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2. IM-Investmentforum in Frankfurt ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit

Beim 2. IM-Investmentforum am 4. Juni 2019 ging es um nachhaltige Anlagen, die von verschiedenen Blickwinkeln aus beleuchtet wurden. Infrastruktur Debt, Infrastruktur Equity, ETFs, Deep Data und die Frage, wie es um das qualifizierte Fachpersonal bestellt ist, waren Gegenstand des Referate.

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Nach der Begrüßung durch Institutional Money-Herausgeber Hans Heuser ebnete Prof. Lars Feld, Leiter des Walter Eucken Instituts Freiburg und einer der Wirtschaftsweisen, gedanklich das Feld. Die Highlights dieser Veranstaltung finden Sie in nachfolgender Fotogalerie.


 

Rezession und erneutes Aufflammen der Euro-Krise im Bereich des Möglichen
Sein Ausblick war nicht positiv: „Die Indikatoren deuten Richtung Rezession, auch wenn wir noch keine haben“, war sein Fazit. Es sei auch nicht auszuschließen, dass wir bald ein Wieder-Aufflammen der Euro-Krise sehen werden. In Europa bereitet Prof. Feld das Land Italien Sorgen, das bereits in der Rezession ist und eine Staatsschuldenquote von 132 Prozent aufweise. „Trotzdem, Italien hat viele wettbewerbsfähige Unternehmen, ist also nicht Griechenland“, relativiert er seine Kritik. Allerdings sieht er die Mini-Bots, die Italien kürzlich ausgegeben hat, skeptisch, denn sie hätten eine Art Zahlungsfunktion, so dass sie einen wesentlichen Schritt in Richtung einer Parallel-Währung darstellten. Am Zinsmarkt geht der davon aus, dass wir in Europa in diesem Jahr keine Zinssteigerung mehr sehen werden.

Finanzieller und sozio-ökonomischer Return im Doppelpack
Die weitere Moderation des Tages übernahm Sissi Hajtmanek, Wirtschafts- und Finanzexpertin und ehemalige ARD-Korrespondentin. Sie übergab das Wort gleich an Claire Smith, Investment Director Infrastructure bei Schroders. Smith präsentierte gemeinsam mit ihrem Kollegen Charles Dupont, Head of Infrastructure, dass ESG im Bereich Infrastructure Debt weit mehr als nur einen Marketing-Gag darstellt. Gerade Infrastructure Debt-Fonds endeten meist als nachhaltige Fonds, weil es in diesem Bereich so viele Green Bonds gebe. Trotzdem sei der finanzielle Return mit rund fünf Prozent attraktiv; hinzu käme ein sozio-ökonomischer Return von 20 Prozent und mehr.

Zusätzliche Nutzungs-Aspekte für Infrastruktur-Immobilien
Remco van Dijk, Social Infrastructure Strategy Coordinator EMEA bei Franklin Templeton Investments, zog das Thema Infrastruktur von der Equity-Seite her auf. „Mit ESG begonnen hat der Markt mit Ausschlüssen; aber mittlerweile betreiben wir daneben auch Impact“, erklärt van Dijk. Mit seinem Team kauft er Infrastruktur-Immobilien – meistens von den Kommunen – und vermietet sie an diese zurück. So steht Kapital für Umbauten und Modernisierungen bereit, und Templeton verweist auf Erfolge darin, den Gebäuden in Teilen neue Nutzungs-Aspekte hinzuzufügen, die auch nützlich für die Menschen in der Nachbarschaft sind und ihren Lebensstandard steigern.

Wanted: die Mit-Dreißiger im Asset Management
Die Asset Management-Branche insgesamt benötigt gut ausgebildete, talentierte Mitarbeiter, insbesondere auch unter dem neu hinzugetretenen Aspekt der Nachhaltigkeit. Wie sich das Anforderungs-Profil hier über die Zeit verändert hat, darüber berichtete Dr. Karin Schambach, Gründerin und Geschäftsführerin von Indigo Headhunters. „Bis 2000 kümmerte man sich in den Tempeln der KVGen insbesondere um die liquiden Assetklassen. Damals wechselten oft Trader auf die Asset Management-Seite“, erklärt Schambach. Nach dem Platzen der Dot-Com-Blase sei es dann zu einer Struktur-Änderung gekommen. „Bis zur Lehman-Krise hat man dann eher Künstler gesucht, die ihre Freiräume benötigten. Individualität wurde in dieser Zeit groß geschrieben, oft herrschte eine Art Personenkult“, blickt die Personal-Expertin zurück. Nach Lehman sei die Asset Management-Branche in eine Schockstarre gefallen, weil die Fehler im System offenbar wurden. Das habe dazu geführt, dass man keine Juniors mehr ausgebildet hat. „Das führte leider dazu, dass wir heute kaum Mit-Dreißiger haben, die wir jetzt in der Branche sehr vermissen.“ Die Gehälter auf der Seite der Asset Manager und der Investoren hätten sich mittlerweile angepasst, insbesondere durch eine Abwärts-Bewegung auf der Seite der Asset Manager. Insgesamt würden derzeit eher Techniker als Künstler in der Investmentbranche gesucht.

Signale durch Deep Data generieren
Dass es im Asset Management zuweilen auch sehr technisch werden kann, erklärte Dr. Dietrich Matthes, Partner bei Quantic Financial Solutions. Er zeigte, wie er mit Deep Data und unter Zuhilfenahme der Konsens-Szenarien der Wirtschafts-Intelligence-Units die Attraktivität der fundamentalen Unternehmensbewertung beurteilen kann. Sein System liefert sowohl Kauf- und Verkaufssignale für einzelne Unternehmen als auch Allokations-Signale. „Im Anschluss können wir auch verschiedene Filter, z.B. einen ESG-Filter, darüberlegen“, so Matthes.

Rückrechnung von ESG-Unternehmensdaten extrem anspruchsvoll
Michael Huber, Head of Institutional ETF Business DACH & CEE bei Invesco Asset Management, erklärte, wie sein Haus Nachhaltigkeit mit ETFs umsetzt. „Bislang fehlt noch ein Markt-Standard im Bereich ESG, aber bei ETFs setzen sich die ESG-Indizes von MSCI derzeit durch“, so Huber. Er erklärte, dass Invesco auch die Stimmrechte der Gelder einsetzt, die in ETFs investiert sind. „Wir nehmen diese Stimmrechte wahr und betreiben hier auch Engagement.“ Er verwies darauf, dass die Rückrechnung von ESG-Unternehmensdaten extrem anspruchsvoll, wenn nicht sogar unmöglich sei. Bisher habe Invesco zwar nur einen einzigen ESG-ETF am Markt, aber bald würde man hierzu mehr aus dem Hause Invesco hören, erklärte er, beispielsweise einen ETF, der auf die neue österreichische ESG-Systematik aufsetzt. (ip/ad)

 

 

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