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Deutschland hat gewählt: Das meinen die Profianleger

Wirtschaftsvertreter atmen auf: Keine Mehrheit für Rot-Rot-Grün. Da ist es fast schon egal, dass sich die Regierungsbildung hinziehen dürfte. Unsere Redaktion hat erste Einschätzungen von Vermögensverwaltern und Anlagestrategen zur Bundestagswahl gesammelt.

Marco Willner
Marco Willner, Leiter Investmentstrategie, NN Investment Partners
"In Berlin deutet aktuell vieles darauf hin, dass die nächste Regierung aus einer 'Ampel'- oder 'Jamaika'-Koalition bestehen wird. Da eine Fortsetzung der Großen Koalition – zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt – nicht gewollt ist, können sich FDP und die Grünen ihren Seniorpartner aussuchen. Die Märkte werden genau darauf achten, bei welchen Themen sich die Juniorpartner im Detail einigen werden. So stellt sich bei der FDP die Frage, ob die Schuldenbremse in einer Form aufgestellt wird, dass Investitionen und die Zustimmung bei europäischen Projekten finanziert werden können. Dies ist wichtig, um die Finanzierungskondition in der europäischen Peripherie günstig zu halten. Bei den Grünen hingegen werden sich die Fragen stellen, ob der Kohleausstieg vorgezogen wird und die Mieten stärker reguliert werden. Das Verhandlungsergebnis dürfte zu Bewegungen bei den Versorgern und den Immobilienaktien führen."
© NN Investment Partners

Die Bundestagswahl ist auf den ersten Blick investorenfreundlich ausgefallen. Das von Seiten der Wirtschaft befürchtete "Schreckensszenario" einer möglichen Links-Koalition blieb aus – auch deshalb dürfte der Dax am Montag mit soliden Gewinnen in den Handel gestartet sein. An den politischen Rändern gab es Stimmenverluste, was aus Sicht der Kapitalanleger das Risiko extremer politischer Entscheidungen schmälert. Allerdings dürfte es noch eine Weile dauern bis entschieden ist, wer in Berlin künftig das Sagen hat.

Die SPD kam laut vorläufigem amtlichen Endergebnis auf 25,7 Prozent der Stimmen, das sind 5,2 Prozentpunkte mehr als 2017. Die Union stürzte um 8,9 Punkte auf 24,1 Prozent ab – ein Rekordtief. Die Grünen sicherten sich 14,8 Prozent der Stimmen, ein Plus von 5,8 Punkte. Damit schnitten sie auf Bundesebene so gut ab wie nie zuvor, blieben aber dennoch hinter den Erwartungen zurück. Die FDP gewann 0,7 Punkte auf 11,5 Prozent, die AfD verlor 2,3 Punkte auf 10,3 Prozent. Die Linke rutscht um 4,3 Punkte auf 4,9 Prozent ab. Sie bleibt dennoch entsprechend ihrem Zweitstimmenergebnis im Bundestag vertreten, weil sie genügend Direktmandate verteidigen konnte.

Schwierige Regierungsbildung
Damit steht der Bundesrepublik eine schwierige Regierungsbildung bevor. Drei Koalitionen erscheinen als realistisch: Die "Ampel" aus SPD, Grünen und FDP, "Jamaika" aus Union, Grünen und FDP oder eine Neuauflage der großen Koalition, die allerdings weder SPD noch CDU/CSU anstreben. Für Rot-Rot-Grün reicht es nicht, was bei Wirtschaftsvertretern für Erleichterung sorgte.

Wie Vermögensverwalter, Chefvolkswirte und Anlagestrategen das Ergebnis bewerten, lesen Sie in der Bilderstrecke oben – einfach weiterklicken! (bm)

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