Commerzbank: Wertpapierleihe-Aktivitäten mehr als verzehnfacht
Die Commerzbank weist auf unverändert auffälliges Annahmeverhalten im Zusammenhang mit dem Angebot der UniCredit hin. Derzeit sei fraglich, ob und welche Profianleger ihre Commerzbank-Aktien der UniCredit andienen.

Eckpunkte:
- Commerzbank-Daten zur Aktionärsstruktur zeigen weiterhin: Keine einzige Angebotsannahme eines institutionellen Investors identifiziert
- Angediente Aktien stammen fast ausschließlich von mit UniCredit verbundenen Banken und Parteien, die vor dem Übernahmeangebot keine wesentlichen Anteile an der Commerzbank gehalten haben
- Angebotsannahme durch Aktionäre folgt keiner wirtschaftlichen Logik; Aktienkurs der Commerzbank lag durchgehend über dem implizierten Angebotspreis, zuletzt rund sechs Prozent oder 2,30 Euro pro Aktie
- Commerzbank verweist zudem auf erheblichen Anstieg der Wertpapierleihe-Aktivitäten seit Ankündigung des Übernahmeangebots
- Commerzbank erwartet im Interesse ihrer Aktionäre mehr Markttransparenz und übermittelt der BaFin fortlaufend ihre Daten und Erkenntnisse
Die Commerzbank wehrt sich weiterhin gegen die Übernahmeversuche der UniCredit. So soll die Annahmequote laut jüngsten Daten der UniCredit auf 10,95 Prozent gestiegen sein. Die Commerzbank konnte basierend auf kontinuierlich erhobenen Informationen zur Aktionärsstruktur, die ihr als Emittentin von Verwahrstellen bereitgestellt werden, hingegen weiterhin keinen einzigen institutionellen Investor identifizieren, der Aktien in das Angebot angedient hat, wie die Commerzbank in einer Aussendung von Mittwoch-Nachmittag betont.
Die Andienung von Privataktionären lag unverändert bei rund 0,05 Prozent. "Damit erhärten die Daten und der Fortlauf der Annahmequote die begründete Annahme, dass die angedienten Aktien fast ausschließlich von mit UniCredit verbundenen Banken und Parteien stammen", erklärt die Commerzbank.
Vieles liegt im Nebel
Nach Informationen der Commerzbank habe zudem keine der mit UniCredit in Verbindung stehenden andienenden Parteien vor dem Übernahmeangebot wesentliche Anteile an der Commerzbank gehalten. Nach Auffassung der Commerzbank liefern die von der UniCredit kommunizierten Meldungen weiterhin nicht die erforderliche Transparenz und können nicht als Beleg für eine unabhängige Unterstützung der Aktionärinnen und Aktionäre für das Angebot gewertet werden.
Annahme des UniCredit-Anbots entspricht nicht der ökonomischen Logik
Während der gesamten Annahmefrist lag der Aktienkurs der Commerzbank deutlich über dem implizierten Wert der Angebotsgegenleistung. Per Handelsschluss am 9. Juni 2026 lag der Aktienkurs rund sechs Prozent oder 2,30 Euro pro Aktie über dem implizierten Angebotspreis. Eine Angebotsannahme folgt unter diesen Umständen keiner wirtschaftlichen Logik und wirft die Frage auf, ob nicht offengelegte wirtschaftliche Ausgleichsvereinbarungen bestehen.
Hohe Wertpapierausleihungen
Zudem hat die Commerzbank laut eigenem Bekunden in den vergangenen Wochen einen erheblichen Anstieg der Wertpapierleihe-Aktivitäten in ihren Aktien beobachtet, den sie angesichts des Ausmaßes und des Zeitpunkts als ungewöhnlich betrachtet. Seit Ankündigung des Angebots ist die Leihe-Aktivität um mehr als das zehnfache gestiegen.
"Es ist daher nicht auszuschließen, dass der erhebliche Anstieg der Wertpapierleihe-Aktivitäten mit dem Annahmeverhalten einzelner Banken und Parteien, die mit der UniCredit verbunden sind, in Zusammenhang steht. Dies spiegelt sich auch in den der Commerzbank vorliegenden Daten wider, nach denen sich nur ein Teil der angedienten Aktien wirklich im Eigentum der andienenden Parteien befindet", schreibt die Commerzbank in ihrer Aussendung.
Forderung nach mehr Transparenz
Die Commerzbank erwartet im Interesse der Markttransparenz, dass die UniCredit und die mit ihr in Verbindung stehenden Banken und Parteien die wesentlichen Elemente der den Absicherungs- und Derivatgeschäften zugrundeliegenden Vereinbarungen offenlegen.
Um zur Aufklärung des Sachverhalts beizutragen, übermittelt die Commerzbank der BaFin fortlaufend Daten und Erkenntnisse. Transparenz und eine sorgfältige aufsichtsrechtliche Prüfung seien im Interesse aller Marktteilnehmer, Investoren und Stakeholder. Aktionäre müssen ihre Entscheidungen auf der Grundlage vollständiger, korrekter und angemessen kontextualisierter Informationen treffen können.
Marktteilnehmern und Investoren wird seitens der Commerzbank unverändert empfohlen, keine abschließenden Schlussfolgerungen hinsichtlich Aktienverteilung, Einfluss, Kontrolle oder tatsächlicher Aktionärsunterstützung für das Angebot zu ziehen, bis die zugrundeliegenden Sachverhalte vollständig aufgeklärt und angemessen offengelegt worden sind. Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank empfehlen den Aktionärinnen und Aktionären unverändert, das Angebot der UniCredit nicht anzunehmen.
Die Commerzbank wird die Daten weiterhin fortlaufend analysieren und die Öffentlichkeit bis zum Ende der Annahmefrist am 16. Juni 2026 sowie in der erweiterten Annahmefrist, die laut Angebotsunterlage der UniCredit voraussichtlich vom 20. Juni bis 3. Juli 2026 läuft, regelmäßig informieren. (aa)


