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Commerzbank: Weißer Ritter gesucht

Die deutsche Bundesregierung suchte angesichts der Übernahmepläne der UniCredit vor einiger Zeit diskret nach einem weißen Ritter. Dieser soll im Idealfall Großinvestor werden und die Commerzbank als Finanzier des deutschen Mittelstands möglichst unabhängig agieren lassen.

© Alvin / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Die Bundesregierung hofft auf einen weißen Ritter für die Commerzbank
  • Da der deutsche Finanzplatz als unattraktiv gilt, winkten angesprochene Großbanken ab

Die Bundesregierung hat informierten Kreisen zufolge in diesem Jahr bei europäischen Banken das Interesse sondiert, die Commerzbank gegen das Übernahmeangebot der italienischen UniCredit zu verteidigen. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

Deutsche Regierungsvertreter nahmen demnach informell Kontakt zu Geldhäusern auf, um auszuloten, ob ein neuer strategischer Investor Anteile erwerben oder die Frankfurter Bank sogar übernehmen könnte. Die Gespräche blieben jedoch in einem sehr frühen Stadium und wurden nicht vertieft, merkt Bloomberg an.

Regierung will möglichst unabhängige Bank
Die Initiative verdeutlicht Bloomberg zufolge, wie weit Berlin geht, um die Unabhängigkeit der Commerzbank zu bewahren. Sie illustriert die begrenzten Handlungsspielräume gegenüber UniCredit-Chef Andrea Orcel – obwohl der Staat weiterhin zweitgrößter Anteilseigner ist. Zugleich wird deutlich, wie schwierig es ist, alternative Investoren zu gewinnen.

Die Bundesregierung lehnt weiterhin ab, was sie als “feindliche Übernahme” bezeichnet. UniCredit hat ihre Commerzbank-Beteiligung seit dem Einstieg Ende 2024 schrittweise ausgebaut. In Berlin besteht die Sorge, dass bei einem Deal die Entscheidungsgewalt über ein für die Finanzierung des deutschen Mittelstands zentrales Geschäft von Frankfurt nach Mailand verlagert werden könnte.

Hoher Commerzbank-Aktienkurs hat Vor- und Nachteile
Die Chancen, eine Alternative zu finden, sind seit Orcels erstem Vorstoß gesunken. Sein jüngstes Angebot dürfte den Anteil von UniCredit auf über 30 Prozent erhöhen. Analysten sehen diese Größenordnung als erhebliches Hindernis für einen möglichen “weißen Ritter”. Zudem ist unklar, ob ein anderer Bieter bereit wäre, die bereits hohe Bewertung der Commerzbank zu zahlen und in einen Bieterwettstreit mit UniCredit einzutreten.

Unattraktiver Markt
Hinzu kommt, dass der deutsche Bankensektor im Vergleich zu anderen Märkten als wachstumsschwach gilt, was die Attraktivität für viele Investoren mindert. Berlin indessen scheut protektionistische Maßnahmen - sowohl wegen möglicher Reputationsschäden für den Finanzstandort Deutschland als auch aufgrund rechtlicher Grenzen innerhalb der Europäischen Union, die Blockaden von Übernahmen im Binnenmarkt erschweren.

Flügelkämpfe
Auch innerhalb der Politik gibt es unterschiedliche Akzente. Marktorientierte Konservative im Umfeld von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigen sich eher kompromissbereit, während die Sozialdemokraten um Finanzminister Lars Klingbeil eine härtere Linie vertreten.

Sollte die Bundesregierung bei ihrer ablehnenden Haltung bleiben, dürfte dies die Bereitschaft von UniCredit auf die Probe stellen, einen ressourcenintensiven Konflikt zu führen – nicht zuletzt wegen des staatlichen Anteils von rund zwölf Prozent.

Auch deshalb hält Orcel seine Optionen offen, einschließlich eines möglichen Verkaufs der Beteiligung, wie eine weitere mit der Sache vertraute Person sagte. (aa)

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