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Die Frage aller Fragen bei Automotive: Tesla oder BMW?

Eine der zentralen Erwartungen von Fondsmanager Peter E. Huber hat sich bisher nicht erfüllt: Während „Wachstumswerte“ wie Amazon oder Tesla gnadenlos weiter nach oben getrieben werden („weil solchen Unternehmen ja bekanntlich die Zukunft gehört“), werden traditionelle Industrieaktien vernachlässigt

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Peter E. Huber
© FONDS professionell

"Traditionelle Industrieaktien weiter als Kellerkinder der Börse gehandelt. Wenn man sich die entsprechenden Teilindices im MSCI World Index anhand der entsprechenden ETFs (iShares in Euro) ansieht, liegen Wachstumswerte trotz Corona im ersten Halbjahr 6,5 Prozent  im Plus, Momentumaktien konnten um 3,8 Prozent zulegen Qualitätsaktien gaben um 5,8 Prozent nach, während Valueaktien um satte 18,6 Prozent im Minus liegen", analysiert der Altmeister der Vermögensanlage Peter E. Huber, der sich kürzlich als Fondsmanager wieder zurückmeldete. Die folgende Grafik visualisiert die angesprochenen Zusammenhänge.

Faktorindices auf den MSCI World Index im Vergleich

Technologie und Healthcare decken alle anderen Sektoren zu
Die bisherige Börsenerholung seit dem Paniktief im März im Gefolge der Corona-Krise wird durch die massiven Kurssteigerungen insbesondere in den Bereichen Technologie und Healthcare also krass überzeichnet, während fast alle anderen Branchen deutlich im negativen Bereich verweilen. Ein Beweis dafür, dass die Anleger insgesamt eher Angst vor einer zweiten Pandemiewelle und den bevorstehenden schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft haben und nicht bereit sind, über den Tellerrand der Rezession auf eine bevorstehende Konjunkturerholung zu blicken. Denn dann würden sie eher auf zyklische Aktien setzen, die erfahrungsgemäß von einer wirtschaftlichen Belebung am meisten profitieren. 

Zykliker sind nach wie vor billig und reizen zum antizyklischen Einstieg
Das Zeitfenster bleibe also offen, so Huber, sich langfristig weiter mit konjunktursensitiven Aktien einzudecken, wie sie in den Branchen Chemie, Auto, Industrie, Rohstoffe, Energie, Bau oder Maschinenbau zu finden seien. Denn nach wie vor stimmten die Rahmenbedingungen für antizyklische Engagements in idealer Weise: tiefe Rezession, einbrechende Unternehmensgewinne, Dividendenkürzungen bzw. –ausfälle, negative Wirtschafts- und Unternehmensberichte in der Presse, pessimistische Anleger und expansive Notenbanken.

Einziger Schönheitsfehler: bisherige Erholung verlief zu schnell
Huber dazu: "Die Märkte bleiben daher sehr volatil und temporäre Rückschläge müssen immer einkalkuliert werden. Kein Nachteil ist allerdings, wenn eine wirtschaftliche Erholung nicht schnell, sondern eher harzig verläuft. Je weniger Kapital in der Wirtschaft für Investitionen benötigt wird, umso mehr überschüssige Liquidität drängt in Wertpapieranlagen."

Warum Peter E. Huber keine Tesla und FAANG-Aktien kauft
In jüngster Zeit wurde Huber mehrfach gefragt, warum er nicht auf Aktien wie Microsoft, Tesla oder die FAANG-Werte (Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google) setze, wie andere erfolgreiche Anleger es vormachen. Huber antwortet: "Diese Frage habe ich in den letzten fünfzig Jahren schon oft gehört. Besonders viel Kritik musste ich während der Blütezeit des „Neuen Marktes“ einstecken, weil ich nie Aktien aus diesem Bereich gekauft habe. Ich bin ein Bewunderer von Unternehmern wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg und finde es toll, was sie auf die Beine gestellt haben. Aber ihre Aktien kommen für mich nicht in Betracht, weil sie viel zu hoch bewertet sind. Es ist gefährlich, Wachstumstrends zu extrapolieren, weil niemand weiß, was die Zukunft bringt. Die Börsenfriedhöfe sind voll mit ehemaligen Wachstumswerten." 

"Börsenfriedhöfe sind voll mit ehemaligen Wachstumswerten" 
Für ihn, Huber, habe es sich langfristig immer ausgezahlt, auf niedrig bewertete solide Unternehmen zu setzen, auch wenn deren Wachstumspotentiale aktuell als eher gering eingeschätzt würden. Statt vermeintlich gute Aktien zu kaufen, die heiß begehrt und deshalb in fast jedem Depot prominent vertreten seien, komme es seines Erachtens darauf an, Aktien gut zu kaufen, das heißt zum richtigen Zeitpunkt. Deshalb investiere er auch heute eher in BMW mit einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 0,6 als in Tesla, die mit einem KBV von 22,7 bewertet werde.

Tesla gegen BMW
Ein Chart sagt mehr als tausend Worte

(kb)

 

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