Deutsche Bank: Fed-Schritte könnten Gold auf 3800 Dollar drücken
Die Deutsche Bank blickt vorsichtiger auf den Goldmarkt. Während die Strategen im Basisszenario weiterhin einen Goldpreis von 4800 US-Dollar je Unze im vierten Quartal erwarten, könnte eine restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank den Kurs deutlich belasten.

Eckpunkte:
- Deutsche Bank sieht Gold bei 4800 Dollar im Basisszenario
- 3800 Dollar je Unze im Fed-Risikoszenario möglich
- Zentralbankkäufe bleiben wichtigste Stütze des Marktes
Die Deutsche Bank hat ihren Ausblick für Gold neu kalibriert. Ausschlaggebend seien vor allem die gestiegenen Zinserwartungen in den USA sowie robuste Konjunkturdaten. "Unsere revidierte Basiserwartung sieht einen Goldpreis von 4800 US-Dollar je Unze im vierten Quartal vor", schreiben die Strategen um Rohstoffanalyst Michael Hsueh.
Gleichzeitig verweisen die Analysten auf erhebliche Risiken. Sollte der Markt drei bis vier weitere Zinsschritte der Federal Reserve einpreisen, könnte der Goldpreis nach ihren Berechnungen auf rund 3800 Dollar je Unze zurückfallen. Die erste Sitzung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh habe gezeigt, dass die Notenbank keinen Widerstand gegen die aktuellen Markterwartungen weiterer Zinserhöhungen erkennen lasse.
Dennoch bleibe das Umfeld datenabhängig. Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnten sinkende Inflationserwartungen und eine Abschwächung des Preisdrucks die Argumente für zusätzliche Zinsschritte wieder entkräften und damit auch Gold unterstützen.
Zentralbanken bleiben wichtige Stütze
Kurzfristig sehen die Strategen mehrere Belastungsfaktoren für den Goldmarkt. So hätten Anleger die jüngsten Kursrückgänge nicht für verstärkte Käufe genutzt. Stattdessen seien bei Gold-ETFs weitere Mittelabflüsse zu beobachten gewesen. Auch am Terminmarkt bleibe die Positionierung schwach. Das Open Interest bei Gold-Futures befinde sich auf dem niedrigsten Niveau seit 17 Jahren.
"Der einzige Pfeiler, der stark bleibt, ist die Nachfrage der Zentralbanken", heißt es in der Studie. Vor allem Notenbanken aus Schwellenländern dürften ihre Goldreserven weiter aufstocken. Allerdings könne die offizielle Nachfrage allein die derzeit schwächeren Investitionsströme nicht vollständig kompensieren.
Für die zweite Jahreshälfte zeichnet die Deutsche Bank daher ein neutrales Bild. Langfristig bleiben die Strategen jedoch konstruktiv. Neben der anhaltenden Zentralbanknachfrage sprechen aus ihrer Sicht vor allem die weltweit steigende Staatsverschuldung und strukturelle Nachfragefaktoren für höhere Goldpreise. (dv)