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Dennis Lübcke: "Die Kommunikation mit Investoren hat sich verändert"

Der bis zum Ausbruch der Pandemie übliche persönliche Kontakt zwischen Investoren und Asset Managern ist aufgrund von entsprechenden Beschränkungen seit Monaten nicht mehr möglich. Dennis Lübcke, Leiter des gesamtem Kundengeschäfts von Goldman Sachs AM, erklärt, wie seine Gesellschaft damit umgeht.

Dennis Lübcke, Goldman Sachs Asset Management
Dennis Lübcke, Goldman Sachs Asset Management
© GSAM

Seit Juli dieses Jahres verantwortet Dennis Lübcke als neu bestellter Leiter des gesamtem Kundengeschäfts von Goldman Sachs AM alle Vertriebsaktivitäten des Asset Managers in Deutschland und Österreich, also sowohl im institutionellen Geschäft als auch im Vertrieb von Publikumsfonds. Im Interview erklärt er, wo ein Unternehmen wie Goldman Sachs AM heute in beiden Märkten steht und wie es mit der neuen Normalität umgeht.

Herr Lübcke, seit Mitte dieses Jahres verantworten Sie das gesamte Kundengeschäft von Goldman Sachs Asset Management in Deutschland und Österreich. Wo steht eine Gesellschaft wie GSAM bei Ihrem Antritt?
Dennis Lübcke: Wir verwalten weltweit rund 1,9 Billionen US-Dollar und gehören damit zu den zehn größten Asset Managern der Welt. Unter dem Blickwinkel einzelner Assetklassen sind wir unter den Top-Ten-Playern, wenn es um das Thema Aktien geht. In Bezug auf die Bereiche Geldmarkt und Fixed Income, aber auch bei Alternatives rangiert Goldman Sachs Asset Management unter den vier größten global agierenden Anbietern.  

Und auf Märkte wie Deutschland und Österreich bezogen?
Lübcke: Wir sind seit dem Jahr 1997 in beiden Märkten aktiv, zunächst ausschließlich im institutionellen Geschäft, fünf Jahre später erfolgte dann auch der Einstieg ins Retailgeschäft. Aus meiner Sicht haben wir seither ein erfreuliches Wachstum unserer für deutschsprachige Kunden verwalteten Assets erreicht. Dementsprechend verwalten wir inzwischen einen soliden zweistelligen Milliardenbetrag in Fonds und Mandaten über alle Bereiche in Deutschland und Österreich.

Im Zusammenhang mit den jüngsten Marktentwicklungen wird gerne von einer neuen Normalität gesprochen, mit der nicht nur institutionelle Investoren leben müssen. Wie drückt sich diese neue Normalität aus Ihrer Perspektive des Vertriebsverantwortlichen aus?
Lübcke: Wenn wir uns zurückerinnern an den Ausbruch der Corona-Pandemie und den im März folgenden Lockdown, dann hat sich vor allem die Art und Weise geändert, wie wir mit unseren Investoren kommunizieren. Einerseits war die bis dahin herkömmliche Kommunikation mit den Investoren, Beratern und Kunden in Form von persönlichen Kontakten aufgrund von entsprechenden Beschränkungen über Wochen hinweg nicht mehr möglich. Andererseits waren Anleger extrem verunsichert über die weitere Entwicklung an den Märkten, was zu einem enorm hohen Informationsbedarf auf Anlegerseite geführt hat.

Von daher ging es zu Beginn der Krise weniger um das Neugeschäft, sondern darum zu verstehen, welche Implikationen sie mit sich bringen würde – und welche Auswirkungen die im März einsetzende höhere Volatilität für ihr Portfolio haben kann. Und das erleben wir angesichts  steigender Infektionszahlen seit Kurzem wieder in ähnlicher Weise.

Wie haben Sie auf dieses "New Normal" reagiert?
Lübcke: Wir haben natürlich versucht, unsere Investoren über entsprechende Videokonferenzen oder Webinare so umfassend wie möglich über unsere Sichtweise und unsere Erwartungen in Bezug auf die weitere Entwicklung der Märkte zu informieren. Wobei wir zum Teil einen Schritt weiter gegangen sind als viele unserer Mitbewerber.

Wir haben solche Informationsveranstaltungen im Rahmen unserer Initiative ‚One Goldman Sachs‘ einer Vielzahl von Klienten über Abteilungen hinweg zugänglich gemacht. Über unsere Webseite kann auch ein breiteres Publikum darauf zugreifen. Bei manchen Veranstaltungen, zum Beispiel unseren Seminaren mit ausgewiesenen Experten aus der Medizin, hatten wir in der Spitze bis zu 20.000 Teilnehmer weltweit. Als global agierendes Haus waren wir so in der Lage, die Vorträge eines interessanten Referenten, der vielleicht in New York sitzt, ohne großen Aufwand auch Marktteilnehmern in Deutschland und Österreich sozusagen direkt ins heimische Arbeitszimmer zu übertragen.

