Das war die Vorsorgekonferenz Schweiz in Thun
Vor eindrucksvoller Alpenkulisse widmete sich die diesjährige Vorsorgekonferenz Schweiz den drängenden Fragen der beruflichen Vorsorge im aktuellen Marktumfeld. Thematisiert wurden dabei nicht nur regulatorische Fragestellungen, sondern auch die Aussichten zu einigen interessanten Assetklassen.
Eckpunkte:
- Die große Investorenkonferenz in Thun bot ein umfangreiches Informationsangebot
- Zahlreiche Themen sorgen dafür, dass jeder Konferenzbesucher zufrieden war
Die diesjährige Vorsorgekonferenz Schweiz fand Mitte März 2026 im Hotel Aare Thun vor einem beeindruckenden Bergpanorama statt. Die etablierte Veranstaltung knüpfte nahtlos an die Vorjahre an, in denen sie sich als wichtige Plattform für institutionelle Investoren positioniert hat, und widmete sich den drängenden Fragen der beruflichen Vorsorge im aktuellen Marktumfeld. Im Zentrum standen dabei die Herausforderungen für Pensionskassen zwischen geopolitischen Unsicherheiten, wirtschaftlicher Abschwächung und strukturellem Wandel in den Kapitalmärkten – Themen, die bereits in den vergangenen Jahren die Agenda geprägt hatten und auch 2026 weiter an Bedeutung gewonnen haben.
Immobilien und Hypotheken bleiben tragende Säulen
Ein roter Faden der Konferenz war die Rolle von Immobilien in institutionellen Portfolios. Trotz wachsender makroökonomischer Risiken bleiben sie ein zentraler Baustein für Pensionskassen – insbesondere in Form nachhaltiger Immobilienstrategien.
Flankiert wurde dies durch intensive Diskussionen rund um die Anlageklasse Hypotheken. Mehrere Referenten betonten deren stabilisierende Wirkung im Portfolio und deren attraktive risikoadjustierte Renditen. Conclusio: In einem Umfeld erhöhter Unsicherheit liefern Hypotheken weiterhin planbare Cashflows und Diversifikation.
Nachhaltigkeit: Holzbau und Real Assets im Fokus
Ein besonderes Augenmerk lag auf Real Assets und der Frage, wie Nachhaltigkeit konkret umgesetzt werden kann. Der Immobiliensektor ist in der Schweiz für die zweithöchsten CO?-Emissionen verantwortlich, entsprechend hoch ist der Handlungsdruck.
In Folge rückt der Holzbau in den Mittelpunkt: Holzbauten ermöglichen signifikante Einsparungen von schätzungsweise 20 Prozent gegenüber konventionellen Bauweisen.
Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass ein Großteil der Emissionen bereits in der Bau- und Rückbauphase entsteht, während in der Nutzungsphase insbesondere die Heizsysteme den größten Hebel für Reduktionen darstellen.
Für institutionelle Investoren ergeben sich daraus klare Implikationen: Investitionen in Holzimmobilien gewinnen im Kontext der Netto-Null-Ziele bis 2050 strategisch an Bedeutung, vorausgesetzt, die Kostenstrukturen bleiben wettbewerbsfähig gegenüber konventionellen Bauweisen.
Kreislaufwirtschaft und Plastik-Ökonomie als neue Chancen
Neben klassischen Anlageklassen wurden auf der Konferenz auch innovative Investmentfelder beleuchtet. Die Kreislaufwirtschaft – insbesondere im Bereich der sogenannten Plastik-Ökonomie – stieß auf großes Interesse.
Reichmuth & Co Investment Management präsentierte in diesem Kontext Investmentansätze in Recyclingtechnologien, Energietransport und Speicherlösungen.
Ein konkretes Beispiel ist das PET-Recycling, bei dem Materialien wiederverwertet und dem Wirtschaftskreislauf erneut zugeführt werden. Noch stehen viele dieser Ansätze am Anfang ihrer institutionellen Skalierung. Entsprechend intensiv wurde die Frage nach den Renditeprofilen diskutiert. Klar ist jedoch: Der regulatorische Druck und steigende ESG-Anforderungen dürften diesen Sektor weiter vorantreiben.
