Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Deutschland als Kampfzone für ausländische Privatbanken

Der Wettlauf der Banken um Deutschlands Super-Reiche (HNWIs; High Net Worth Individuals) verschärft sich. Trotz niedriger Margen und angeschlagener Wirtschaft drängen derzeit viele ausländischen Institute in die Vermögensverwaltung.

bedraengnis.jpg
Trotz der im interantionalen Vergleich geringeren Margen im Geschäft mit den Super-Reichen wollen namhafte Adressen in Deutschalnd ein größeres Stück vom Kuchen. 
© cunaplus / stock.adobe.com

BNP Paribas, J.P. Morgan und Goldman Sachs sind nur einige der Player, die mit Private-Banking-Angeboten in Europas größter Volkswirtschaft expandieren wollen. Einige verweisen auf den Mittelstand und die Erwartung, dass sich viele Unternehmer von ihren Firmen trennen dürften. Andere wetten darauf, dass die Vermögenden eine Armee von Beratern brauchen werden, um ihr Geld vor den negativen Zinsen in Sicherheit zu bringen.

Deutscher Markt mit rund 1.500 Anbietern heute schon hart umkämpft
„Derzeit investieren zu viele Banken in das das deutsche Private Banking. Einige Anbieter werden verschwinden”, erklärt Hans-Jürgen Walter, Leiter Financial Services Deutschland bei Deloitte, gegenüber Bloomberg News. Ähnlich argumentiert Thomas Schulte, Partner bei der Boston Consulting Group: “Sehr viele der mittelgroßen Anbieter in Deutschland arbeiten unprofitabel“. Viele Banken sind sich des harten Wettbewerbs bewusst, streben aber dennoch nach höheren Marktanteilen in einem Land, in dem laut Credit Suisse rund 6.800 Menschen über ein Vermögen von über 50 Millionen US-Dollar verfügen. 

Nordamerika dominiert
Nur in den USA und China gibt es mehr Super-Reiche (HNWIs), wie die folgende Bloomberg-Grafik illustriert. 

Quelle: Credit Suisse 

Zu den ambitionierten Plänen zählen jene der Big Names
BNP Paribas hat ihr deutsches Wealth-Management-Team innerhalb eines Jahres um rund 90 auf 150 Personen erweitert, wie Vincent Lecomte, globaler Co-Chef für das Wealth Management, in einem Interview mit Bloomberg News berichtet. BNP will Unternehmer als Kunden gewinnen, in dem sie auf Beziehungen setzt, die sich über die Investmentbank oder das Immobiliengeschäft ergeben haben. 

J.P. Morgan hatte die Zahl der Private-Banking-Mitarbeiter in Deutschland vergangenes Jahr erhöht und plant weitere Einstellungen. “Liquiditätsereignisse schaffen in Deutschland viel neuen Reichtum, zum Beispiel beim Verkauf von Familienunternehmen”, sagt Håkan Strängh, der den Geschäftsbereich leitet. 

Rothschild & Co. mit Sitz in Paris holte 2018 neun Mitarbeiter im deutschen Private Banking an Bord, wodurch die Gesamtzahl auf 40 Mitarbeiter gestiegen war. Das Unternehmen wolle diesen Wert noch erhöhen, erklärt Reinhard Krafft, der das Geschäft führt und “Wachstumschancen” im Land sieht. 

Goldman Sachs will keine genauen Angaben zum Personalbestand in Deutschland machen, sagt aber, dass das lokale Team für superreiche Privatpersonen in den vergangenen drei Jahren um ein Viertel gewachsen sei und in den nächsten zwei Jahren um weitere 50 Prozent  zulegen soll.

Auch deutsche Banken wollen mitmischen
Mehrere deutsche Banken haben ebenfalls angekündigt, dass sie stärker auf vermögende Privatkunden setzen wollen. Für einige - darunter die Deutsche Bank - sind die Bemühungen Teil eines umfassenderen Plans, das Geschäft auf stabilere und vorhersehbarere Ertragsquellen auszurichten. “Viele Banken konzentrieren sich auf das Wealth Management, da das Retail-Banking noch weniger profitabel wird”, sagte Philipp Koch, Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey & Co im Bloomberg-Talk. “Es gibt wenige gute Alternativen, wenn Banken wachsen wollen.”

Zu den Profiteuren zählt unter anderem Hamburg
Die Stadt bietet aufgrund einer hohen Dichte an wohlhabenden Familien und Stiftungen gute Geschäftschancen. Die Helaba-Tochter Frankfurter Bankgesellschaft und Konkurrent Feri haben dort neue Büros eröffnet. Andere wie BNP Paribas und Vontobel erweitern ihre bestehenden Teams.

Dünnmargige Branche ist nicht wetterfest

Die liquiden Mittel der Reichen in Deutschland - der Teil, den sie professionellen Vermögensverwaltern anvertrauen könnten - werden bis 2022 auf 1,4 Billionen Euro ansteigen, gegenüber 1,2 Billionen Euro vor zwei Jahren, so das Beratungsunternehmen Zeb. Dennoch bleibt Skepsis hinsichtlich der Frage, wie viele Privatbankiers in Deutschland von diesem Wachstum letztlich profitieren werden. Der harte Wettbewerb und niedrige Zinsen haben bereits zu deutlich niedrigeren Margen als in vielen Nachbarländern geführt. Darüber hinaus hat sich die konjunkturelle Lage in Deutschland verschlechtert. “Die Margen in der Vermögensverwaltung sind nicht nachhaltig”, sagte Axel Sarnitz, Partner von Zeb. “Die Branche ist nicht wetterfest.” (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren