Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Der Markt hat recht – auch beim Klimaschutz?!

In der neuen Ausgabe der LBBW-Publikation "Strategy Research" kommentiert Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter Research der LBBW, die "Reaktion" des Marktes auf das deutsche Klimaschutzpaket. Denn auch keine Marktreaktion ist nun einmal eine Reaktion.....

burkert_uwe_quer_2013.jpg
Uwe Burkert
© LBBW

Der Berg kreißte – und gebar… ja, was denn, eine Maus, einen Löwen oder gar einen Elefanten? "Wenn man sich im Nachgang zum Klimakabinett die Reaktionen aus dem politischen, aber auch aus dem ökonomischen Raum auf das Klimaschutzpaket der deutschen Bundesregierung so ansieht, könnte man glauben, dass das Ergebnis zum (Über-) Leben zu wenig, zum Sterben zu viel ist", analysiert Burkert.

Alle haben irgendwie recht
Natürlich müsste der Preis für eine Tonne CO2-Ausstoß viel höher liegen, so Burkert weiter, um einen Lenkungseffekt zu erzielen. Natürlich müsste das Paket schneller in seiner Wirkung greifen, als es die vielen Ausnahmen, Erleichterungen und Übergangslösungen wirken lassen. So die Klimaschützer. Das andere Lager betont die Notwendigkeit solcher fließenden
Übergänge, auch mit dem Argument, bestimmte Teile des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks nicht schlagartig wertlos werden zu lassen oder gar leichtfertig Arbeitsplätze zu vernichten.
Wenn man nun der Meinung ist, dass der Kapitalmarkt alle Informationen aufnimmt, bewertet und damit bepreist, dann liegt es doch nahe zu schauen, wie sich der deutsche Aktienmarkt am 20.09. , dem Tag der Entscheidung, im Vergleich zum Vortag verändert hat, und siehe da: beim DAX ging es ganze zwei Indexpunkte nach oben.

Sind die Auswirkungen also zu vernachlässigen?
Sind die Konsequenzen für die Börse noch zu wenig greifbar? Burkert: "Aus meiner Sicht nein. Die Börse hat sich ganz rational verhalten und zum Ausdruck gebracht, dass das Paket in seiner jetzigen Form weder Fisch noch Fleisch ist. Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung ist nach demselben Muster gestrickt wie frühere Pakete: Zwei Schritte vor, einer zurück."

Ökonomisch sind die Wirkungen überschaubar, und die Planbarkeit fehlt
Die Verteuerung des CO2-Ausstoßes ist für eine klare Verhaltensänderung seitens der Verbraucher viel zu gering, z.B. 10 Euro pro Tonne CO2 sind bei einem VW Golf mit 4,4 l Verbrauch auf 100 km umgelegt 17 Euro pro Jahr. Die weiteren Erhöhungsschritte kommen zu spät und sind zu niedrig, als dass damit eine Änderung des Verbrauchverhaltens einherginge.
Burkert: "Damit fehlt dem Paket der meines Erachtens wichtigste Erfolgsfaktor: die Planbarkeit. Solange die anbietenden Unternehmen keine verlässliche Einschätzung über die Nachfrageanpassung treffen können, weil Anreize zu gering sind bzw. zu spät kommen, wird sich in deren Kalkulation nicht viel ändern – und das Angebot nicht preiseffizient dargestellt werden können." Genau das habe der Aktienmarkt am Tage nach dem Klimakabinett mit seiner Nullreaktion zum Ausdruck gebracht. Und genau dies sollte uns nachdenklich stimmen, meint der Chefökonom der LBBW. (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren