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Corporate Governance entscheidet bei Small Caps über Wertpotenzial

Gute Unternehmensführung kann europäische Small Caps zu Hidden Champions machen, doch die Standards sind sehr uneinheitlich, schreiben Experten von Janus Henderson Investors in einem Kommentar. Schwache Governance und fehlende Marktkontrolle können das Abwärtsrisiko verstärken.

Ollie Beckett, Janus Henderson Investors
Ollie Beckett, Janus Henderson Investors© Janus Henderson

Eckpunkte:

  • Gute Governance kann zur Wertschöpfung beitragen oder im Falle eines Fehlens Abwärtsrisiken verstärken
  • Investoren müssen Unternehmensführung und Kommunikation bewerten
  • Duale Aktienstrukturen und Delistings sind Risikofaktoren

Insbesondere bei europäischen Small Caps ist Corporate Governance ein entscheidender Faktor für nachhaltige Performance, Anlegerschutz und strategische Agilität, schreiben Ollie Beckett und Rory Stokes, Portfoliomanager beim britischen Vermögensverwalter Janus Henderson Investors, in einem Kommentar.

Sie merken an, dass die Governance-Standards im europäischen Small-Cap-Universum uneinheitlich sind. Häufig seien die Eigentumsverhältnisse konzentriert, die Vorstände weniger der Marktkontrolle ausgesetzt und die externen Kontrollmechanismen schwächer. Sie schreiben: "Infolgedessen kann die Qualität der Unternehmensführung über den langfristigen Anlageerfolg entscheiden und sowohl das Aufwärtspotenzial als auch das Abwärtsrisiko verstärken".

Bei Small Caps, wo Ressourcen und Transparenz begrenzt sind, könne eine gute Governance zur Wertschöpfung beitragen, indem sie die Kapitaldisziplin unterstützt, Transparenz schafft und das Vertrauen der Anleger stärkt, wodurch die Kapitalkosten sinken.

Eine schwache Unternehmensführung dagegen führe zum gegenteiligen Ergebnis: "In Märkten, in denen die Rechte der Aktionäre geschwächt sind und die Aufsichtsräte das Management nicht hinterfragen, müssen Anleger wachsam bleiben und bereit sein, sich zu engagieren", erklären Beckett und Stokes.

Signale für die Qualität der Unternehmensführung
Investoren sollten daher die Managementfähigkeiten, die Umsetzung sowie die Haltung eines Unternehmens gegenüber seinen Anlegern am öffentlichen Markt, die Disziplin bei der Kapitalallokation und die Unternehmensverantwortung bewerten, so Janus Henderson. "Die Bereitschaft eines Unternehmens, zuzuhören, zu reagieren und sich anzupassen, ist oft das deutlichste Signal für die Qualität der Unternehmensführung und das langfristige Wertpotenzial", heißt es in dem Kommentar.

Gerade bei Small Caps wichtig
Bei Small Caps seien Governance-Strukturen und die richtige Ausrichtung von Incentives besonders wichtig, da dort einzelne Entscheidungen einen überproportionalen Einfluss auf die Ergebnisse haben können. Das gelte vor allem in Turnaround-Situationen, in denen Aufsichtsräte und Managementteams eine entscheidende Rolle dabei spielen, ob Veränderungen verzögert oder umgesetzt werden und erfolgreich sind.

Kritik an zweiklassigen Aktienstrukturen
Beckett und Stokes kritisieren Aktienstrukturen mit zwei Klassen, die das wirtschaftliche Eigentum von der Stimmrechtskontrolle trennen und in Deutschland, Schweden und den Niederlanden weit verbreitet sind. Solche Strukturen schwächen die Rechenschaftspflicht, insbesondere in Small-Cap-Unternehmen, so die Portfoliomanager.

De-Listing zu leicht möglich
Als weiteres erhebliches Governance-Risiko für europäische Small Caps identifizieren sie die Möglichkeit in vielen Ländern, Unternehmen mit geringer Zustimmung der Aktionäre und ohne wirksame Ausstiegsschutzmaßnahmen vom Markt zu nehmen. "Minderheitsinvestoren können dann auf illiquiden Aktien sitzen bleiben, oft ohne einen fairen Buyout-Mechanismus", so Beckett und Stokes. Zudem kritisieren sie Aufsichtsräte, die selbst in Zeiten anhaltender Underperformance zögern, das etablierte Management in Frage zu stellen.

Fazit: Vieles ist noch zu Erledigen
Die Portfoliomanager fordern strengere regulatorische Rahmenbedingungen zur Governance, vor allem eine größere Transparenz der Eigentumsverhältnisse, klarere Schutzmaßnahmen für Aktionärsrechte, strengere Anforderungen an die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats und einen besseren Schutz bei Unternehmensmaßnahmen wie Delistings und Übernahmen. "Wenn Europa ein dynamischer Standort für Innovation und Kapitalbildung bleiben will, muss die Unternehmensführung im Mittelpunkt seines Small-Cap-Ökosystems stehen", so dass Fazit der Experten. (dv)

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