Deutsche Bank warnt: Schuldenhebel steigt stärker als vor Dotcom-Blase
Analysten von Deutschlands größter Privatbank weisen darauf hin, dass Anleger in den USA viel zu stark Aktien auf Kredit kaufen würden. Der Leverage erreicht mittlerweile Niveaus, die kurz vor größeren Korrekturen oder Crashs gesehen wurden. Investoren sollten daher vorsichtig werden.

Der Schuldenhebel an der New Yorker Börse hat nach Einschätzung der Deutschen Bank ein alarmierendes Maß erreicht. Allmählich werde das Umfeld zu heiß – und es könnte auch für andere Segmente des Kapitalmarkts gefährlich werden. Darüber berichtet Bloomberg News.
Leverage in der Nähe historischer Hochs
Das Team um Steve Caprio betont: Nach bestimmten Maßstäben liegt der Schuldenhebel derzeit sogar über dem Niveau der Dotcom-Blase und kratzt an historischen Höchstständen. Zwar beobachten die Strategen die Kennzahl Margin Debt bereits seit Jahren als Stimmungsindikator - doch nun greifen sie das Thema zum ersten Mal schriftlich auf. Der Grund: Der Markt rücke in eine Phase vor, in der die Euphorie kaum noch zu bändigen sei. Caprio warnt, das Niveau werde “weißglühend”.
Diese Überhitzung könne die Kreditperformance ernsthaft belasten, schreibt Caprio weiter. Das derzeitige Tempo beim Anstieg des Kredithebels entspreche statistisch einer Ausweitung der Spreads bei US-Ramschanleihen um 80 bis 120 Basispunkte binnen der kommenden zwölf Monate.
Dass die Euphorie weiter anhält, sei denkbar - etwa, wenn es zu unerwarteten Zollsenkungen kommt oder die Federal Reserve deutlich lockerer agiert, als es der Markt derzeit erwartet, schreiben die Strategen.
An der New York Stock Exchange ist der eingesetzte Schuldenhebel in den zwei Monaten bis zum 30. Juni um 18,5 Prozent gestiegen. Haushalte und Investoren nutzen in den USA immer stärker Kredite ihrer Broker, um Aktien zu kaufen. Laut der Analyse der Deutschen Bank erlebt der Markt gerade die schnellste Wieder-Hebelung seit Ende 1999 beziehungsweise Mitte 2007 - also jenen Jahren, in denen sich die Märkte auf gefährlich dünnem Eis bewegten. (aa)

