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Deutschland hat gewählt: Das meinen die Profianleger

Wirtschaftsvertreter atmen auf: Keine Mehrheit für Rot-Rot-Grün. Da ist es fast schon egal, dass sich die Regierungsbildung hinziehen dürfte. Unsere Redaktion hat erste Einschätzungen von Vermögensverwaltern und Anlagestrategen zur Bundestagswahl gesammelt.

Carsten Mumm
Carsten Mumm, Chefvolkwirt, Donner & Reuschel
"Die gestrige Bundestagswahl dürfte kurzfristig kaum Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben. Mit 25,7 Prozent für die SPD und 24,1 Prozent für die CDU/CSU sind die Regierungskonstellationen 'Ampel' oder 'Jamaika' am wahrscheinlichsten, wobei erstere einen leichten Vorsprung hat. Auf die Kapitalmärkte wird kurzfristig keine der beiden Varianten einen messbaren Einfluss haben, da der grundsätzliche politische Kurs nahe der Mitte ausfallen wird. Damit der Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig nicht deutlich zurückfällt, kommt es auch auf die Verständigung von Grünen und FDP an, die gemeinsam den entscheidenden Ausschlag für den künftigen Kanzler geben können. Beide werden in der nächsten Regierung deutliche Akzente setzen wollen und wohl auch können. Dass sowohl Grüne als auch FDP besonders unter jungen Wählern Zuspruch erhalten haben, unterstreicht die Chance, dass der für Deutschland dringend notwendige Aufbruch gelingen kann."
© Donner & Reuschel

Die Bundestagswahl ist auf den ersten Blick investorenfreundlich ausgefallen. Das von Seiten der Wirtschaft befürchtete "Schreckensszenario" einer möglichen Links-Koalition blieb aus – auch deshalb dürfte der Dax am Montag mit soliden Gewinnen in den Handel gestartet sein. An den politischen Rändern gab es Stimmenverluste, was aus Sicht der Kapitalanleger das Risiko extremer politischer Entscheidungen schmälert. Allerdings dürfte es noch eine Weile dauern bis entschieden ist, wer in Berlin künftig das Sagen hat.

Die SPD kam laut vorläufigem amtlichen Endergebnis auf 25,7 Prozent der Stimmen, das sind 5,2 Prozentpunkte mehr als 2017. Die Union stürzte um 8,9 Punkte auf 24,1 Prozent ab – ein Rekordtief. Die Grünen sicherten sich 14,8 Prozent der Stimmen, ein Plus von 5,8 Punkte. Damit schnitten sie auf Bundesebene so gut ab wie nie zuvor, blieben aber dennoch hinter den Erwartungen zurück. Die FDP gewann 0,7 Punkte auf 11,5 Prozent, die AfD verlor 2,3 Punkte auf 10,3 Prozent. Die Linke rutscht um 4,3 Punkte auf 4,9 Prozent ab. Sie bleibt dennoch entsprechend ihrem Zweitstimmenergebnis im Bundestag vertreten, weil sie genügend Direktmandate verteidigen konnte.

Schwierige Regierungsbildung
Damit steht der Bundesrepublik eine schwierige Regierungsbildung bevor. Drei Koalitionen erscheinen als realistisch: Die "Ampel" aus SPD, Grünen und FDP, "Jamaika" aus Union, Grünen und FDP oder eine Neuauflage der großen Koalition, die allerdings weder SPD noch CDU/CSU anstreben. Für Rot-Rot-Grün reicht es nicht, was bei Wirtschaftsvertretern für Erleichterung sorgte.

Wie Vermögensverwalter, Chefvolkswirte und Anlagestrategen das Ergebnis bewerten, lesen Sie in der Bilderstrecke oben – einfach weiterklicken! (bm)

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