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Deutschlands Inflationsrate auf Niveaus des Jahres 1993

Man muss lange zurückblicken, ehe eine Inflationsrate von über vier Prozent auftaucht. Zuletzt wurden solche Niveaus im Jahr 1993 gemessen. Beim aktuellen Inflationsanstieg spielen nach wie vor die im Jahresvergleich deutlich höheren Energiepreise eine zentrale Rolle.

Dr. Thomas Gitzel
Dr. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank Gruppe
© VP BANK Gruppe

Die Inflationsrate steigt einer vorläufigen Schätzung zufolge im September von 3,9 Prozent auf 4,1 Prozent, wobei rund die Hälfte des Teuerungsanstieges auf den Faktor Energie entfällt. "Doch auch im Dienstleistungsbereich kam es zu Preiserhöhungen. Die breitflächige Öffnung des Freizeit-und Gaststättensektors nach den Corona-Beschränkungen wurde auch zu Preisanpassungen genutzt. Auch die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze im zweiten Halbjahr 2021 trägt zur Teuerung bei", weiß Dr. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank Gruppe, zu berichten.

Energiepreise, Preisanpassungen im Service-Sektor und Güterknappheit
Letztendlich spielt bei den höheren Verbraucherpreisen auch die Knappheit vieler Güter eine Rolle. Eine starke Nachfrage bei gleichzeitig knappem Angebot treibt viele Preise nach oben. Dies gilt derzeit beispielsweise für den Gebrauchtwagenmarkt. Da Neuwagen aufgrund von Lieferschwierigkeiten einzelner Komponenten fehlen, weichen Verbraucher jetzt vermehrt auf Gebrauchtwagen aus.

Da geht temporär noch mehr
Die deutsche Inflationsrate wird in den verbleibenden Monaten diesen Jahres sogar die Schwelle von fün Prozent durchbrechen. Im kommenden Jahr werden dann jedoch die Teuerungsraten deutlich sinken. Es sei deshalb nicht die Frage, ob die Inflationsraten fallen würden, sondern vielmehr auf welchen Niveaus sich die Teuerungsraten im kommenden Jahr einpendeln werden, so Gitzel weiter.

Gaspreise wirken erst zeitverzögert
Hierbei kommt dem deutlich gestiegenen Gaspreis eine entscheidende Rolle zu. Anders als bei steigenden Ölpreisen machen sich höhere Gaspreise erst mit einer deutlichen Verzögerung in der Inflationsrate bemerkbar. Das liegt unter anderem an den Vertragsbindungen. Die gestiegenen Gaspreise schlagen sich also nicht unmittelbar, sondern erst im kommenden Jahr in der Inflationsrate nieder. Gitzel führt aus: "Damit ist aber schon jetzt klar, dass sich die Inflationsrate im Jahr 2022 auf höheren Niveaus einpendeln wird als ursprünglich zu erwarten war. Erschwerend kommt hinzu, dass uns die Knappheitsproblematik ebenfalls noch länger länger als ursprünglich gedacht begleiten wird."
 
EZB fühlt sich in Anbetracht der Preisentwicklungen unwohl
Das wurde bereits bei der letzten Notenbanksitzung deutlich. EZB-Chefin Christine Lagarde benutzte während der Pressekonferenz ungewöhnlich häufig das Wort «Inflationsrisiken». Mit dem jüngsten Energiepreisanstieg sei der Ton für die nächste Zinssitzung bereits angestimmt, meint Gitzel: "Lagarde wird ihre hawkishe Wortwahl wohl vermutlich noch verstärken. An eine Verlängerung des Pandemie Notfallankaufprogramms der EZB über den März 2022 hinaus ist derzeit wohl nicht zu denken. Die EZB muss klare Zeichen setzen, um frühzeitig gegen die steigende Inflationserwartungen anzugehen." (kb)

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