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Das Wappentier des modernen Sozialstaates ist die Raupe Nimmersatt

Prognosen sind besonders schwierig, weil sie die Zukunft betreffen. Dies gilt umso mehr für Wirtschafts- und Börsenprognosen. Trotzdem sollte man auf Entwicklungen aufmerksam machen, die wahrscheinlich erhebliche negative Auswirkungen haben, wenn sie nicht korrigiert werden, findet Peter E. Huber.

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Peter E. Huber, Fondsmanger des  „Huber Portfolio SICAV“
© Archiv

Eine Volkswirtschaft wird nur dann die künftigen Herausforderungen bewältigen können, wenn man gesunde und nachhaltige Wachstumsprozesse unterstützt. Vor kurzem erschienen Meldungen, wonach die Dax-Unternehmen im 1. Quartal historische Höchstgewinne verzeichnet haben. Peter E, Huber, Fondsmanager bei Taunus Trust, sagt dazu: "Das ist irreführend. Schaut man genauer hin, stagnieren die Unternehmensgewinne nämlich bereits seit 15 Jahren sowohl in Deutschland als auch in Europa. Das ist alarmierend und steht in krassem Gegensatz zu der Entwicklung in Asien und Nordamerika." Die folgende Grafik stellt die Entwicklung der Earnings per share (EPS) von 2007 bis zum 31. Mai 2021 dar - ein Musterbeispiel von Stagnation.

Quelle: Taunus Trust

Die Gründe für die Gewinnstagnation liegen auf der Hand
Dazu zählen eine zunehmende Bürokratisierung innerhalb der EU, ein wachsender Staatsdirigismus und ein expandierender schuldenfinanzierter Sozialstaat. Lesenswert dazu ist laut Peter E. Huber die kenntnisreiche Analyse von Gabor Steingart in seinem „Morning Briefing“ vom 10. Juni. Dessen Schlussfolgerung lautet: „Der exzessive Sozialstaat ist nicht weniger gierig als der exzessive Kapitalismus“ und „Das Wappentier des Sozialstaates ist die Raupe Nimmersatt“. Der europäische Sozialstaat sei dadurch gekennzeichnet, so Huber, dass sieben Prozent der Weltbevölkerung 50 Prozent der globalen Sozialausgaben konsumierten. Leidtragende seien nicht nur Unternehmen und deren Mitarbeiter, sondern auch die jüngere Generation, die das einmal auslöffeln müsse, und die Sparer. 

Ludwig Erhard kannte das Phänomen des überbordenden Sozialstaates ganz genau 
Heute ist genau das eingetreten, wovor Ludwig Erhard in seinem Buch „Wohlstand für alle“ gewarnt hat: „Die wachsende Sozialisierung der Einkommensverwendung, die um sich greifende Kollektivierung der Lebensplanung, die weitgehende Entmündigung des Einzelnen und die zunehmende Abhängigkeit vom Kollektiv oder vom Staat“. „Am Ende des gefährlichen Weges in den Versorgungsstaat würden aus Bürgern soziale Untertanen eines allmächtigen Staates, bei gleichzeitiger Lähmung des wirtschaftlichen Fortschritts in Freiheit“ (FAZ vom 10. Juni).

Zwei Beschäftigte müssen bald einen Rentner erhalten
Wir steuern aufgrund der demographischen Entwicklung unaufhaltsam auf eine Situation zu, wo zwei Beschäftigte einen Rentner finanzieren müssen. Deshalb hat jüngst der wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium vor einer drohenden Unfinanzierbarkeit der Rente gewarnt und geraten, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Wenn Scholz und Heil dies als Angriff auf unseren Sozialstaat brandmarkten, offenbare dies ein seltsames Demokratieverständnis, meint Huber.

Andere Staaten haben längst vorgemacht, wie man seine Rentensysteme sichert
In Norwegen fließen die Öleinnahmen seit langem in einen Staatsfonds, der überwiegend in Aktien investiert. Noch cleverer machen es Japan und die Schweiz, wo die Notenbanken per Knopfdruck Geld „schöpfen“ und dies teilweise in Sachwerte (Aktien- beziehungsweise Aktienfonds) anlegen und damit Milliardengewinne machen. "Wir vertreten seit vielen Jahren die These, dass die Notenbanken ihre QE-Programme zumindest teilweise für den Kauf von Aktien verwenden sollten, statt staatliche Schuldenorgien zu finanzieren und die Zinsen Richtung Null zu drücken", lässt Peter E. Huber wissen.  

Inflation ist wieder ein Thema
Die Notenbanken wollen uns weismachen, dass die steigenden Teuerungsraten nur kurzfristiger Natur sind, bedingt durch Basiseffekte bei den Energie- und Rohstoffpreisen und den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. Peter E. Huber dazu: "Ich bin mir da nicht so sicher. Tatsache ist, dass die Zentralbanken höhere Inflationsraten anstreben, ohne allerdings damit Inflationserwartungen aufkommen zu lassen. Denn die Zinsen sollen niedrig gehalten und die Staatsschulden real entwertet werden. Finanzrepression oder neudeutsch „financial repression“ nennt man dieses Vorgehen. Die einzige Alternative dazu wäre ein drohender Staatsbankrott." 

Huber zu den Märkten
Nach dem starken Anstieg der Aktienmärkte auf historische Höchststände seien kurz- bis mittelfristig natürlich immer temporäre Kursrückschläge möglich, so der Altmeister der Geldanlage. Langfristig böten Dividendenpapiere und Gold aber ein erhebliches Potential. Ganz einfach, weil das Chance/Risiko-Verhältnis bei Anleihen aufgrund der beschriebenen Umstände geradezu katastrophal sei. Bei einem Zins nahe Null seien allein schon Dividendenrenditen von drei Prozent auf Dauer attraktiv .Besonders gut gefallen Huber und seinen Kollegen von Taunus Trust derzeit einige Aktien aus dem Telekomunikations- und Healthcare-Bereich. (kb)

 

 

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