Wollen Sie damit sagen, dass Corona in dieser Beziehung auf gewisse Weise etwas Gutes gehabt hat?
Lübcke: Ich tue mich schwer einer Pandemie wie Corona etwas Gutes abzugewinnen. Bisher nur wenig oder selten genutzte digitale Kommunikationsmöglichkeiten haben dadurch eine Aufwertung und Weiterentwicklung erfahren, die über die Möglichkeiten der schon von Marktteilnehmern gepflegten Telefonkonferenzen hinausgehen. Videokonferenzen und Webinare bieten eine größere Bandbreite der Kommunikation, allein durch die Möglichkeiten zur Visualisierung und Präsentation von Inhalten. Sie werden aber den persönlichen Kontakt, den sicher alle Marktteilnehmer wieder gerne pflegen werden, sobald die Pandemie überwunden sein wird, nicht ersetzen können.

Und was sind nach Ihrer Beobachtung die wesentlichen Themen, mit denen Investoren sich angesichts dieser neuen Normalität in Bezug auf ihre Portfoliostrategie auseinandersetzen müssen?
Lübcke: Gerade für institutionelle Investoren spielt natürlich immer noch der Anleihensektor eine wesentliche Rolle. Allein schon, weil viele Investoren bestimmte regulatorische Vorgaben und Restriktionen bei ihren Investments zu berücksichtigen haben. Angesichts der weltweit immer weiter gesunkenen Zinsen war dabei in den vergangenen zehn Jahren eine kontinuierlich gestiegene Nachfrage nach höher rentierlichen Staatsanleihen aus den Schwellenländern zu beobachten. Ähnlich gilt das seit gut drei Jahren auch für den gesamten Sektor der Unternehmensanleihen in den Emerging Markets.

Davon konnte ein Unternehmen wie Goldman Sachs Asset Management insofern profitieren, als beide Segmente zu den von uns bedienten Kern-Assetklassen gehören. Angesichts des für institutionelle Investoren immer wichtiger gewordenen Aspekts der Nachhaltigkeit von Investments bieten wir entsprechende Strategien auch mit maßgeschneiderten  ESG-Vorgaben an.

Und im Aktiensegment?
Lübcke: Was die Aktienanlage betrifft, bieten wir im Grunde zwei Linien an: eine klassisch fundamental gemanagte Investmentlinie, aber auch eine quantitativ gemanagte Produktlinie. Auch hier haben wir in den letzten drei Jahren viele Zuflüsse von unseren Investoren gesehen. Nach unserer Beobachtung stark zugenommen haben auch Investments in Alternatives, und zwar sowohl als liquide wie auch als illiquide Variante. Das ist insofern nicht verwunderlich, als ein Profianleger angesichts der extrem niedrigen Zinsen an den Rentenmärkten geradezu gezwungen ist, in Bereichen wie Infrastrukturanlagen oder Real Assets nach höher rentierlichen Investments zu suchen.

Vor diesem Hintergrund hat im Übrigen auch das Interesse an Investments in privat organisierten Märkten, sei es über Private Equity oder über Private Debt, erheblich zugenommen. Auch unsere kürzlich lancierte ETF-Linie, teils Smart-Beta-basiert, erfreut sich wachsender Nachfrage.  

Was wird die Märkte mit Blick nach vorne beschäftigen?
Lübcke: Nach meiner Erwartung wird das für die meisten institutionellen Investoren in erster Linie auch künftig die Suche nach auskömmlichen Renditen sein, um gesetzten Anforderungen in Bezug auf Solvabilität, aber auch Liability-Verpflichtungen nachkommen zu können. Darüber hinaus werden die Marktteilnehmer sich weiterhin mit dem inzwischen omnipräsenten Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Jeder Investmentanbieter wird zusehen, bis März kommenden Jahres, dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der EU-Verordnung zu nachhaltigkeitsbezogenen Offenlegungspflichten, sozusagen "ESG-fertig" zu sein – im Sinne dieser Verordnung.

Salopp gesagt: Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung, leidet nicht unter Corona?
Lübcke: Nein. GSAM ist bereits seit vielen Jahren im Bereich ESG aktiv, Ende Juli 2020 haben wir über 90 Milliarden US-Dollar an spezifischen ESG- und Impact Investing-Strategien verwaltet. Unser Angebot entwickeln wir im Dialog mit unseren Kunden beständig weiter. Als Unternehmen hat sich Goldman Sachs zudem das Ziel gesetzt, in den nächsten zehn Jahren 750 Milliarden US-Dollar in eine nachhaltige Finanzwirtschaft zu investieren. Was uns antreibt, ist die Überzeugung, dass größere Institute einen wesentlichen Beitrag insbesondere zur Energiewende leisten können.

Wir bedanken uns für das Gespräch. (hh)

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