Credits zwischen Energiepreisschock und Zinserwartungen
Steigende Energiepreise, volatile Zinserwartungen und zunehmende Risikoprämien sorgen für neue Opportunitäten. Wie sich Zinsen, Kreditmärkte und geopolitische Risiken verzahnen und wo nun selektive Einstiegsgelegenheiten entstehen könnten, erklärt John Petersen, Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz.

Eckpunkte:
- Die Kursverluste respektive Renditeanstiege machen einige europäische Anleihen wieder interessant
- Die Spätphase des Kreditzyklus sollte Investoren jedoch vorsichtig stimmen
Ungarisches Wahlergebnis sorgt für Fantasie
Trotz der global gestiegenen Renditen bietet insbesondere die lange Laufzeitseite europäischer Staatsanleihen inzwischen wieder mehr Stabilität, da konjunkturelle Risiken stärker eingepreist werden. "Gleichwohl bleibt der fiskalische Spielraum in Europa begrenzt, und energiepolitische Stützungsmaßnahmen könnten die Haushalte belasten. So könnte die Ablösung Orbans nach den Wahlen in Ungarn den Weg für Reformen auf EU-Ebene, wenn nicht sogar eines erneuten EU-Fundingprogramms, ebnen und somit den EU-Staaten mehr fiskalen Spielraum bieten", schreibt John Petersen, Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz, in einer aktuellen Markteinschätzung.
Corporate Credit teilweise wieder interessanter
Chancen ergeben sich dadurch laut Petersen insbesondere im Unternehmensanleihebereich. Zwar haben sich die Spreads zuletzt ausgeweitet, doch befinden sie sich insgesamt noch nicht auf Niveaus, die man als besonders attraktiv bezeichnen würde. "Selektiv bieten kürzere High-Yield-Laufzeiten und klassische Investment-Grade-Anleihen jedoch bereits interessante Einstiegsniveaus", merkt Petersen an.
Gleichzeitig bleibt die Entwicklung Petersen zufolge auf Unternehmensebene differenziert: Produkte, die derzeit in der Straße von Hormus feststecken, wie etwa Petrochemie, Dünger oder Kerosin, könnten zu Verwerfungen in den Lieferketten führen, was sich negativ auf Margen und Kreditqualität auswirkt. "Dies dürfte die Risikoprämien selektiv weiter erhöhen und zugleich Gelegenheiten schaffen, wenn Märkte überreagieren", prognostiziert Petersen.
Spätphase des Kreditzyklus
Strukturell befinden sich die Märkte laut Petersen in einer späten Phase des Kreditzyklus, in der Unternehmen tendenziell aktiver zugunsten der Aktionäre agieren, etwa über steigendes CapEx oder M&A-Aktivität. Besonders in defensiven Sektoren zeigen sich bereits aggressivere Schritte, die in höheren Risikoprämien resultieren könnten.
Privatmarkt vor Stresstest
Noch relevanter für die Unternehmensanleihemärkte ist die Dynamik im Private-Credit-Markt, der in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist und nun mit zunehmenden Abflüssen und Kreditqualitätsfragen konfrontiert ist.
Trotz fragwürdiger Kreditvergabepraktiken sowie Konzentrationsrisiken in einigen Strukturen erscheinen für Petersen die jüngsten Marktreaktionen teilweise überzogen. Viele Investoren dürften gerade bei deutlichen Abschlägen wieder verstärkt Engagements aufbauen, während die Finanzierung über den klassischen Anleihemarkt wieder an Bedeutung gewinnt.
"Je nachdem, wie stabil die Nachfrage im High Yield Markt bleibe, könnten vermehrte Neuemissionen die High-Yield-Spreads steigen lassen, wobei neue und alte Emittenten sicherlich gern vom Markt gesehen werden", merkt Petersen an.
In Summe bleibt das Marktumfeld anspruchsvoll und von geopolitischen Unsicherheiten geprägt. "Die gestiegenen Renditen verbessern jedoch die Ertragsperspektiven im Anleihemarkt insgesamt. Wenn sich eine nachhaltige Lösung im Konfliktumfeld abzeichnet, dürften sowohl fallende Zinsen als auch sinkende Risikoprämien die Märkte unterstützen", erklärt Petersen abschließend. (aa)

