Der nächste DeepSeek-Moment: Chinas Moonshot startet mit Kimi K3
Ein überraschend leistungsfähiges KI-Modell des chinesischen Start-ups Moonshot setzt Technologie- und Halbleiteraktien unter Druck. Anleger ziehen Parallelen zum DeepSeek-Schock und stellen erneut die milliardenschweren Investitionen der westlichen KI-Konzerne infrage.

ECKPUNKTE:
- Moonshots neues KI-Modell Kimi K3 löst weltweit Kursverluste bei Technologie- und Halbleiterwerten aus.
- ?Das chinesische Modell soll bei einigen Leistungstests mit führenden Angeboten von OpenAI und Anthropic konkurrieren können.
- Marktteilnehmer fürchten, dass leistungsfähigere chinesische Modelle die KI-Ausgaben westlicher Konzerne bremsen.
- Branchenkenner warnen vor voreiligen Schlüssen
Das chinesische KI-Start-up Moonshot hat mit seinem neuen Modell Kimi K3 am Freitag (17.7.) einen weltweiten Ausverkauf bei Technologie- und Halbleiteraktien ausgelöst. Nach Angaben des Unternehmens kann das Modell mit den leistungsfähigsten Angeboten von OpenAI und Anthropic mithalten. Investoren sprachen rasch von einem neuen "Kimi-Moment" – in Anlehnung an die Marktverwerfungen, die DeepSeek im vergangenen Jahr ausgelöst hatte.
Bloombergs Index asiatischer Halbleiterwerte verlor mehr als sechs Prozent. Die Aktie von Softbank, die wegen der engen Verbindungen des Konzerns zu OpenAI als indirekte Wette auf dessen Entwicklung gilt, brach in Tokio um neun Prozent ein. Moonshots chinesische Konkurrenten Z.AI und MiniMax büßten in Hongkong 28 beziehungsweise 16 Prozent ein.
Druck an der Nasdaq
An der Wall Street setzte sich am Freitag, den 17.7., der Ausverkauf fort. Die Futures auf den Nasdaq 100 verloren 1,9 Prozent, jene auf den S&P 500 gaben um 0,9 Prozent nach. Ein börsengehandelter Fonds auf Halbleiterunternehmen fiel im vorbörslichen Handel um 3,7 Prozent, Nvidia büßte 2,7 Prozent ein. Anleger trennten sich damit verstärkt von Titeln, die den diesjährigen Aufschwung getragen hatten, deren Bewertungen inzwischen aber als ambitioniert gelten.
Quelle: Bloomberg
Moonshot zufolge verfügt Kimi K3 über 2,8 Billionen Parameter und ein Kontextfenster von einer Million Token. Das Analyseunternehmen Artificial Analysis stufte das Modell bei einigen Leistungstests vor Anthropics Opus 4.8 ein. Damit wäre Kimi K3 das erste chinesische Open-Weight-Modell, dem dies bei bestimmten Tests der technologischen Spitzenklasse gelungen ist. Die Angaben müssen allerdings noch von der breiteren KI-Fachwelt bestätigt werden.
Geringere Chipnachfrage?
An den Märkten richtet sich der Blick vor allem auf die Investitionsbudgets der amerikanischen Technologiekonzerne. Sollten US-Unternehmen verstärkt chinesische Modelle einsetzen, könnten westliche Anbieter ihre Ausgaben verringern und damit letztlich auch die Nachfrage nach Hochleistungschips bremsen, erklärt Vey-Sern Ling, Managing Director bei Union Bancaire Privée.
Der Wettbewerbsvorteil chinesischer Entwickler beschränkt sich dabei nicht mehr allein auf niedrige Preise. Moonshot verlangt für Kimi K3 ungefähr so viel wie Anthropic für Sonnet und damit mehr als andere heimische Anbieter. Portfoliomanager Leonid Mironov von Gavekal Capital bezeichnet das Modell dennoch als wirtschaftlich attraktiv: Der kombinierte Preis liege ungefähr halb so hoch wie bei Claude Opus und GPT-5.5.
Manche bewahren die Nerven
Nicht alle halten den Moonshot-Markteintritt für einen neuen DeepSeek-Moment. So hält Kevin Net, Portfoliomanager bei Financière de l’Échiquier, die Bezeichnung "DeepSeek 2.0" gegnüber Bloomberg für überzogen. Die Entwicklung sei nicht völlig überraschend gekommen, bestätige aber, dass China im KI-Wettlauf mit den USA fest etabliert sei. Zum Kursrückgang hätten außerdem Zweifel an den Erträgen der hohen KI-Investitionen, anspruchsvolle Bewertungen und Gewinnmitnahmen nach der starken Halbleiterrally beigetragen.
Auch der erste DeepSeek-Schock erwies sich letztlich nicht als Wendepunkt für die Chipnachfrage: Die amerikanischen Hyperscaler setzten ihre KI-Ausgaben anschließend auf Rekordniveau fort. Gary Tan, Portfoliomanager bei Allspring Global Investments, sieht den breiteren Investitionszyklus für KI-Infrastruktur daher nicht grundsätzlich gefährdet. Bei Halbleiteranlagen sei angesichts des "Kimi-Moments" allerdings ein selektiverer Ansatz erforderlich. (bloomberg/hw)