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Credit-Markt wird immer nervöser, Investoren fürchten Rezession

Der Pessismus am Markt für Unternehmensanleihen nimmt von Woche zu Woche zu, die Volatilität steigt. Dafür verantwortlich sind Sorgen betreffend das Auslaufen der EZB-Käufe sowie Rezessionsängste.

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Investoren verkaufen ihre Positionen und bringen ihr Geld in Sicherheit.
© hppd / stock.adobe.com

Europäische Unternehmensanleihen nähern sich möglicherweise einem Wendepunkt, da Invetoren die sich verschlechternde Risikoindikatoren zur Kenntnis nehmen, während der größte Anleihekäufer der Region Vorbereitungen trifft, den Markt zu verlassen. Über diese Entwicklung berichtet "Bloomberg".

Die Volatilität ist wieder in den Markt zurückgekehrt, da die Europäische Zentralbank das Ende eines Programms vorbereitet, mit dem sie in etwas mehr als zwei Jahren für mehr als 160 Milliarden Euro Unternehmensanleihen gekauft hat. Das zeigt sich auch anhand der Entwicklung der Credit Default Swaps, die seit einigen Wochen und Monaten im Vergleich zu 2017 größere Schwankungen aufweisen, wie nachfolgende Grafik zeigt:

Spreads weiten sich aus
Das sich abzeichnende Ende der EZB-Käufe hat Folgen. Die Spreads haben sich auf ein Niveau ausgeweitet, das seit mehr als einem Jahr nicht mehr beobachtet wurde, und das Angebot an neuen Unternehmensanleihen ist unregelmäßig. Politische und konjunkturelle Risiken haben auch zu Ausverkäufen geführt, da die Anleger im Hinblick auf die zukünftige Gesundheit der Wirtschaft sensibel sind.

"Die allgemeine Haltung der meisten Leute zu Unternehmensanleihen hat sich von bullish zu bearish verlagert", sagt Juan Valencia, ein Anleihestratege bei Société Générale SA. "Das große Problem für europäische Unternehmensanleihe-Investoren ist das Chance-Risiko-Verhältnis - es gibt zu wenig Aufwärtspotenzial und viel Abwärtspotenzial."

Argumente der Bären
Pessimistische Investoren können auf konjunkturelle Warnsignale wie den größten Rückgang der deutschen Exporte seit 2012 und Rückgänge bei den Einkaufsmanagerindizes des Euroraums verweisen. Die EZB wird Ende dieses Jahres auch die Stimulus-Maßnahmen einstellen und möglicherweise über eine Anhebung der Zinsen im späteren Jahresverlauf 2019 nachdenken, was Bedenken darüber aufkommen lässt, wie lange die fünfjährige konjunkturelle Expansionsphase des Euroraums noch anhalten kann.

"Wir befinden uns in einer Spät-Phase des Zyklus", sagt Gilles Pradere, Portfoliomanager bei RAM Active Investments in Genf. Er favorisiert Anleihen, die einem Abschwung standhalten können, und handelt mit Kreditausfallkswap-Indizes, um die Liquidität zu erhalten.

Investoren sind pessimistisch gestimmt
Bei einer aktuellen Roadshow fand JPMorgan Chase & Co. auch heraus, dass "ziemlich viele Investoren" eine mögliche Rezession innerhalb der nächsten zwei Jahre erwarten, schrieben Anleihestrategen um Daniel Lamy in einer Kundennotiz. Der Internationale Währungsfonds sagte in dieser Woche, dass eskalierende Handelsspannungen auch ein Risiko für die Weltwirtschaft darstellen, nachdem Europa und Japan weniger als erwartet gewachsen sind.

Der Pessimismus der Anleger hat dafür gesorgt, die Spreads auf Euro-Anleihen mit Investment-Grade-Rating in diesem Jahr laut Bloomberg Barclays-Indexdaten um rund 30 Basispunkte auf 116 Basispunkte nach oben zu treiben. Der Markit iTraxx Europa Index der Kreditausfallswaps im Bereich Investment-Grade-Rating hat sich in diesem Jahr fünfzehnmal oder öfter um zwei Basispunkte nach oben oder unten verändert, gegenüber sechsmal im gesamten letzten Jahr.

Dennoch erwartet der IWF selbst nach der Senkung seiner Prognosen, dass die Wirtschaft des Euroraums in diesem Jahr um 2,2 Prozent und im nächsten Jahr um 1,9 Prozent wachsen wird. Ökonomen sehen einer Umfrage von Bloomberg News zufolge die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession im Euroraum in den kommenden zwölf Monaten lediglich bei zehn Prozent.

"Es sind nicht die Fundamentaldaten, sondern die Wahrnehmung, die zu einer Anpassung der Spreads in dem Markt führt", sagt Greg Venizelos, Anleihestratege bei Axa Investment Managers. Zwar könnten Handelskriege letztlich den Gewinn schmälern, aber das sei derzeit "nur ein Szenario."

EZB nimmt den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal
Die Entscheidung der EZB, die Anleihekäufe zu beenden, beruhte auch auf Erwartungen, dass die Wirtschaft das Ende der Stimuli verkraften und eine vorübergehende Schwäche überwinden kann. Die Zentralbank wird die Neu-Käufe von Aktiva im Oktober auf monatlich 15 Milliarden Euro halbieren und im Dezember beenden. Sie wird weiterhin die Anleihebestände bei Fälligkeit reinvestieren.

"Wir befürchten, dass die EZB die quantitative Lockerung beendet, aber dass nichts anderes geplant ist, um die Flaute in den Griff zu bekommen", schrieben die Strategen um Barnaby Martin von Bank of America Merrill Lynch in einer Kundennotiz. "Fiskalische Anreize scheinen weit weg zu sein." (aa)

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