Deutsche Banker befürchten Jobverlust und KI-Überwachung
Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) bei Banken macht einen Teil der Mitarbeiter überflüssig und führt zu neuen Risiken wie Leistungskontrollen. Davor warnt der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV). Negativen Effekte würden aber zumindest teilweise durch positive ausgeglichen.

“Unterm Strich wird KI bei den Banken in Deutschland wahrscheinlich mehr Arbeitsplätze kosten, als sie neue Jobs bringt”, erklärte DBV-Chef Stephan Szukalski in einem Interview mit Bloomberg News. Routinetätigkeiten seien besonders bedroht. KI-basierte Systeme würden Aufgaben übernehmen, die bisher von Menschen ausgeführt wurden. Technologischer Wandel dürfe aber nicht zu einem alternativlosen Stellenabbau führen
Routinearbeit erledigt künftig die KI
“Ich habe mir den Einsatz von KI in Kreditprozessen bei Banken angeschaut. Einige Experten haben mir gesagt, dass in den Kreditabteilungen durch KI rund ein Drittel aller Jobs wegfallen könnte”, sagte Szukalski, der Autor des Positionspapiers ist. So könne KI zum Beispiel die Inhalte von Kreditverträgen prüfen.
Mitarbeiterweiterbildung ist essentiell
Qualifikation und Weiterbildung werden laut Szukalski die Schlüssel für Mitarbeiter sein, deren Tätigkeiten wegfallen. Er geht davon aus, dass Banken angesichts des Fachkräftemangels heute sehr viel bemühter sind, Mitarbeiter weiterzubilden, als das noch vor zehn Jahren der Fall war.
KI bedeutet nicht automatisch Arbeitslosigkeit
Auch der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, der Institute wie LBBW und Helaba zu seinen Mitgliedern zählt, verweist darauf, dass der Wegfall mancher Tätigkeiten durch KI nicht automatisch Arbeitslosigkeit bedeute. Es gebe Schulungsmaßnahmen, “um die Mitarbeitenden mitzunehmen”, erklärte Dominik Lamminger aus der Hauptgeschäftsführung. KI helfe zudem, “die durch den Fachkräftemangel nicht besetzbaren Stellen zu kompensieren”. Szukalski zufolge bedarf es auch einer gewissen Veränderungsbereitschaft auf Seiten der Mitarbeiter. “Wird das in allen Fällen funktionieren? Sicher nicht, denn alles hat seine Grenzen”, sagte er. “Wir werden daher wohl auch Lösung wie Vorruhestandsregelungen brauchen.”
Leistungs- und Verhaltenskontrollen
Neben der Arbeitsplatzsicherheit wirft KI auch Fragen rund um Leistungs- und Verhaltenskontrollen auf, meinte Szukalski. Banker gehörten aus regulatorischen Gründen schon heute zu den am besten überwachten Mitarbeitern. Durch die KI würden wohl noch ganz neue Möglichkeiten entstehen. Es müsse sichergestellt werden, dass die KI nicht gesetzwidrig für Verhaltens- und Leistungskontrollen genutzt werde.
Auswertungsverbote gewünscht
“Die KI kann mit Rohdaten eine Menge machen”, sagte Szukalski. “Wir brauchen ein Auswertungsverbot für all das, was über gesetzliche oder regulatorische Anforderungen hinausgeht.” KI dürfe beispielsweise nicht dazu verwendet werden, “auszuwerten, wer wann und wie viel gearbeitet und wie viel er dabei an Arbeit geschafft hat”. Noch wissen er nicht von solchen Fällen, aber die Gefahr gebe es durchaus. “Wir haben wahrscheinlich noch keine Vorstellung davon, was KI künftig alles leisten kann”, sagte Szukalski.
Was sagt die Arbeitgeberseite?
Laut Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes, dem etwa Commerzbank und Deutsche Bank angehören, besteht auf europäischer Ebene in der Branche bereits eine Verständigung mit den Arbeitnehmern, dass der faire Einsatz von KI auch den Schutz von Privatsphäre beinhaltet — wobei “personenbezogene Daten, die in KI-Systemen verwendet werden, nach ethischen Gesichtspunkten und im Einklang mit den geltenden Datenschutzbestimmungen erhoben, gespeichert und verwendet werden — auch im Hinblick auf Überwachung, Tracking und Kontrolle”, erklärte der Verband gegenüber Bloomberg.
“Wir sind optimistisch, dass wir unserer Verantwortung auch bei beschleunigter Digitalisierung durch KI gerecht werden, ohne Innovationen im Wege zu stehen”, sagte Carsten Rogge-Strang, Hauptgeschäftsführer des Verbands.
"Ohne Menschen geht es weiterhin nicht"
Szukalski erklärte, dass für den DBV beim Thema KI nicht die Verhinderung der Technologie im Mittelpunkt stehe, sondern deren soziale Gestaltung. Ziel des DBV sei es, Arbeitsplatzsicherheit zu gewährleisten, Qualifizierung zu fördern und Mitbestimmung zu sichern. Zugleich stellte er klar, dass beim Thema KI nicht alles schlecht sei. Als Stärke sehe er beispielsweise die Auswertung großer Datenmengen und die Übernahme repetitiver Aufgaben. Die KI sei aber nicht gut darin, Entscheidungen zu treffen — “ohne Menschen geht es weiterhin nicht”. (kb)