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Corona-Bewältigung: runter mit dem Fahrstuhl, hoch über die Treppe

Konjunkturindikatoren signalisieren zwar eine deutliche Erholung, doch wird es laut Feri wohl dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird: Frühestens 2022 soll es soweit sein. Ein dauerhafter moderater Wohlstandsverlust ist allerdings wahrscheinlich, meint Feri-Chefökonom Axel D. Angermann.

Axel Angermann, Chefökonom bei Feri.
Axel D. Angermann, Chefökonom der Feri-Gruppe
© Feri

Die aktuellen Konjunkturdaten sind derzeit überwiegend freundlich und teilweise sogar überraschend positiv. So lag der deutsche Einzelhandelsumsatz im Mai um fast 14 Prozent über dem Niveau im April – immerhin knapp 5 Prozent mehr als vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Die Daten zeigen insgesamt sehr klar, dass die wirtschaftliche Erholung nach dem Lockdown im April inzwischen wieder an Fahrt gewinnt. "Die Wirtschaftsleistung dürfte damit im dritten Quartal deutlich höher liegen als im zweiten Quartal. Bis zum Ende des Jahres erscheint es möglich, dass das BIP knapp zehn0 Prozent höher ist als am Tiefpunkt im zweiten Quartal", folgert Feri-Chefvolkswirt Axel D. Angermann.

Mühsamer Wiederaufstieg
Dieser erfreuliche Befund sei aber kein Anlass zu überschießender Euphorie: "Dass auf einen schnellen und tiefen Absturz der Wirtschaft nach Aufhebung der zuvor herbeigeführten Beschränkungen zunächst eine deutliche Erholung folgt, entspricht den Erwartungen. Der Wiederaufstieg wird jedoch mühsam. Bildlich gesprochen ist die Wirtschaft im Frühjahr mit dem Fahrstuhl in die Tiefe gerauscht, muss nun aber über die Treppe wieder aufsteigen. Im globalen Kontext zeigt sich schon jetzt: Während die meisten Länder im Frühjahr gemeinsam abgestürzt sind, legen sie beim Aufstieg ein unterschiedliches Tempo vor."

Unterschiedliches Tempo beim Aufholen
In China ist etwa die Industrieproduktion viel weiter oben auf der Treppe angekommen als der private Konsum, der auch drei Monate nach Lockerung der schärfsten Beschränkungen weiterhin schwach ausfällt. In den USA wiederum steigen derzeit in vielen Bundesstaaten die Infektionszahlen, was den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung im Sommer spürbar bremsen wird – möglicherweise geht es dort auf der Aufstiegstreppe zwischenzeitlich wieder einige Stufen nach unten. Auch in Deutschland verläuft nicht alles so positiv, wie es der Aufschwung beim Einzelhandelsumsatz suggeriert: Das Konsumentenvertrauen bleibt auch im Juli im negativen Bereich, und der Anstieg der Autoverkäufe blieb im Mai hinter den Erwartungen zurück.

Pandemieverlauf entscheidet über wirtschaftliche Erholung
Wie es in Deutschland weitergeht, hängt wesentlich von zwei Faktoren ab: Nachfrageseitig ist entscheidend, wie viele der über sechs Millionen Kurzarbeiter wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren können und für wie viele die Kurzarbeit nur die Vorstufe zur Arbeitslosigkeit ist. Angebotsseitig kommt es darauf an, ob und wie schnell sich der Welthandel normalisiert. Da die deutsche Wirtschaft stärker als andere von Exporten abhängig ist, besteht zwischen beiden Faktoren ein Zusammenhang.

Angermann dazu: "Wir müssen also im eigenen Interesse darauf hoffen, dass die Pandemie weltweit, insbesondere in den USA, unter Kontrolle gebracht wird, und dass der wirtschaftliche Wiederaufstieg in ganz Europa in Gang kommt (auch mit Hilfe eines EU-Wiederaufbaufonds). Schließlich bleibt zu hoffen, dass die sommerliche Reisewelle auch in Deutschland selbst nicht zu einer zweiten Pandemiewelle mit neuerlichen Einschränkungen führt. Realistisch erscheint aus heutiger Sicht die Erwartung, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr des Jahres 2022 das Vorkrisenniveau wieder übertrifft. Mit einem dauerhaften Wohlstandsverlust ist dennoch zu rechnen, im günstigsten Fall kann die langfristige Abweichung vom alten Wachstumspfad auf etwa drei Prozent begrenzt werden." (kb)

  

 

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