerlich angetrieben, wenn die Zentralbanken neue Schulden der Staaten aufkaufen und die Käufe mit neuem Geld bezahlen. Polleit dazu: "Denn die Staaten werden das Geld ausgeben, für Lohnzahlungen, Sozialtransfers und  Nachfrageprogramme, und es landet auf den Konten der Unternehmer und Konsumenten, die es zur Nachfrage nach Gütern einsetzen können - und sehr wahrscheinlich auch werden." Wenn die Wirtschaft sich im „Lockdown“ befindet, trifft eine steigende monetäre Nachfrage auf ein schrumpfendes Güterangebot. Steigende Güterpreise seien dann quasi unausweichlich, si der Professor.
-  Könnte es nicht sein, dass die Banken ihr Kreditangebot einschränken, dass sie fällige Kredite ihrer Kunden nicht erneuern? "Das ist eine berechtigte Befürchtung", sagt Polleit. "Allerdings haben die Zentralbanken dagegen schon vorgesorgt. Zum einen treiben sie durch ihre Ankündigung, de facto alle Schulden aufzukaufen und strauchelnde Schuldner mit neuem Geld zu versorgen, die Preise von allen Arten von Krediten (Firmen-, Konsumenten- oder Hypothekarkrediten) in die Höhe. Der Abschreibungsbedarf bei den Banken und damit der Eigenkapitalverlust der Banken werden auf diese Weise tendenziell abgemildert."

Banken bekommen Kredit zum Nulltarif
Zum anderen bekommen die Banken mittlerweile bei den Zentralbanken Direktkredite zu de facto Nullzinsen. Im Euroraum können die Banken sich sogar mit Negativzinsen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) refinanzieren. Polleit: "Das gibt den Anreiz, ausstehende Kreditvolumina bei Fälligkeit zu erneuern. Wenn die Staaten den Kreditnehmern Kreditgarantien geben, besteht ein zusätzlicher Anreiz für die Banken, die ausstehenden Kredite zu verlängern und neue zu vergeben – vor allem wenn sie sie zu attraktiven Konditionen refinanzieren können." Der Knappheitsfaktor bei all dem sei das Eigenkapital der Banken. Aber auch in dieser Sache gebe es Bestrebungen, die für Entspannung zu sorgen.

Entspannung bei der Eigenmittelunterlegung von Krediten bei den Banken ist in Sicht
Beispielsweise sei man in Europa dabei, die Kreditvergabe- und Eigenkapitalregeln zu lockern. So sollen Abschreibungen auf notleidende Kredite ausgesetzt und Kapitalanforderungen reduziert werden. Im Notfall würden die Staaten vermutlich auch nicht davor zurückschrecken, Banken zu rekapitalisieren beziehungsweise zu verstaatlichen, wenn es gelte, die Kredit- und Geldversorgung aufrechtzuerhalten, vermutet Polleit. Das hätte natürlich weitreichende wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen, aber es könnte zumindest vorübergehend eine Systemzusammenbruch abwenden beziehungsweise ihn weiter hinauszögern. (kb)

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