Makroökonomie zwischen Inflation und Rezessionsrisiken
Auch die makroökonomische Perspektive spielte auf der Konferenz eine zentrale Rolle. In einem Vortrag des Chefökonoms der Zurcher Kantonalbank, Dr. David Marmette, wurden zwei mögliche schwierige Szenarien für die Schweiz skizziert: ein anhaltendes Hochinflationsumfeld oder eine deutliche wirtschaftliche Abschwächung mit steigender Arbeitslosigkeit und Druck auf die Immobilienmärkte. In diesem Zusammenhang wurde auch die Bedeutung geopolitischer Risiken – etwa rund um die Straße von Hormus – für die globale Energieversorgung und die Ölpreise diskutiert.
Die Schweiz zeigt sich dabei vergleichsweise resilient, nicht zuletzt dank ihres Energiemixes aus Wasser- und Kernkraft sowie eines starken Schweizer Frankens, der importierte Inflation dämpft.
Politische Dimension: Diskussion um die 13. AHV-Rente
Neben Kapitalmarktthemen fand auch die schweizerische Regulatorik ihren Platz auf der Agenda: Im BVG-Panel wurden zentrale Herausforderungen der beruflichen Vorsorge diskutiert. Zunächst wurde die Frage aufgeworfen, ob Digitalisierung und künstliche Intelligenz für die Branche Segen oder Fluch sind. Nach der Einführung der 13. AHV-Rente – deren Finanzierung über Lohnbeiträge oder Mehrwertsteuer im Parlament noch umstritten ist – stellte sich die Frage, ob eine entsprechende Regelung auch im BVG folgen könnte.
Die Experten relativierten: Im BVG wird ein individuelles Alterskapital angespart, das mit dem Rentensatz multipliziert wird. Ob die resultierende Jahresrente durch zwölf oder dreizehn geteilt wird, ändert an der Gesamtsumme nichts – eine höhere monatliche Auszahlung müsste durch entsprechend höhere Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge finanziert werden.
Ein parlamentarischer Vorstoß sieht die Einführung einheitlicher Beitragssätze vor, unabhängig vom Alter. Aktuell steigen die Beiträge mit dem Alter: Jüngere Arbeitnehmer zahlen weniger, da sie ihr Einkommen für aktuelle Bedürfnisse benötigen, während ab 50 Jahren höhere Beiträge angespart werden, wenn die Pensionierung näher rückt und Unterhaltspflichten oft geringer sind. Diese Struktur kann jedoch ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt benachteiligen, da sie für Arbeitgeber teurer sind.
Die Panelisten sahen diese sogenannte Altersdiskriminierung im heutigen Umfeld allerdings als weniger relevant. Nach der gescheiterten BVG-Reform 2024 wurde diskutiert, welche Stellschrauben nun bleiben. Die Reform hätte die Eintrittsschwelle von rund 30.000 Franken massiv gesenkt, damit mehr Teilzeitbeschäftigte – oft Frauen – vom BVG profitieren können.
Viele Pensionskassen haben diese Anpassung bereits freiwillig vorgenommen, da das BVG als Mindeststandard gilt: Arbeitgeber dürfen bessere, aber keine schlechteren Leistungen anbieten. Eine weitere gesetzliche Revision wird in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren nicht erwartet.
Parallel prüft der Bundesrat eine Obergrenze für den maximal versicherbaren BVG-Lohn. Derzeit gibt es keine Begrenzung, sodass Gutverdienende hohe Beträge steuerbegünstigt einzahlen können. Eine Obergrenze würde diese steuerlichen Optimierungsmöglichkeiten einschränken.
Fazit
Die Vorsorgekonferenz Schweiz 2026 hat einmal mehr gezeigt, dass sich institutionelle Investoren in einem Spannungsfeld aus Stabilität und Transformation bewegen. Während bewährte Anlageklassen wie Immobilien und Hypotheken weiterhin unverzichtbar bleiben, gewinnen nachhaltige Real Assets und neue Themen wie die Kreislaufwirtschaft zunehmend an Gewicht. Gleichzeitig erfordern geopolitische Risiken und makroökonomische Unsicherheiten eine noch stärkere Diversifikation und strategische Flexibilität. Für Pensionskassen bedeutet dies: Der Balanceakt zwischen Sicherheit, Rendite und Nachhaltigkeit wird zur zentralen Herausforderung der kommenden Jahre. (sp)/(aa)

