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Corona-Kosten: Bondmärkten droht eine Renditeaufwärtsspirale

Man sollte meinen, dass erstklassige Staatsanleihen im Kurs steigen, wenn Aktien dramatisch fallen. Das war kurzfristig so, wenngleich durch niedrige Anleiherenditen beschränkt. Mit der Save Haven-Funktion ist es aber angesichts der "what ever it takes"Ansage zur Abwehr der Corona-Folgen vorbei.

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© David Brown / stock.adobe.com

Der Dauerdruck auf die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum hat auch am Dienstag angehalten. Wieder einmal waren insbesondere die schwächeren Kreditqualitäten aus der Peripherie besonders stark von den Renditerückgängen betroffen. Als eine Ursache für die Renditenanstiege wurden die Mehrbelastungen der Haushalte durch die Zusatzausgaben für die Abfederung der ökonomischen Folgen der Viruskrise ausgemacht.

Höhere Emissionstätigkeit einzelner Euroländer zur Bekämpfung der Corona-Folgen 
Bislang gibt es zu den Refinanzierungspläne und Mehrausgaben wenig Konkretes von
einzelnen Ländern. Häufig sollen staatliche Kreditgarantien eingesetzt werden, was erst einmal zu keiner zusätzlichen Emissionstätigkeit führt. Zu refinanzierenden Mehrausgaben gibt es dagegen kein klares Bild. Außerdem könnten die Staaten auf den Geldmarkt zurückgreifen, sofern die Maßnahmen zur Bekämpfung der Viruskrise demnächst Erfolg zeigen.

Gerissene Risikoparamenter
Eine weitere Ursache für die deutlichen Renditeanstiege, die auch Semi-Kern und Kernländer treffen, könnte in weiteren Positionsauflösungen infolge des Reißens von Risikoparamentern ​zu finden sein. Schließlich war die Aufwärtsbewegung der Renditen kräftig, und die Bewegung konnte bislang nicht zu einem Stillstand gebracht werden - eine Art selbstverstärkende Bewegung also, diagnostiziert Bloomberg. Ohne dass es zu einem Ende der Kursverluste kommt, droht diese Bewegung weiterzugehen.

Griechenland-Risiko wird wieder bewusster wahrgenommen
Die Renditen griechischer Staatsanleihen hoben einen weiteren Tag in Folge regelrecht ab. Sie legten über die gesamte Kurve um die 80 bis 90 Basispunkte zu - und damit noch einmal stärker als am Montag, wie Bloomberg-Zahlen zeigen. Seit Anfang März legte beispielsweise die Rendite der aktuellen 5-jährigen griechischen Benchmark um rund das Fünffache von 0,72 auf 3,56 Prozent zu.

Ouzo-Bonds sind nicht über das EZB-Programm PSPP ankaufbar, Italiener schon
Besonders deutlich wird die Underperformance der griechischen Staatsanleihen im Vergleich zu italienischen Bonds. Lag der Spread zwischen der zehnjährigen griechischen (eigentlich ein neunjähriges Papier) und der zehnjährigen BTP-Benchmark Ende letzten/ Anfang diesen Jahres sogar leicht unter Null, zog der Renditeabstand mittlerweile auf 135 Basispunkte an. Italienische Staatsanleihen haben den entscheidenden Vorteil, durch das System Europäische Zentralbank im Rahmen des PSPP ankaufbar zu sein.

Griechenland droht wegen des Renditeanstiegs aber keine Krise
Athen hatte zu Beginn des Jahres eine Anleihe platziert und hat zusätzlich ausreichende Kassenbestände, mit denen die Verbindlichkeiten des Landes über einige Jahre bedient werden können. Allerdings dürfte das erhoffte Investment-Grade-Rating durch zusätzliche ökonomische Belastungen wahrscheinlich in weite Ferne rücken.

Mit ein wenig Sorge sollte die Bewegung der italienischen Kurve betrachtet werden
Am Dienstag kam zwar bei allen Euroländern die kurzen Enden unter Druck. Bei BTPs war das mit einem Renditeanstieg für zweijährige Papiere mit rund 33 Basispunkten aber besonders ausgeprägt. Zugleich stiegen die Renditen am ultralangen Ende nur wenig an. Begleitet wurden die Renditeanstiege von einer kräftigen Erhöhung der CDS-Prämie. Es sieht so aus, als ob sich die Investoren über die Bonität Italiens Sorgen machen.

Spanien will ordentlich Gas geben - zum Leidwesen der Staatsanleihenkäufer
Spanien wird die Wirtschaft mit 100 Milliarden Euro an Kreditgarantien sowie 17 Milliarden Euro an direkten Hilfen unterstützen. Insgesamt soll das Paket bis zu 200 Milliarden Euro umfassen. Aufgrund der Höhe dürfte das Paket nicht sonderlich gut bei den Bondinvestoren ankommen, obwohl seine Finanzierung bisher unklar ist.

Trump will Mega-Konjunkturprogramm - auf Pump mit Helikopter-Geld
Im späten Nachmittagshandel am Dienstag schossen die Renditen der Treasuries nach oben. Die USA wollen den ökonomischen Auswirkungen des Virus mit einem Konjunkturprogramm inklusive beispielsweise Steuersenkungen oder der Verteilung von Cash an die US-Amerikaner von einer Billion US-Dollar unter die Arme greifen.

Geplanter Umfang des US-Konjunkturprogramms verschreckt 
Die drohende Finanzierung über die Kapitalmärkte verschreckte die Investoren. Allerdings benötigt die Trump-Administration die Zustimmung des Kongresses, so dass die Demokraten mäßigend eingreifen könnten. Letztlich zeigten sich die Finanzmärkte nur kurz beeindruckt von den Vorstellungen der US-Regierung, denn im asiatischen Handel notierten die US-Aktienfutures wieder deutlich im Minus. Die asiatischen Aktienmärke gaben ihre anfänglichen Gewinne ab. Die Treasuries konnten sich von dem Billion-US-Dollar-Schock nur leicht erholen. (kb)

 

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