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Dara White, Columbia Threadneedle: Growth oder Value?

Der Portfoliomanager des Threadneedle (Lux) Global Emerging Market Equities erörtert, auf welche Faktoren Investoren achten sollten und wie er sich jüngst positioniert hat.

Dara White, Columbia Threadneedle
Dara White, Portfoliomanager des Threadneedle (Lux) Global Emerging Market Equities, Columbia Threadneedle Investments: "Bei Schwellenländeraktien zählt weiterhin strukturelles Wachstum."
© Columbia Threadneedle

Die Debatte über einen möglichen Anstieg der Inflation und eine zyklische Rotation hat in den vergangenen sechs Monaten Fahrt aufgenommen. Für eine zyklische Erholung in den kommenden Monaten scheint tatsächlich viel zu sprechen, da die globalen Volkswirtschaften nach den massiven Lockdowns schrittweise wieder hochgefahren werden dürften. Die Frage ist, wie lange dieser Aufschwung anhalten wird – und wie Anleger sich dafür am besten positionieren, gerade auch in den wachstumsstarken Schwellenländern.

Vor diesem Hintergrund sollten Indexaffine Investoren mitberücksichtigen, dass sich auch in den Schwellenländern die Wirtschaft und damit auch die Branchengewichtungen in den letzten Jahren stark geändert haben, wie Dara White, Portfoliomanager des Threadneedle (Lux) Global Emerging Market Equities von Columbia Threadneedle Investments in einer "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Analyse schreibt.

Aktienuniversum hat sich gewandelt
Das Aktien-Universum der Schwellenländer hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten von Grund auf verändert. Es wird nicht mehr von Energie-, Grundstoff-  und Versorgungsunternehmen dominiert. Stattdessen ist es inzwischen als Nährboden innovativer Weltklasse-Unternehmen bekannt, die von Themen wie dem Konsumwachstum, dem Siegeszug von Plattformunternehmen und dem steigenden Gesundheitsbedarf profitieren.

"Im Jahr 2008, als unser Team für Schwellenländeraktien an den Start ging, fielen 66 Prozent des Universums in die Kategorie zyklisches Wachstum – gemessen am MSCI Emerging Markets Index. Am 31. Dezember 2020 lag dieser Wert bei 39 Prozent. Stattdessen dominieren jetzt strukturelle Wachstumsunternehmen mit einem Anteil von 61 Prozent", rekapituliert White mit Verweis auf nachfolgende Grafik:

Veränderungen in den Branchengewichtungen zwischen 2008 und 2020

Nun ist "Risk-On" angesagt
Im aktuellen Umfeld sieht White die größten Anlagechancen weiterhin in den strukturellen Wachstumsbereichen der Emerging Markets. Durch das Wiederhochfahren der Wirtschaft könnten sich zudem ausgewählte neue Anlagemöglichkeiten eröffnen. Daher hat White das zyklische Element der Schwellenländer-Portfolios in den vergangenen sechs Monaten erhöht.

Unter anderem haben White und sein Team Positionen in Indien, Brasilien und Russland aufgestockt – drei Märkte, die von steigenden Rohstoffpreisen profitieren: "Außerdem haben wir selektiv neue Positionen in Finanzwerten aufgenommen, die von einer stärkeren Wirtschaftsaktivität profitieren dürften. Technologie-Hardware – und hier insbesondere das Halbleitersegment – ist ein weiterer Bereich, den wir ausgebaut haben. Denn diese Titel profitieren sowohl von einer konjunkturellen Erholung als auch von verschiedenen strukturellen Wachstumstrends".

Langfristige Value-Anlagen haben gewisse Nachteile
Langfristige zyklische Value-Anlagen in Schwellenmärkten haben jedoch gewisse Nachteile, weist White hin. Erstens hängt der Value-Faktor zu sehr vom Kurs-Buchwert-Verhältnis ab und spiegelt damit nicht die immateriellen Vermögenswerte wider. Deutlich wird das am Beispiel des Finanzsektors, des größten Value-Sektors in den Emerging Markets: Traditionell haben Banken ihren Buchwert gesteigert, indem sie ihr Filialnetz ausgebaut haben. Heute aber vergrößern die Banken ihre Marktdurchdringung durch den Ausbau digitaler Plattformen, auf die ihre Kunden mit dem Smartphone zugreifen. "Daher halten wir den Free Cashflow bei der  Bewertung von Finanzaktien inzwischen für aussagekräftiger als den Buchwert", merkt White an.

Ein zweiter Grund für die geringe Attraktivität des Value-Stils in den Emerging Markets sei für White die Tatsache, dass es hier in Value-Sektoren wie Energie, Grundstoffe und Versorger besonders viele staatseigene Unternehmen gibt. "Häufig werden diese Unternehmen nicht effizient geführt, da das Management größeren Wert auf Vollbeschäftigung legt als auf die Wertsteigerung für Aktionäre", moniert der Fondsmanager.

Nachhaltigkeit spricht für strukturelle Wachstumsaktien
Auf der anderen Seite spricht auch das Anlagethema Nachhaltigkeit für strukturelle Wachstumsaktien. Denn die zunehmende Berücksichtigung von Umwelt- und sozialen Kriterien sowie Aspekten guter Unternehmensführung, die sich in den Schwellenländern noch ganz am Anfang befindet, führt zu einer enormen Neuverteilung liquider Mittel.

Unternehmen mit sehr guten ESG-Profilen ziehen mehr Kapital an und können sich dadurch günstiger refinanzieren. Dagegen wird in schlecht bewertete Unternehmen weniger investiert, so dass ihre Finanzierungskosten steigen. Welche Unternehmen schneiden gut ab? Hochwertige Wachstumsaktien in Branchen wie zyklische Konsumgüter, Kommunikationsdienstleistungen und IT. Dagegen werden Value-Sektoren wie Energie, Industrie und Werkstoffe aus bekannten Gründen schlecht bewertet.

Obwohl eine zyklische Erholung zu einem Anziehen der Inflation führen dürfte, ist der Inflationsdruck in den Emerging Markets gering. "Daher würden wir die Entwicklung in diesen Märkten eher als weniger deflationär bezeichnen. Vor diesem Hintergrund kombinieren wir langfristige strukturelle Wachstumsideen mit gezielten Investments, die von der weltweiten wirtschaftlichen Erholung von der Covid-19-Pandemie profitieren dürften", erklärt White abschließend. (aa)

 

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