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Deutschland zahlt bei 30-jähriger Anleihe so viel wie seit 2011 nicht

Die Finanzierungskosten Deutschlands haben bei einer großen Emission langlaufender Anleihen den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Anleger sorgen sich über die steigende Staatsverschuldung und die anhaltende Inflation und fordern höhere Renditen.

© Zerbor / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Deutschland muss für seine Neu-Emissionen immer höhere Kupons zahlen
  • Das gilt vor allem für das lange Ende der Zinskurve
  • Bei 30-jährigen Bonds wurde mit fast 3,8 Prozent die höchste Rendite seit 2011 gesehen

Die deutsche Finanzagentur hat über ein Bankenkonsortium am Dienstag Schuldtitel im Volumen von 4,0 Milliarden Euro mit Fälligkeit im August 2056 zu einer Rendite von 3,783 Prozent begeben. Die Auftragsbücher überstiegen 38 Milliarden Euro und lagen damit weitgehend auf dem Niveau jüngster Transaktionen. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

Im vergangenen Monat wurde eine kleine Menge an Papieren mit 30 Jahren Laufzeit zu 3,64 Prozent versteigert. Das war bei einer herkömmlichen Anleiheemission mit dieser Laufzeit der höchste Wert seit 2011. In den vergangenen Wochen haben sich die globalen Märkte weiter abgeschwächt. Inzwischen liegen die deutschen Renditen auf Niveaus, die zuletzt während der Schuldenkrise im Euroraum erreicht wurden.

Steigende Renditen weltweit
Anleihen sind weltweit eingebrochen, da Regierungen ihre Ausgaben erhöhen und der Inflationsdruck nach dem Ölpreisschock in diesem Jahr anhält. In der vergangenen Woche begaben die USA 30-jährige Staatsanleihen zum höchsten Zinssatz seit einem Vierteljahrhundert. Für Benchmark-Schuldtitel mit zehn Jahren Laufzeit zahlten sie zudem so viel wie seit 2007 nicht mehr.

Rekorde über Rekorde
Der Commerzbank-Bondstratege Hauke Siemssen schrieb im vergangenen Monat, dass der Finanzierungsbedarf Deutschlands 2027 stark steigen dürfte. Der Haushaltsentwurf deute auf einen Nettofinanzierungsbedarf von 204 Milliarden Euro hin. Siemssen schätzt, dass die Nettoemission von Bundesanleihen im kommenden Jahr einen Rekordwert von 163 Milliarden Euro erreichen wird. 2026 sind es etwa 137 Milliarden Euro. Auch das Bruttoemissionsvolumen dürfte mit rund 400 Milliarden Euro ein Allzeithoch erreichen.

Die höhere Kreditaufnahme spiegelt Deutschlands gestiegene Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben sowie Rekordtilgungen von 238 Milliarden Euro wider. Laut Siemssen muss die Finanzierung jedoch nicht vollständig über Bundesanleihen erfolgen. Kurzfristigere Geldmarktpapiere, Barreserven, Vermögensverkäufe und Zahlungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau könnten alternative Quellen darstellen.

Aufstockungen bestehender Papiere
Mit der syndizierten Emission stockt Deutschland Papiere auf, die ursprünglich im März des vergangenen Jahres begeben wurden. Bei der Transaktion über 6,0 Milliarden Euro gingen Aufträge über 36 Milliarden Euro ein. Eine Aufstockung dieser Anleihe im Mai zog dasselbe Nachfragevolumen an. Die Renditen lagen damals knapp unter ihrem 15-Jahres-Hoch.

Deutschland prescht voran
Es ist ungewöhnlich, dass Deutschland als erster europäischer Staat die Flaute bei bankengeführten Verkäufen durchbricht, die in den Sommermonaten der Region zu beobachten ist. Seit 2015 kehrte laut von Bloomberg zusammengestellten Daten jeweils Finnland als erstes Land an die Märkte zurück.

Schuldensyndizierungen sind in der Regel teurer als Auktionen. Sie ermöglichen Regierungen jedoch, schnell große Summen aufzunehmen und zugleich ihre Anlegerbasis zu diversifizieren. Als Bookrunner bei der deutschen Transaktion fungierten Barclays, BNP Paribas, Citigroup, Deutsche Bank, JPMorgan Chase und NatWest Markets. (aa)

Steigende Anleihenrenditen

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