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Invesco: Was der ‚Schwarze Schwan‘ mit den Emerging Marktes macht

Die SARS-Covid-19-Pandemie trifft die Schwellenländer unterschiedlich, merkt Inveso in einer Markteinschätzung an. Während Lateinamerika wohl weiter enttäuschen wird, sieht es bei anderen Ländern wesentlich besser aus.

Justin Leverenz, Senior Portfolio Manager im OFI Emerging Markets Equity Team von Invesco
Justin Leverenz, Invesco
© Invesco

Als echter Schwarzer Schwan - ein unvorhergesehenes Ereignis mit weitreichenden Folgen – wird das Coronavirus einschneidende wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen haben. Wie genau diese aussehen werden, sei laut Invesco aber noch offen. Diese Unsicherheit hat den Finanzmärkten bereits mehrere extrem volatile Wochen beschert. Justin Leverenz, Senior Portfolio Manager im OFI Emerging Markets Equity Team von Invesco, hat die Implikationen dieses „Black Swan“-Ereignisses für Investments in den Emerging Markets untersucht. Trotz der kurzfristigen Herausforderungen ist er davon überzeugt, dass diese Märkte weiter spannende Anlagechancen bieten. Allerdings gelte es zu differenzieren zwischen besser und schlechter aufgestellten Volkswirtschaften und Unternehmen.

Langfristiges Potenzial nutzen
„Anstatt kurzfristig zu taktieren, sollten Investoren jetzt gezielt Ausschau nach Unternehmen halten, die Potenzial für langfristige Wertsteigerungen bieten“, betont Leverenz. So gebe es durchaus solide aufgestellte Unternehmen, deren Fähigkeit, dieses Extremereignis gut zu überstehen, vom Markt bislang unterschätzt werde. Die beispiellosen, durch das Virus verursachten wirtschaftlichen Verwerfungen würden Wettbewerber in zahlreichen Branchen enorm unter Druck setzen. Vielen kleineren Firmen drohe die Insolvenz. Andere würden folgenschwere Entscheidungen treffen müssen – zum Beispiel Investitionen in Produktionskapazitäten, die Produktentwicklung und Talente reduzieren – und Unternehmen, die sich bislang nur durch billiges Kapital über Wasser gehalten hätten, würden dem Liquiditätsdruck nicht standhalten können. „Die Starken werden ihre Wettbewerbsstärke und ihre Marktanteile weiter ausbauen und künftig noch profitabler wirtschaften“, zeigt sich Leverenz überzeugt.

Exzesse gehen zu Ende
Gleichzeitig erwartet der Investmentexperte auch, dass die bevorstehenden Verschiebungen in der Realwirtschaft und an den Finanzmärkten einigen Exzessen der letzten Jahre ein Ende bereiten werden. „In jüngster Zeit haben wir gesehen, wie Unternehmen der ‚Sharing Economy‘ hoch bewertet waren, obwohl das Wachstum nachgelassen hat und die Gewinnschwelle in unverändert weiter Ferne liegt. Mit derartigen Exzessen dürfte genauso abgerechnet werden wie mit waghalsigen Kapitalallokatoren“, meint der Invesco-Experte. So rechnet Leverenz zum Beispiel in China und Brasilien künftig mit einem weniger intensiven Wettbewerb.

Russland und China sind interessant
Auf regionaler Ebene hält der Emerging-Market-Experte Russland für einen der aktuell potenziell attraktivsten Anlagemärkte. Das Land sei die stärkste der großen ölproduzierenden Volkswirtschaften mit einer sehr starken Staatsbilanz und guten Haushaltslage sowie einer flexiblen Währung und Kostenstruktur. Ein Ölpreis von 30 US-Dollar/Barrel wäre seiner Ansicht nach zwar auch für Russland unbequem, für die Golfstaaten aber verheerend. Insbesondere Saudi-Arabien könne zweistellige Haushaltsdefizite zu schultern haben.

Obwohl das Coronavirus die chinesische Wirtschaft im Februar fast zum Stillstand gebracht hat, hält Leverenz auch China für gut aufgestellt, um diese Krise gut zu überstehen, nachdem die chinesische Regierung schnell und pragmatisch auf den Virus-Ausbruch reagiert und unter anderem ein 150 Mrd. US-Dollar schweres Konjunkturpaket geschnürt hat. Strukturell habe China deutlich mehr geldpolitische Munition. Außerdem sei das Land dank seines kulturell verankerten fiskalischen Konservatismus gut gerüstet, um gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen.

Lateinamerika wenig aussichtsreich
Wenig Hoffnung hat Leverenz dagegen, dass es den lateinamerikanischen Volkswirtschaften gelingen wird, aus ihrem traditionellen Zyklus hoher Erwartungen, gefolgt von Enttäuschungen und gespickt mit Finanzkrisen und Rezessionen infolge wiederholter Zahlungsausfälle und Hyperinflationsphasen auszubrechen. „Länder wie Brasilien haben die dafür verantwortlichen strukturellen Defizite – zum Beispiel die prohibitiven Kapitalkosten – nie ernsthaft in Angriff genommen“, erklärt er. So hätten die brasilianischen Staatsausgaben im Jahr 2019 mit einem Wert von 38 Prozent des BIP die aller anderen großen Schwellenländer überstiegen, während die privaten Anlageinvestitionen in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zurückgegangen seien – und jetzt bei rund 15 Prozent des BIP lägen. (aa)

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